1. Startseite
  2. Rhein-Main

Hessen: Wohnungsbau droht einzubrechen

Erstellt:

Von: Gregor Haschnik

Kommentare

In Frankfurt haben die Firmen des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft einen Marktanteil von etwa 30 Prozent.
In Frankfurt haben die Firmen des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft einen Marktanteil von etwa 30 Prozent. Rolf Oeser © Rolf Oeser

Die Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft fordern angesichts stark steigender Bau- und Energiekosten deutlich bessere Rahmenbedingungen.

Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest) fordert von der Politik eine „erhebliche Verbesserung“ der Förderung bezahlbaren und klimafreundlichen Wohnraums. Das sagte Vorstand Axel Tausendpfund, der besonders das Land Hessen, aber auch den Bund in der Pflicht sieht, bei der Vorstellung des hessischen Wohnungsmarktbarometers des VdW am Mittwoch. Es brauche einen „riesigen Sprung“, keine kleinen Schritte. So müsse zum Beispiel der Umfang von günstigen Darlehen für die Unternehmen in etwa verdoppelt werden.

Hintergrund ist, dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen zurückgeht, auch bei den Firmen, die der Verband vertritt: von fast 2000 im Jahr 2020 auf 1489 im vergangenen Jahr. Laut Tausendpfund haben die Unternehmen ihre Investitionen zwar von 600 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 1,52 Milliarden Euro im Jahr 2021 gesteigert, doch aufgrund enormer Preissteigerungen, die unter anderem aus den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine resultierten, könnten mit dem Geld deutlich weniger Wohnungen gebaut werden als zuvor. Die Baukosten liefen aus dem Ruder, mahnte Tausendpfund, und seien noch stärker gestiegen als die „normale Inflation“.

Dadurch könnten die von der Bundesregierung ausgegebenen wohnungspolitischen Ziele bei weitem nicht erreicht werden. Diese sehen für Hessen pro Jahr insgesamt 28 000 fertiggestellte Wohnungen vor. Im vorigen Jahr wurden jedoch lediglich knapp 23 000 gebaut. In den kommenden Monaten und Jahren dürfte sich der Mangel verschärfen, da die Zahl der Baugenehmigungen von 14 680 in der ersten Jahreshälfte 2021 auf 13 140 bis Mitte dieses Jahres gesunken ist.

Die Firmen des VdW stellten die ökonomische Entwicklung – und die notwendigen Investitionen in mehr Klimaschutz – vor besondere Herausforderungen, weil sie bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellten und Kostensteigerungen möglichst nicht weitergeben wollten. Der Kodex des Verbands sieht vor, dass Mieten im Schnitt lediglich um zwei Prozent pro Jahr steigen dürfen. Ob sich dies halten lasse, ohne dass die politisch Verantwortlichen gegensteuerten, sei fraglich.

Der Verband

Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest), vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 200 privaten und öffentlichen Firmen der Wohnungswirtschaft in Hessen und dem südlichen Rheinland-Pfalz. Deren Bestand liege bei 400 000 Wohnungen.

Zu den Mitgliedern zählen die ABG Holding Frankfurt, die Nassauische Heimstätte und die Darmstädter Bauverein AG. Der Verband fordert bessere Rahmenbedingungen für bezahlbaren Wohnraum: 7000 neue geförderte Wohnungen in Hessen pro Jahr sind das Ziel der Bundesregierung, doch 2021 wurden Mittel für nur 1753 bewilligt. gha

Zuletzt hätten die Mitgliedsunternehmen eine durchschnittliche Nettokaltmiete von sieben Euro pro Quadratmeter geboten (Stand 2021), was deutlich unter dem landesweiten Wert liege. Dieser bewege sich bei 7,60 Euro, sei allerdings zuletzt 2018 ermittelt worden und in der Zwischenzeit spürbar gestiegen.

Zudem sprach sich Tausendpfund dafür aus, dass Bund und Land wegen der extrem gestiegenen Energiekosten auch Menschen, die knapp unter der Schwelle für Wohngeld und andere Hilfen liegen, entlasten. Sie stellten eine große Gruppe dar, auch in den Wohnungen der Firmen des Verbands, und profitierten nicht von sinnvollen Maßnahmen wie einer Erhöhung des Sozialhilfesatzes und des Wohngelds.

Eine Umfrage des VdW Südwest kommt zu dem Ergebnis, dass seine Unternehmen angesichts der Entwicklung des Gaspreises eine starke Erhöhung der Kosten in dem Bereich erwarten. Lagen diese 2021 noch bei 56 Millionen Euro, rechneten die Unternehmen für 2022 mit Kosten in Höhe von 145 Millionen Euro – die früher oder später auch viele Mieter:innen zu tragen haben werden. Denn den Anteil der Wärmeversorgung mit Gas an ihrer gesamten Wohnfläche beziffern die Firmen auf 70 Prozent.

Auch interessant

Kommentare