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Hessen: Weniger Interesse für das Handwerk

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Die Ausbildung zur Pflegefachperson dauert drei Jahre.
Die Ausbildung zur Pflegefachperson dauert drei Jahre. © Marijan Murat/dpa

Betriebe und Schulen berichten über mögliche Ursachen des Fachkräftemangels in handweklichen und sozialen Berufen.

Hessens Betriebe und Berufsschulen bestätigen: Das Interesse, einen handwerklichen Beruf zu erlernen, ist innerhalb der letzten Jahre deutlich zurückgegangen. Auch in sozialen Berufen gibt es hinsichtlich der Ausbildung von Fachkräften Probleme.

Eine Expertin, die an einer Frankfurter Berufsschule arbeitet, namentlich jedoch nicht genannt werden will, berichtet der Frankfurter Rundschau, es liege nicht nur an den Bewerbungszahlen - diese seien sogar recht hoch - ,sondern auch am Lehrkräftemangel. Qualifiziertes Personal mit den benötigten Abschlüssen sei schwer zu finden. Zudem erlebten die Auszubildenden in der Praxis oftmals belastende Zustände, sie seien überarbeitet in Pflege- oder auch Erzieherberufen. Viele würden die Ausbildung daher bereits nach ein oder zwei Jahren abbrechen, da der Job zu kräftezehrend sei. Ein weiteres Problem seien jedoch auch die immer weniger vorhandenen Qualifikationen der jugendlichen Schulabgänger:innen.

Wolfgang Kramwinkel von der Schreinerei Heinrich Kramwinkel aus Mühlheim am Main kennt ein ähnliches Problem. Obwohl bei ihm etwa 20 Bewerbungen jährlich eingingen, die theoretisch ausreichen würden, sei die Qualität nicht immer gut genug. „Uns fehlen ausbildungsfähige Jugendliche, die sich fürs Handwerk interessieren.“ Um den Bewerber:innen dennoch eine erste Chance zu geben, bietet der Betrieb Praktika für Interessierte an. Kenntnisse in Mathematik und ein freundlicher Umgang mit Kund:innen der Schreinerei seien nun mal Voraussetzung für eine Ausbildung. Am Aussterben sei der Beruf nicht: „Handwerker werden auch in Zukunft gebraucht“, so Kramwinkel.

Ganz anders sieht es da im Lebensmittelhandwerk aus, beispielsweise in Bäcker- oder Fleischerbetrieben. Susanne Albert, Schulleiterin der Bergiusschule in Frankfurt, sagt, Fachkräfte für Bäckereien oder Fleischereien würden händeringend gesucht, hier fehlten definitiv Bewerberinnen und Bewerber. Dies liege aber nicht unbedingt an den Strapazen der Corona-Pandemie oder an der aktuellen Energiekrise: Das Berufsfeld verändere sich seit Jahren. „Die Branche ist im Wandel“, verdeutlicht Albert. Viele Schülerinnen und Schüler hätten mittlerweile zudem andere Prioritäten, die Berufe seien nicht mehr attraktiv genug.

Die zweijährige Flaute in den Gastrobetrieben hingegen kann auf die Pandemie zurückgeführt werden. Momentan scheinen die Zahlen wieder zu steigen. Kerstin Jungshans, Hauptgeschäftsführerin des deutschen Hotel- und Gastronomieverbands Hessen, bestätigt den erneuten Anstieg: „Tatsächlich haben wir aktuell sehr gute Entwicklungen bei den Ausbildungszahlen gegenüber 2020 und 2021.“ Eine Besserung ist demnach in Sicht.

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