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Immer mehr Menschen wollen sich gegen Grippe impfen lassen.

Grippeimpfung

Hessens Ärzte warnen vor Impfung beim Apotheker

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Der Apothekerverband dagegen findet die Pläne der Bundesregierung gut. Die Grippesaison ist laut Robert-Koch-Institut beendet.

Zur Grippeschutzimpfung zum Apotheker um die Ecke? Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), sollen Pharmazeuten die Berechtigung erhalten, zu impfen. Ein Vorhaben, vor dem der hessische Ärztekammerpräsident Edgar Pinkowski am Mittwoch warnte. Es würde Patienten „geradezu gefährden“.

Dass Impfstoff nur von Ärzten verordnet und unter deren Aufsicht verabreicht werden darf, habe seinen Grund. „Nur so kann bei seltenen Komplikationen – etwa einer allergischen Reaktion – sofort Hilfe geleistet werden.“ Auch gehe es um mehr, als den Nadelstich: Notwendig sei auch die Impfaufklärung, Impfanamnese sowie Abklärung möglicher akuter Erkrankungen. „Alles komplexe Aufgaben, die nicht mal eben schnell in einer Schulung erlernt werden können, sondern die medizinische Aus- und Weiterbildung voraussetzen“, sagte Pinkowski.

Grippeimpfung: Zuletzt gab es Wartezeiten, weil Nachschub fehlte

Offene Türen rennt der Referententwurf aus dem Hause Spahn hingegen beim hessischen Apothekerverband ein: „Man sollte das einfach mal ausprobieren“, sagt Sprecherin Katja Förster der Frankfurter Rundschau. Dann werde sich zeigen, ob sich die Erwartungen erfüllen und der einfachere Zugang tatsächlich die Impfquoten erhöht.

Der Gesetzentwurf:
Die Berechtigung für Apotheker, gegen Grippe zu impfen ist Teil eines Gesetzentwurfs, der die Apotheke vor Ort stärken soll. Der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen hat dies gefordert.

In regionalen Modellvorhaben  soll zunächst getestet werden, ob dieser niedrigschwellige Zugang die Impfquoten erhöht.

Teilnehmende Pharmazeuten  müssen sich allerdings vorher umfassend ärztlich schulen lassen sowie geeignete Behandlungsräume vorweisen können.

In Frankreich  dürfen Apotheker seit diesem Jahr ihre Kunden impfen. Vorausgegangen waren gute Erfahrungen mit einem Pilotprojekt in zwei Regionen. jur

Pinkowski wiederum betont: Nicht volle Arztpraxen mit überfüllten Wartezimmern seien das Problem, sondern der fehlende Nachschub. Tatsächlich war es in der vergangenen Impfsaison zu regionalen Engpässen gekommen. Auch in Hessen. „Es gab eine ungleiche Verteilung“, sagte Susanne Stöcker von Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Grund könnte eine gewachsene Nachfrage sein, ausgelöst von der schweren Grippewelle mit vielen Toten im Jahr davor. Das deckt sich mit den Zahlen der AOK Hessen. Demnach rechneten die gesetzlichen Krankenkassen in Hessen im vergangenen Jahr rund 850.000 Impfdosen ab. Das sind 80.000 mehr, als im Jahr zuvor.

Eine weitere Erklärung hat die Sprecherin des Apothekerverbands: Die Ärzte hätten ihre Bestellungen lange hinausgezögert, weil erst spät feststand, ob die Krankenkassen die neue Vierfachimpfung bezahlen. Die Anforderungen an den Stoff sind bekanntlich jedes Jahr andere. Die Produktionsmengen bestimmen die Ärzte mit ihren Bestellungen bei den Apothekern. In diesen Wochen ist es wieder so weit, sagt Förster. Die Herstellung dauert rund ein halbes Jahr.

Nach der Grippe ist vor der Grippe. Die Ärzte ordern derzeit ihre Impfdosen, das Robert-Koch-Institut erklärte am Mittwoch die Saison 2018/19 offiziell für beendet. Begonnen hatte sie in der zweiten Kalenderwoche, sagt Sprecherin Susanne Glasmacher. „Es gibt auch jetzt noch Fälle, aber nicht in nennenswerter Zahl.“ Wie schwer die aktuelle Grippewelle war, lasse sich erst im September nach Auswertung sämtlicher Daten beurteilen. Fest steht schon jetzt, dass Hessens Arztpraxen weit weniger Influenza-Patienten registrierten, als im Jahr zuvor.

Dem hessischen Sozialministerium lagen am Mittwoch lediglich die Zahlen bis 3. März vor. Demnach gab es bis zu diesem Zeitpunkt 3211 Fälle von Influenza in Hessen, 2000 weniger als im Jahr zuvor. Zwölf Menschen starben nachgewiesen an der Grippe. 2018 waren es 33.

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