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Überfälle in Hessen: Polizei überwacht jetzt Geldautomaten

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Von: Oliver Teutsch

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Bei Sprengungen von Geldautomaten gehen die Täter immer brachialer vor. Mit aufwendigen Maßnahmen versucht die Polizei, den Dieben zuvorzukommen.

-Wiesbaden - Selbst in der Weihnachtszeit sind die Automatensprenger ohne Rücksicht auf Verluste unterwegs. In der Nacht zu Heiligabend hatte ein Trio einen Geldautomaten im südhessischen Babenhausen gesprengt. Die Nachbarschaft wurde aufgeschreckt, am Tatort habe es „eine Spur der Verwüstung“ gegeben, teilte die Polizei mit. Wie hoch die Beute und der entstandene Schaden waren, blieb auch am Dienstag (27. Dezember) noch unklar. Es war die 40. Sprengung eines Geldautomaten in Hessen in diesem Jahr.

Mit einem gewissen Stolz vermeldete das Landeskriminalamt (LKA) vor wenigen Tagen, dass die Zahl der Automatensprengungen in Hessen in diesem Jahr entgegen des bundesweiten Trends rückläufig sei. Im Vorjahr hatte es noch 51 Explosionen dieser Art gegeben. Allerdings hat sich die Höhe des dabei entstandenen Schadens verdoppelt. 2021 lag der Schaden an Gebäuden und Inventar bei 2,5 Millionen, im laufenden Jahr hatte das LKA 4,9 Millionen Euro bilanziert. Allerdings waren da die jüngsten Sprengungen in Glashütten (ohne Beute) und Babenhausen noch nicht erfasst.

Ein gesprengter Geldautomat in Mörfelden-Walldorf im April 2021. Foto:
In Hessen wurden 2022 zwar weniger Geldautomaten gesprengt, dafür aber mehr Geld erbeutet. Die Polizei setzt jetzt auf Prävention. (Archivbild) © Imago

Geldautomaten in Hessen gesprengt: Täter gehen immer rücksichtsloser vor

Die enorme Schadenshöhe zeigt, dass die Tätergruppierungen immer rücksichtsloser vorgehen. Die Zeiten, als in den Vorräumen der Banken mit einem Gasgemisch experimentiert wurde, sind überwiegend vorbei. In 80 Prozent der Fälle wird mittlerweile fester Sprengstoff verwendet. Der ist so gefährlich, dass LKA-Expertenteams für Sprengtechnik die Sprengstoffreste am Tatort unschädlich machen müssen, um Gefahren zu beseitigen.

Um die Auswüchse der Automatensprengungen zu bekämpfen, hat Hessen 2019 eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet, die mittlerweile auch noch personell verstärkt wurde und zentral tätig ist. Denn auch die Tätergruppen agieren überregional und stammen meist aus den Niederlanden, heißt es. Für die Raubzüge werden die benachbarten deutschen Bundesländer mit hochmotorisierten Fahrzeugen heimgesucht. 50 Tatverdächtige hat die hessische Polizei bislang geschnappt, 20 davon wurden verurteilt.

Überfälle auf Geldautomaten: Polizei in Hessen legt den Fokus auf Prävention

Doch mittlerweile legt die hessische Polizei auch einen Fokus auf die Prävention. Es gilt, die Geldautomaten vor Sprengstoffanschlägen zu schützen. Dafür, hat das LKA erkannt, ist die Zusammenarbeit mit den Banken notwendig. Im Mai 2022 wurde daher die Präventionsinitiative „Allianz Geldautomaten“ ins Leben gerufen. Die beteiligten Banken liefern Daten zu ihren Standorten, die Polizei erstellt Risikoanalysen für die Automaten und deren Standorte.

Ähnlich wie bei Wohnungseinbrüchen hat das LKA mittlerweile zudem ein Analyse-Tool entwickelt, das aufgrund der vorhandenen Daten zur Beschaffenheit des Geldautomaten und des Standortes eine Wahrscheinlichkeitsprognose für eine Sprengung erstellt. Bei Wohnungseinbrüchen seien mit einer ähnlichen Prognosesoftware bereits gute Erfahrungen gemacht worden.

Sprengung von Geldautomaten in Hessen: Polizei erhöht Präsenz

Aufgrund dieser Erkenntnisse hat die Polizei kurz vor Weihnachten drei Tage lang erhöhte Präsenz in den Abend- und Nachtstunden gezeigt und 22 Kontrollstellen eingerichtet. 458 Fahrzeuge und 653 Personen wurden kontrolliert. In den analysierten Hochrisikogebieten wurden Geldautomaten sogar von Streifenteams abgelaufen. Die Kontrolltage vom 19. bis zum 21. Dezember seien ein „Erfolg“ gewesen: „Im Zeitraum der Kontrolltage kam es in Hessen weder zu einer Sprengung noch zu einem Sprengversuch“, bilanzierte das LKA. Leider aber in den Tagen danach in Glashütten und Babenhausen. Denn die Polizei kann nicht immer und überall sein.

Die Bevölkerung schon. Da die Automatensprengungen mehr Radau machen als Wohnungseinbrüche, wurde die Bevölkerung für das Phänomen der Automatensprengungen „sensibilisiert“, wie es beim LKA heißt. In vielen Fällen hätten Zeuginnen und Zeugen Bild- oder Videoaufnahmen von Tatfahrzeugen gemacht. Auch in Babenhausen wurde beobachtet, wie vermutlich drei Männer in einem dunklen BMW mit der entwendeten Geldkassette Richtung B26 rasten. Doch danach verlor sich jede Spur, auch die großangelegten Fahndungsmaßnahmen mit Polizeihubschrauber sei ohne Ergebnis geblieben, hieß es. (Oliver Teutsch)

Ebenfalls im Dezember wurde auch in Kelkheim ein Geldautomat gesprengt. Drei maskierte Täter machten sich über den „Finanz-Punkt“ in einem Wohnhaus her.

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