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Seife und Handtücher, und der Beginn am Montag kann gelingen. Schulleiterin Susanne Strauß-Chiacchio ist froh, dass es losgeht.

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Hessen: Vorfreude aufs Wiedersehen in der Schule

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An der Weibelfeldschule in Dreieich proben am Montag 300 Schülerinnen und Schüler den Wiedereinstieg in den Unterricht im Klassenraum. Dafür werden Tische gerückt und Treppen zu Einbahnstraßen.

So langsam kommt wieder Leben in die Schule. „Diese Woche war schon wieder richtig Gewusel auf den Fluren, richtig was los“, erzählt Susanne Strauß-Chiacchio. Die Leiterin der Weibelfeldschule in Dreieich ist sichtlich froh, dass es am Montag wieder losgehen soll. „Auch die Kolleginnen und Kollegen freuen sich, kommen an meinem Büro vorbei und rufen ein ,Hallo‘ herein“, sagt Strauß-Chiacchio.

Nicht, dass es ihr und den rund 160 Lehrkräften, die an der Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe arbeiten, in den vergangenen Wochen langweilig geworden wäre. Schließlich lief der Unterricht – bis auf die Osterferien – ja weiter. Allerdings auf Distanz, bei verwaisten Klassenzimmern, via E-Mail oder Videochat.

Nun soll Unterrichten und Lernen wieder von Angesicht zu Angesicht möglich werden. Und das sorgt bei der 47 Jahre alten Schulleiterin, ihrem Stellvertreter Michael Becker (37) und dem Kollegium offenbar nicht nur für gute Laune, sondern erzeugt auch so etwas wie Aufbruchstimmung.

Damit es am Montag tatsächlich losgehen kann, war aber jede Menge zu organisieren, zu klären und auch zu besorgen. Seifenspender beispielsweise. Und Handtuchabroller. Nun gibt es in jedem Klassenraum eine Waschgelegenheit – eine der Bedingungen dafür, dass Präsenzunterricht überhaupt möglich wird.

Und dann der Abstand. Eineinhalb Meter sollen die Schülerinnen und Schüler auseinandersitzen, und zwar in jeder Richtung. Eigens dafür hat die Schule eine Corona-Messlatte angefertigt. Die ist genau die vorgeschriebenen 150 Zentimeter lang. Stufenleiter Rene Sauer hat am Mittwoch die letzten Tische und Stühle in Reih und Glied gerückt.

In die Klassenräume passen jetzt maximal noch 15 Schülerinnen und Schüler plus Lehrkraft. Dafür müssen viele Klassen und Kurse geteilt werden.

René Sauer, Stufenleiter der 9. und 10. Klassen an der Weibelfeldschule, misst mit der 1,50 Meter langen „Corona-Latte“ den Abstand.

Dass es dafür überhaupt genug Lehrerinnen und Lehrer gibt, liegt daran, dass am Montag zunächst nur rund 300 der mehr als 1650 Kinder und Jugendlichen wieder in die Weibelfeldschule kommen werden. Das sind dann die neunten und zehnten Klassen der Hauptschule, die zehnte Klasse der Realschule und die Schülerinnen und Schüler der Q2, also des zweiten Halbjahrs der gymnasialen Oberstufe. Die Haupt- und Realschüler haben im Mai ihre Abschlussprüfungen, die Q2ler sind im März nächsten Jahres dran, allerdings zählen ihre Noten schon jetzt für das Abitur. Die Abiturienten und Abiturientinnen selbst werden nur noch zu den mündlichen Prüfungen die Gebäude betreten.

In Dreieich haben sie Glück, denn die Schule ist recht weitläufig, so dass sich die Lehrkräfte und die Jugendlichen auch untereinander aus dem Weg werden gehen können. Auf den Pausenhöfen wird es ebenfalls kaum Gedrängel geben. Damit alles möglichst geordnet abläuft, haben sich Strauß-Chiacchio, ihr Stellvertreter Becker und die übrigen Mitglieder der Schulleitung ein ausgeklügeltes Leitsystem ausgedacht.

„Wir haben vier Treppen im Hauptgebäude, die machen wir zu Einbahnstraßen“, erklärt Becker. Zwei führen ausschließlich nach oben, zwei nur nach unten, damit lässt sich Begegnungsverkehr vermeiden. Nur die Schilder müssen noch gemalt werden.

Weil zunächst nur vergleichsweise wenige Schüler kommen werden, liegen die Räume, in denen tatsächlich unterrichtet werden wird, recht weit auseinander. Auch das verhindert ungewollte Annäherungen. Zudem befinden sich die ausgesuchten Klassenzimmer in der Nähe der Toiletten, um weite Wege über die Flure zu vermeiden. Masken könne tragen, wer dies wolle, zur Pflicht sollen sie nicht werden. „Man kann auch kaum acht Stunden mit einer Binde vor dem Mund unterrichten“, sagt Michael Becker. Ob die Mensa den Betrieb aufnehmen darf, ist offen.

Für die Oberstufenschüler soll der normale Stundenplan gelten, lediglich Sport entfällt. Größere Änderungen aber gibt es für die Haupt- und Realschüler. „Die sind in den vergangenen Wochen immer nervöser geworden, weil sie doch noch ihre Prüfungen vor sich haben“, sagt die Schulleiterin.

Der Unterricht beginnt für sie am Montag deshalb zunächst einmal in den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Täglich gibt es in je zwei dieser Fächer jeweils 90 Minuten Unterricht, also vier Schulstunden täglich, 20 in der Woche. Die Schülerinnen und Schüler kommen versetzt in die Schule, die ersten fangen um 8.05 Uhr an, die anderen Klassen folgen im 20-Minuten-Rhythmus. „Wir schauen uns an, wie es läuft, eventuell können wir ein paar Fächer dazunehmen, wenn alles klappt“, sagt Strauß-Chiacchio. Oder auch reduzieren, wenn es doch Schwierigkeiten geben sollte.

Viel weiter als bis in die nächste Woche will Strauß-Chiacchio noch nicht blicken. Zu viele Ungewissheiten darüber, wie es weitergeht, welche Lehrkräfte zur Verfügung stehen werden, welche Jahrgangsstufen nach dem Willen des Kultusministeriums als nächste wieder in die Schule kommen sollen, wie sich die Pandemie entwickelt. „Aber ich wäre nicht Schulleiterin geworden, wenn ich nicht optimistisch wäre, dass wir das schon schaffen werden“, sagt sie.

Wirklich leid tun ihr die 135 Abiturienten und Abiturientinnen des aktuellen Jahrgangs. Keine Party, kein Abi-Ball. Aber eine würdige Zeugnisübergabe, die will Strauß-Chiacchio auf die Beine stellen, wenn es denn irgendwie geht. „Denn an was erinnert man sich am meisten, wenn man an die Schule zurückdenkt?“, fragt sie und antwortet sich selbst: „An manche Lehrer, an die Klassenfahrten und an die feierliche Verabschiedung.“

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