Über Stock und Stein: der Eschbach am Alten Wehr bei Frankfurt Nieder-Eschbach. Renate Hoyer
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Über Stock und Stein: der Eschbach am Alten Wehr bei Frankfurt Nieder-Eschbach.

Ökologie

Hessen: Viele Bäche sollen aus Betonbetten befreit werden

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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1000 Kilometer Fließgewässer werden überall in Hessen in den nächsten vier Jahren renaturiert. Das soll mehr Lebensraum für bedrohte Arten und mehr Hochwasserschutz bringen. Für die Städte und Gemeinden gibt es ein besonderes Bonbon.

Mit der Wildheit der Bäche ist es in Hessen wie in den meisten Regionen Deutschlands eher so eine Sache. Häufig sind sie zum Rinnsal degradiert, das sich durch ein begradigtes Betonbett oder durch Röhren zwängen muss. In den nächsten vier Jahren soll das in Hessen auf einer Länge von immerhin rund 1000 Kilometern Bachlauf anders werden.

„100 wilde Bäche“ heißt das Programm der Landesregierung zur Renaturierung. Und exakt diese Zahl von Bächen soll vom Winter nächsten Jahres an wieder ein naturnahes und ökologisch wertvolles Bett bekommen.

„Wir wollen damit für Neunauge, Libellen, Bachflohkrebse, Vögel und viele andere Tiere und Pflanzen einen wichtigen Lebensraum zurückgewinnen“, sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in Wiesbaden. Dort teilte sie am Freitag mit, welche der vielen Fließgewässer in Hessen in das Programm aufgenommen worden sind.

Dabei sind beispielsweise der Urselbach zwischen Frankfurt und Oberursel, die Bieber in Offenbach, die Orb im Main-Kinzig-Kreis oder der Fischbach im Kreis Darmstadt-Dieburg. Beworben hatten sich knapp 170 Kommunen, 138 kommen nun mit ihren Gewässern zum Zug.

Ausgewählt wurden laut Hinz vor allem Bäche, die in besonders schützenswerten Gebieten liegen. Zudem sollten möglichst überall in Hessen Gewässer renaturiert werden. So gibt es nun in jedem Landkreis mindestens ein Projekt.

Das Programm

20 000 KilometerFließgewässer gibt es in Hessen. 5000 Kilometer davon gelten als ökologisch in keinem befriedigenden Zustand .

1000 Kilometer Bachlaufsollen bis Ende 2023 in Hessen mit dem Programm „100 wilde Bäche“ renaturiert werden.

25 Millionen Eurostellt das Land dafür zur Verfügung.

Die Liste der 100 Bächeund eine Karte gibt es auf umwelt.hessen.de. pgh

Für die Kommunen lohnt sich die Teilnahme. Sie erhalten mindestens drei Viertel der Kosten vom Land erstattet, die Förderung für ärmere Kommunen geht sogar bis zu 95 Prozent. Dabei übernimmt das Land nicht nur die eigentlichen Bauarbeiten, sondern unterstützt die Gemeinden auch bei der Planung, der Beteiligung von Bürgern und Verbänden bis hin zum Ankauf von benötigten Grundstücken.

Bis 2023 stehen dafür insgesamt rund 25 Millionen Euro zur Verfügung. Damit können nach Angaben von Michael Denk, Abteilungsleiter für Wasser und Boden im Umweltministerium, rund 1000 Kilometer Bachlauf renaturiert werden.

Gerade in kleineren Kommunen stehe oft nicht ausreichend Personal zur Verfügung, um Renaturierung planen und umsetzen zu können, sagte Hinz. Deshalb sei das Programm darauf ausgerichtet, die Städte und Gemeinden schon von Beginn an zu unterstützen.

Dafür sei in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren ein großer Dienstleister gefunden worden, der in der nächsten Woche vorgestellt werden soll. Die konkreten Arbeiten vor Ort könnten dann von den jeweiligen Kommunen ausgeschrieben und in Auftrag gegeben werden, erläuterte die Ministerin. Dafür kämen die jeweiligen Unternehmen in den Regionen in Betracht.

Bei dem Programm gehe es nicht allein um die Verbesserung der ökologischen Qualität der Fließgewässer, erläuterte die Ministerin. Wenn sie aus ihrem engen Bett befreit würden, könnten sich Bäche außerhalb der Ortschaften weiter ausbreiten. Bei starken Niederschlägen trage dies dazu bei, Hochwasser und überflutete Keller zu vermeiden.

Zudem könnten solche Fließgewässer dazu beitragen, die Folgen der durch den Klimawandel verursachten Hitzeperioden zu mildern. „An den Rändern wachsen dann wieder mehr Sträucher und Bäume, die Schatten spenden können“, sagte Hinz. Das vergleichsweise kühle Wasser sorge auch dafür, die Umgebung weniger aufzuheizen als dies sonst geschähe.

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