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Ausfall wegen Streik: In ganz Hessen sollten sich Fahrgäste von Bussen frühzeitig informieren.  

Tarifstreit

Hessens Busfahrer streiken

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Die Arbeitnehmer privater Busunternehmen legen die Arbeit nieder. Wie lange, ist noch unklar. Nicht nur Senioren und Schulkinder haben das Nachsehen, sondern auch Fußballfans. In Frankfurt fallen auch Trams und U-Bahnen aus.

Die Busfahrer der privaten Omnibusunternehmen in Hessen streiken ab heute auf unbestimmte Zeit. Rund 4400 Arbeitnehmer in den Betrieben sind damit von der Gewerkschaft Verdi zur unbefristeten Arbeitsniederlegung aufgerufen. Verdi möchte nach eigenen Angaben damit den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, die in den aktuellen Tarifverhandlungen für die private Busbranche in Hessen bisher kein akzeptables Angebot vorgelegt hätten.

Die Verhandlungen waren am Donnerstag vergangener Woche gescheitert. Verdi-Verhandlungsführer Jochen Koppel sprach von ein paar Brotkrümeln, die man hingeworfen bekommen habe. Nun erwartet die Fahrgäste ein ähnliches Szenario wie im Januar 2017, als die Busfahrer ebenfalls unbefristet streikten. Damals – im Schneetreiben – waren viele Menschen, vor allem Schulkinder von der Arbeitsniederlegung betroffen.

Viele von Frankfurts äußeren Stadtteilen sind auf das Busnetz angewiesen. Aber jede hessische Stadt und Gemeinde von Kassel, Melsungen, Rothenburg über Gießen, Fulda, und Schlüchtern bis Bad Vilbel, Oberursel und Darmstadt muss sich auf Einschränkungen durch den hessenweiten Streik einstellen.

Um möglichst wenig Menschen ratlos an den Bushaltestellen stehen zu lassen, möchte die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq ihre Fahrgäste gut informieren, so ein Pressesprecher. Zwar könnten vereinzelte Buslinien fahren, doch der Großteil der 64 Frankfurter Buslinien werde wohl bestreikt werden. Fahrgäste sollten sich im Vorfeld informieren. Entweder über das RMV-Servicetelefon 069 /24 24 80 24 oder im Internet unter www.rmv-frankfurt.de.

Tarifstreit
Verdi fordert für die Busfahrer eine Anhebung des Grundgehalts von 13,50 Euro auf 16,60 Euro die Stunde. Der Landesverband hessischer Omnibusunternehmer bietet 15,60 Euro in vier Jahren. Der Urlaub soll zudem von 25 auf 30 Tage ansteigen.

Pausen und Wendezeiten sollen komplett vergütet werden. Die Arbeitsbedingungen habe der Arbeitgeberverband in den Verhandlungen bisher gar nicht angesprochen, so Verdi. mic

Erschwerend kommt am heutigen Dienstag und am Mittwoch hinzu, dass wegen Betriebsversammlungen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) U-Bahn- und Straßenbahn-Fahrten ausfallen werden. Welche Fahrten im Einzelnen betroffen sein werden, ließ sich am Montagabend nicht vorhersagen, so die VGF. Betroffen könnten heute Abend etwa die Fußballfans sein. Um 20.45 Uhr trifft Deutschland in der EM-Qualifikation auf Nordirland. Busse zum Stadion im Stadtwald wird es wohl nicht geben. Verlässlich nutzen können die Menschen in Frankfurt am  Dienstag und am Mittwoch nur die S-Bahnen, Regionalzüge und vermutlich einige Buslinien (35, 45, 47, 48, 57, 81, 82, 551). Wie lange die Streiks dauern werden, ließ Verdi noch offen. Arbeitsniederlegungen am Mittwoch und Donnerstag gelten als wahrscheinlich, solange die Arbeitgeber nicht wieder an den Verhandlungstisch bitten. „Wenn die Arbeitgeber signifikant nachbessern, brechen wir die Streiks ab“, sagte Verhandlungsführer Koppel. Gewerkschaft und Arbeitnehmer kritisieren zum einen das niedrige Gehalt als Busfahrer. Die geforderten 16,60 Euro Stundenlohn seien in Baden-Württemberg das Anfangsgehalt für die dortigen Fahrer der privaten Branche, so Fritzel. Zum anderen gehe es um unbezahlte Pausen- und Wendezeiten. Oft würden die Fahrer zwölf Stunden auf Arbeit sein, aber nur acht Stunden bezahlt bekommen. Hinzu komme beispielsweise auch, dass es keine Altersvorsorge gebe und dass langjährige Betriebszugehörigkeiten sich kaum auf das Gehalt auswirken würden.

Ein klassischer Ausbildungsberuf ist Busfahrer nicht. Viele Fahrer sind Quereinsteiger oder kommen aus dem Bereich des Berufskraftfahrers. Ein Führerschein der Klasse D wird benötigt beziehungsweise wird zu Beginn des Arbeitsverhältnisses noch erworben. Heutzutage werden die Kosten (circa 4000 bis 5000 Euro) oft von den Betrieben übernommen, da Personalmangel herrsche, so Verdi-Pressesprecherin Ute Fritzel.

Der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer warnte mit Blick auf das Saarland vor ein Tarifabschluss, der über den wirtschaftlichen Möglichkeiten liege. Dort seien erste Verkehrskonzessionen deswegen bereits zurückgegeben worden.

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