Hessen

Land will Flüchtlinge verteilen

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Die Sammelunterkünfte für Flüchtlinge im Land Hessen bleiben aber weiterhin bestehen – trotz der zunehmenden Infektionsgefahr. Die Regierung nennt dafür einen Grund.

Geflüchtete Menschen werden weiterhin auch längere Zeit in Sammelunterkünften leben müssen – trotz der Infektionsgefahr in Einrichtungen, in denen Menschen eng zusammenwohnen. Das hessische Sozialministerium verwies am Freitag auf entsprechende Regelungen im Asylgesetz des Bundes.

Danach müssten Flüchtlinge bis zu 18 Monate in Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben, zumindest aber so lange, bis das Bundesamt über ihren Asylantrag entschieden habe. Hessen sei aber bestrebt, im Rahmen dieser Regelung „eine unverzügliche Verteilung der Asylsuchenden auf die Kommunen sicherzustellen“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf FR-Anfrage.

In dieser Woche war Corona in einer hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel ausgebrochen. Mehr als ein Drittel der gut 300 Menschen hatte sich mit dem Virus infiziert. Dadurch geriet Kassel über Nacht in die höchste Infektionswarnstufe des Landes. Am Freitag lag die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen bei 101,1.

Nach Bekanntwerden des Ausbruchs hatten Ärzte, die in der Einrichtung Flüchtlinge betreuen, Vorwürfe gegen das zuständige Regierungspräsidium erhoben. „Weil zu viele Menschen auf zu kleinem Raum zu eng zusammen sind, ist es zu dieser Häufung gekommen“, sagte der Allgemeinmediziner Helmuth Greger, Organisator des Ärzteteams der Erstaufnahme. Für die Trennung der Infizierten von den Nichtinfizierten reichten die Räume nicht aus. Das Regierungspräsidium hatte dagegen argumentiert, es sei ausreichend Platz vorhanden.

Derzeit sind in den fünf Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes laut Sozialministerium 3 310 Personen untergebracht. Mehrere Tausend weitere Flüchtlinge leben nach Auskunft des Hessischen Städtetags in Sammelunterkünften der Kommunen. Die Städte bemühten sich, die Menschen dezentral unterzubringen. Dies sei aber angesichts der Wohnungsknappheit vielerorts schwierig.

Land und Kommunen versicherten, dass die geflüchteten Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften in zahlreichen Sprachen über die Hygieneregeln informiert würden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband meldete Zweifel daran an. „Viele Informationen und auch den Messengerdienst des Landes zur Pandemie gibt es bisher nur auf Deutsch“, beklagte Referentin Lea Rosenberg. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare