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Corona-Pandemie in Hessen: Warnung vor Radikalisierung von „Querdenken“

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Von: Peter Hanack, Hanning Voigts

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Polizisten im Einsatz  bei einer Querdenker-Demo und einer Gegendemo in Frankfurt.
Polizisten im Einsatz bei einer Querdenker-Demo und einer Gegendemo in Frankfurt. © Michael Schick

Der hessische Antisemitismusbeauftragte und die Gewerkschaft der Polizei kritisieren die „Querdenken“-Szene. CDU-Politiker Becker bezeichnet die Bewegung sogar als gefährliches Virus.

Frankfurt - Nachdem es bei Demonstrationen der sogenannten Querdenken-Bewegung bundesweit immer wieder zu Ausschreitungen gekommen ist, nehmen auch in Hessen die Warnungen vor einer Radikalisierung der Szene zu. Jens Mohrherr, hessischer Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), beklagt eine „zunehmende Gewaltbereitschaft der Corona-Gegner“. Mohrherr äußerte sich anlässlich einer Demonstration am 27. Dezember im bayrischen Schweinfurt. Dort war ein Kind mit Pfefferspray verletzt worden, dessen Mutter versucht hatte, eine Polizeisperre zu durchbrechen.

„Bereits in der ersten Welle der Corona–Pandemie haben wir feststellen müssen, dass ältere Mitbürger und Kinder in die demonstrativen Aktionen bewusst einbezogen wurden“, sagte Mohrherr in Wiesbaden. Dies sei etwa im März 2020 in Kassel der Fall gewesen. Wenn Kinder und ältere Menschen missbraucht würden, um Wut und Hass auf den Staat ausleben zu können, sei der „Zenit der unsäglichen Machenschaften“ überschritten. Mohrherr sieht zudem eine „zunehmende Dauerbelastung der Polizeibeschäftigten“. Es bleibe kein Raum zur Erholung. Auch der Bundesvorsitzende der GdP, Oliver Malchow, hatte Eltern kritisiert, die ihre Kinder auf Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen „als Schutzschilde gegen polizeiliche Maßnahmen“ einsetzten.

Corona-Pandemie in Hessen: „Querdenker sind selbst ein gefährliches Virus“

Der Antisemitismusbeauftragte der hessischen Landesregierung, Uwe Becker, hat die „Querdenken“-Bewegung unterdessen ungewöhnlich scharf kritisiert. „Querdenker sind selbst ein gefährliches Virus, denn sie stellen eine viel weitergehende Gefahr für unser gesellschaftliches Miteinander dar“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch. „Wer den Holocaust verharmlost, um heutige Regierungsentscheidungen zum Schutz der Bevölkerung vor Corona als diktatorisch zu verunglimpfen, will im Kern ein anderes Land und keine anderen Corona-Maßnahmen.“

Kritik an der Corona-Politik sei jederzeit möglich, so Becker. Bei den „Querdenken“-Protesten würden aber antisemitische Stereotype verbreitet und die Demokratie angegriffen. „Wer an solchen Veranstaltungen, Demonstrationen oder Märschen teilnimmt, muss wissen, dass er damit das Geschäft von Radikalen unterstützt“, warnte Becker.

Corona-Pandemie in Hessen: Radikalisierung der Querdenker bereitet Sorge

Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, sagte im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, er sei mit Becker im Kern einig. „Ich sehe die Radikalisierung der sogenannten Querdenker mit viel Sorge“, so Mendel. Er halte es aber für falsch, Menschen oder Gruppen als „Virus“ zu bezeichnen. Das erinnere ihn an sozialdarwinistische Sprache und mache ihm „Bauchschmerzen“.

Neben verstärkter Aufklärung über Antisemitismus und Verschwörungsdenken halte er es für wichtig, etwa den Messengerdienst Telegram stärker zu regulieren, sagte Mendel. Dieser diene als „Brandbeschleuniger“ der „Querdenken“-Szene. Außerdem müsse die gesellschaftliche Mehrheit, die sich etwa impfen lasse, sich stärker in die politische Debatte um die Pandemie einbringen. Es sei für viele Menschen eine Herausforderung, wenn in der eigenen Familie oder im privaten Umfeld Verschwörungsgedanken verbreitet werden. Deshalb sollten Menschen von Fachstellen mit Argumentationshilfen unterstützt werden, um solchen Gedanken deutlich widersprechen zu können. „Das ist nicht nur eine Aufgabe der Schulen und Gesundheitsbehörden“, sagte Mendel. (Henning Voigts/Peter Hanack)

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