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Das Frankfurter Universitätsklinikum.
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Versicherte der AOK Hessen, die einen Transportdienst bestellen wollen, um zu einer ambulanten Behandlung oder ins Krankenhaus gefahren zu werden, könnten in diesen Tagen eine böse Überraschung erleben. 

Streit um Vergütung

Hessen: Zu wenig Geld für Krankenfahrten

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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50 große private Taxi- und Mietwagenunternehmen kündigen ihre Verträge mit der AOK. Die Vergütung sei nicht auskömmlich. Die Krankenkasse will weiterverhandeln.

Versicherte der AOK Hessen, die einen Transportdienst bestellen wollen, um zu einer ambulanten Behandlung oder ins Krankenhaus gefahren zu werden, könnten in diesen Tagen eine böse Überraschung erleben. Denn 50 der größten privaten Taxi- und Mietwagenunternehmen in Hessen, die Liegend- und Tragestuhlfahrten anbieten, haben zum Jahresende ihre Verträge mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse gekündigt.

Als Grund nennt der Vorsitzende des Fachverbandes Pkw-Verkehr, Heiko Hess, die gescheiterten Vergütungsverhandlungen mit der Kasse. Die AOK, die in Hessen eine marktbeherrschende Position habe, sei nicht bereit gewesen, die Vergütung auf ein „auskömmliches Maß“ anzuheben. „Wir mussten handeln, um eine drohende wirtschaftliche Schieflage unserer Unternehmen abzuwenden.“

Pro Tag sage er zurzeit rund 20 Fahrten ab, berichtet Hess der Frankfurter Rundschau. Auch Entlassungs- und Verlegungsfahrten, die ihn aus Krankenhäusern erreichten, könne er für AOK-Versicherte nicht annehmen. „Der Frust bei den Leuten ist groß.“

Nach Angaben des Fachverbandes zahlt die AOK Hessen „die mit Abstand schlechteste Vergütung“ an die Krankenbeförderungsbranche. Während Ersatzkassen, Betriebskrankenkassen, Innungskrankenkassen sowie die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau ihre Verträge angepasst hätten, vergüte die AOK die Fahrten weiterhin auf dem Niveau von vor zehn Jahren.

Für eine Wegstrecke von 15 Kilometern werde ein Betrag von 56,90 Euro bezahlt. Dafür seien zwei Mitarbeitende durchschnittlich eine Stunde im Einsatz, rechnet Heiko Hess vor. Wartezeiten vor Kliniken oder Heimen würden nicht vergütet. Die eingesetzten Spezialfahrzeuge mit Krankenfahrtrage sowie Tragestuhl hätten einen Anschaffungswert von 80 000 Euro und könnten im Schnitt fünf Jahre genutzt werden. Zehn Prozent seiner Mitarbeiter:innen seien mit der Disposition der Krankenfahrten beschäftigt.

Angesichts explodierender Benzinpreise, dem gestiegenen gesetzlichen Mindestlohn und der schwierigen Situation in der Pandemie führe die geringe Vergütung der AOK die Branche in den Ruin, befürchtet Heiko Hess und prognostiziert: „Ein elementar wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung für AOK-Versicherte droht wegzubrechen.“ Gefordert und benötigt würde für 15-Besetzt-Kilometer ein Betrag von 72 Euro für das Jahr 2022.

Die AOK Hessen wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die Kasse zahle keine schlechten Preise, teilt Pressesprecher Stephan Gill auf FR-Anfrage mit. „Im Vergleich mit anderen AOKs liegen wir in Sachen Durchschnittspreis derzeit im Mittelfeld.“ Man sei sogar bereit gewesen, das Preisniveau deutlich anzuheben und fünf Millionen Euro mehr im Jahr für Krankenfahrten auszugeben. Das Angebot sei jedoch vom Fachverband Pkw-Verkehr abgelehnt worden. Den aktuellen Forderungen der Interessenvertretung nachzukommen, hätte Mehrkosten von zehn Millionen Euro im Jahr bedeutet. Das sei für die AOK als Marktführer in Hessen nicht leistbar.

„Letztlich haben wir den gesetzlichen Auftrag, die Beitragsgelder unserer Versicherten und ihrer Arbeitgeber wirtschaftlich einzusetzen“, sagt Gill. Aktuell seien 210 AOK-Versicherte von den Vertragskündigungen der Transportunternehmen direkt betroffen. Geplante Fahrten, etwa zur Dialyse, würden auf andere Unternehmen umgesteuert. Außerdem verschicke die AOK Listen mit Beförderungs-Alternativen, darunter Hilfsorganisationen, die auch Krankenfahrten durchführten. „Von einem Zusammenbrechen der Versorgung kann also keine Rede sein.“

Die AOK Hessen sei weiterhin gesprächsbereit, um gemeinsam zu realistischen Preisen zu kommen, betont Gill im Gespräch mit der FR. Auf eine Lösung hofft auch Heiko Hess. Sollte keine Einigung erzielt werden, müssten Beschäftigte in der Branche entlassen werden, befürchtet er.

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