Im Dannenröder Forst haben die Vorbereitungen für die Rodung von Bäumen begonnen.
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Im Dannenröder Forst haben die Vorbereitungen für die Rodung von Bäumen begonnen.

A49-Ausbau

Widerstand gegen Rodung des Danneröder Forsts ebbt nicht ab

Protest gegen Weiterbau der Autobahn 49 geht in nächste Runde. Aktivisten demonstrieren vor Gefängnis in Frankfurt.

Der Platz an einer Ecke vor der Justizvollzugsanstalt (JVA) im Frankfurter Stadtteil Preungesheim füllt sich. Aus einem Lautsprecherwagen tönt Punkrock. „Damit unsere Freunde auch hören, dass wir hier sind“, ruft ein Umweltaktivist ins Mikrofon.

Die rund 150 Demonstrierenden sind am späten Freitagnachmittag zur JVA gekommen, um gegen die Inhaftierung und die Sonderhaftbedingungen von sieben Umweltaktivist:innen zu protestieren, die sich an den Abseilaktionen auf Autobahnen beteiligt hatten. „Sie werden trotz mehrwöchiger Inhaftierung nachts stündlich geweckt. Dies wird mit dem fadenscheinigen Vorwand der Suizidalität begründet“, sagt Jona Fritz, Sprecherin der Gruppe, die die Kundgebung organisierte.

Zudem weigere sich die Justizvollzugsanstalt, den Inhaftierten das für sie eingezahlte Geld für Einkäufe auszuzahlen. „Die JVA zahlt den Gefangenen ihr Geld nicht aus. Das trifft sie umso härter, da sie sich vegan ernähren und ihnen keine eigenen Mahlzeiten bereitgestellt werden. Sie brauchen das Geld, um sich zu ernähren“, sagt Fritz.

Unterdessen sind die Räumungen und ersten Rodungen im Dannenröder Wald für den Weiterbau der Autobahn 49 am Freitag unter anhaltenden Protesten von Klima- und Umweltschützern fortgesetzt worden. Es sei weitgehend friedlich geblieben, informierte ein Polizeisprecher über den Verlauf des vierten Tages des Großeinsatzes in dem Waldstück bei Homberg (Ohm) und Stadtallendorf in Mittelhessen. Eine Demo von etwa 100 Gegner:innen des Autobahnausbaus sei ohne Zwischenfälle verlaufen.

Ein Sprecher der Projektgesellschaft Deges berichtete, dass in dem Wald in den vergangenen Tagen einzelne Bäume gefällt und bereits kleine Flächen gerodet worden seien. Am Wochenende sollen die Arbeiten weitergehen. Es gebe mit dem 28. Februar nächsten Jahres ein fixes Datum, bis wann die Rodung beendet sein soll. „Nach dem Stand der Dinge schaffen wir das“, versicherte der Deges-Sprecher.

Aktivist:innen hatten erneut über Nacht weitere Barrikaden aufgebaut und erwarteten die Polizei am Freitagmorgen in Bäumen oder auf hohen Gestellen. Ein Polizeisprecher schätzte ihre Zahl auf 50. Mehrere Personen wurden auf den Boden befördert, Hindernisse wurden weggeräumt. Am Nachmittag hätten einzelne Aktivisten versucht, durch eine Polizeiabsperrung zu gelangen. Erneut waren mehrere Hundert Beamte vor Ort.

Die Polizei ist seit Dienstag im nördlichen Teil des Dannenröder Waldes bei und in einem Protestcamp im Einsatz sowie weiter südlich, wo ein Logistikbereich entsteht. Am Donnerstag war es im Wald zu einem Zwischenfall gekommen. Die Polizei nahm fünf Menschen fest, nachdem an einer Absperrung Beamte mit Pyrotechnik beschossen und Rauchbomben gezündet worden waren. Gegen sie solle wegen Landfriedensbruchs ermittelt werden. Insgesamt seien 38 Menschen in Gewahrsam genommen und mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Im Dannenröder Forst sollen Bäume auf einer Fläche von 27 Hektar für den Weiterbau der A49 fallen. Die Autobahn soll Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Dagegen protestieren Umwelt- und Klimaschützer:innen und halten das Waldstück seit über einem Jahr besetzt. (stn/dpa)

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