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Zehn Millionen Euro gibt das Land gegen Hass und Extremismus aus.

Prävention

Hessen: Zehn Millionen Euro gegen Hass und Extremismus

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In Hessen arbeiten jetzt verschiedene Initiativen in einem Netzwerk zusammen, um Hass bei Jugendlichen vorzubeugen. Das Land unterstützt sie mit zehn Millionen Euro.

Was tun, wenn männliche Jugendliche Folter- und Vergewaltigungsbilder in einer Chatgruppe austauschen? Wenn sie sich in Gewaltfantasien gegen eine Mitschülerin hineinsteigern? Und wenn sie ihre Frauenverachtung mit rassistischen und antisemitischen Sprüchen verbinden?

Die „Digitalen Helden“ wissen Hilfe. Sie beugen mit Präventionsarbeit vor, bieten aber auch „Nachsorge“ wie bei jener zehnten Klasse einer hessischen Schule, in der sich der Fall abgespielt hat. Davon berichtete die Medienpädagogin Alia Pagin am Donnerstag im hessischen Innenministerium.

Die „Digitalen Helden“ sind einer der neuen Kooperationspartner im hessischen Netzwerk Prävention, das zu dem Fachkongress ins Ministerium eingeladen hatte. Dort arbeiten die Polizei und andere staatliche Stellen mit Dutzenden von zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, um extremistischen Bestrebungen vorzubeugen. Das Land unterstützt das Netzwerk in diesem Jahr mit zehn Millionen Euro. Vor fünf Jahren war es ins Leben gerufen worden, damals noch mit einem Budget von 1,3 Millionen Euro.

Auch „Die Kopiloten“ gehören neuerdings dem Netzwerk an. Sie besprechen Hass-Posts aus den sozialen Netzwerken mit Jugendlichen – etwa wenn dort gegen Flüchtlinge oder gegen die Bundeskanzlerin gehetzt wird. In sozialen Netzwerken würden „bewusst Grenzen überschritten und verschoben“, berichtete Ann-Kathrin Mogge von den „Kopiloten“.

Melden

Hasskommentare aus dem Internet können der neuen hessischen Meldestelle gemeldet werden.

Das Meldeformular findet sich im Portal www.hessengegenhetze.de.

Die E-Mail-Adresse lautet:
mail@hessengegenhetze.de

Die Telefonhotline hat die Nummer 0611-35 39 977. pit

Das diskutierten die Mentoren mit Schülerinnen und Schülern – und versuchten so zu vermeiden, dass der Hass eskaliere. Man sehe derzeit, wohin eine Eskalation sonst führen könne, sagte Mogge, ohne den Terror von Hanau oder andere Gewalttaten ausdrücklich zu erwähnen.

„Ein Teil unseres Kampfs gegen Extremismus findet im Internet statt“, sagte denn auch Innenminister Peter Beuth (CDU). Er erinnerte in seiner Begrüßung an die jüngsten Ereignisse in Hessen. Der Minister versicherte, das Land stehe „fest an der Seite der Opfer“. Neben den rechtsradikal motivierten Morden von Hanau erwähnte Beuth auch die Tat eines Autofahrers im nordhessischen Volkmarsen, der offenbar gezielt in den Karnevalsumzug gefahren war, ohne dass sein Motiv bekannt ist.

Der Minister stellte beide Ereignisse in eine Reihe und wertete sie als „Angriff auf die freiheitliche Gesellschaft“. Zwar seien beide Taten „völlig unterschiedlich“. Doch Beuth stellte fest: „Beide Taten sollten Angst machen, und beide Taten haben Angst gemacht.“

Er wies auch darauf hin, dass Hessen den Kampf gegen Extremismus „in alle Richtungen“ führe, „aber natürlich auch besonders den Kampf gegen Rechtsextremismus“. Dabei spiele die Prävention eine „herausragend wichtige Rolle“. Hierfür stünden jetzt auch in allen Polizeipräsidien Sozialwissenschaftler oder Kriminologen als Ansprechpartner zur Verfügung, berichtete Frank Schweitzer, der Leiter des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus, das im Innenministerium angesiedelt ist.

Im Januar hatte Hessen als bisher einziges Bundesland eine Meldestelle für Hass-Posts im Internet eröffnet. Minister Beuth berichtete, bisher seien dort 450 Meldungen eingegangen. Die Staatsanwaltschaft habe daraufhin in 75 Fällen Ermittlungsverfahren eingeleitet.

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