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Das Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle
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Bald schon Vergangenheit: Das Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle.

Corona-Krise

Corona-Impfung: Hessen will alle Zentren schließen

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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  • Jutta Rippegather
    Jutta Rippegather
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Praxen und betriebsärztliche Dienste sollen spätestens ab Oktober die Arbeit der Impfzentren übernehmen. Die Entscheidung des Corona-Kabinetts stößt in Frankfurt auf Kritik.

Wiesbaden - Spätestens Ende September sollen alle Impfzentren in Hessen schließen. Die Immunisierung der Bevölkerung wird dann ausschließlich in Arztpraxen und durch betriebsärztliche Dienste erfolgen. Alle, die ihre Erstimpfung in einem Zentrum bekommen haben, können dort auch ihre Zweitimpfung erhalten. Sollte die Nachfrage bis Ende September sinken, sind die Gebietskörperschaften angehalten, das eingesetzte Personal zu reduzieren. Das hat das Corona-Kabinett der Landesregierung am Montag beschlossen und am Dienstag mitgeteilt. Zumindest in Frankfurt regt sich gegen diese Pläne Widerstand.

Impfzentren in Hessen: Finanzierung durch den Bund läuft aus

Der Termin kommt nicht überraschend. Bis zum dritten Quartal ist die Finanzierung durch den Bund gesichert, der sich mit dem Land die Kosten für die 28 Zentren teilt. Damit endet auch die Zuständigkeit des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) für diese Säule der Impfkampagne, die kurz nach Weihnachten startete. Beuth begründete den Beschluss damit, dass seit Montag auch bundesweit die Betriebsärzte die Möglichkeit haben, Dosen zu verabreichen. Ziel sei es immer gewesen, die Impfungen so bald wie möglich in die Regelversorgung zu überführen.

Nach Angaben Beuths geht der überwiegende Teil der Corona-Impfstoffe schon jetzt in die Regelversorgung der Haus- und Betriebsärzte. Dort werde sukzessive das Angebot ausgebaut. Der Beschluss gebe den Kommunen als Betreiberinnen der Impfzentren jetzt Planungssicherheit. „Es wird bis Ende September gleichwohl mit großem Einsatz weiter geimpft, die Ärmel bleiben auch bei den engagierten Kräften in den Impfzentren bis dahin hochgekrempelt.“ Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen begrüßte die Entscheidung. „Die Impfzentren hatten am Anfang sicher eine gewisse Berechtigung, jetzt werden sie nicht mehr gebraucht“, sagte Sprecher Karl Roth der Frankfurter Rundschau.

Anmelden

Die 28 hessischen Impfzentren haben mehr als 1,9 Millionen Menschen mindestens einmal geimpft. Rund 486 000 Priorisierte warten noch auf ein Terminangebot, das ihnen bis Ende Juni unterbreitet werden soll.

Seit 7. Juni können sich alle Willigen im Alter ab 16 Jahre registrieren lassen. Sobald die Priorisierten versorgt sind, erhalten sie nach dem Zufallsprinzip einen Termin. (jur)

Anmelden: Telefon 0611 / 505 92 888 oder impfterminservice.hessen.de

Aktuell erhält das Land für die 28 hessischen Impfzentren durchschnittlich rund 180.000 Dosen gegen das Coronavirus pro Woche. Weitere Impfstofflieferungen gingen über die Apotheken direkt an die Ärzteschaft, sagte Beuth. „Der Bund hat steigende Impfstofflieferungen für die Regelversorgung angekündigt, so dass in den Praxen ein weiter aufwachsendes Impfangebot entstehen wird.“

Wie Sozialminister Kai Klose (Grüne) betonte, sind die Niedergelassenen und betriebsärztlichen Dienste in der Lage, komplett zu übernehmen. Mehr als 1,1 Millionen Dosen seien von Anfang April bis zum Ende vergangener Woche in den Praxen verabreicht worden. „Damit haben die etablierten Strukturen, die traditionell für Impfungen zuständig sind, gezeigt, wie leistungsfähig sie sind.“

Dies gelte auch für eventuell notwendige Auffrischungen. Die Impfzentren hätten insbesondere in den Alten- und Pflegeheimen sehr wertvolle Arbeit geleistet, hob Klose hervor und versicherte: „Wir werden dafür sorgen, dass der Impfschutz für die besonders sensiblen Gruppen auch weiterhin sichergestellt ist.“

Impfzentren in Hessen: Grüne fordern klares Konzept

Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) kritisierte den Vorstoß des Landes. Es sei zwar kein Fehler, die Impfzentren perspektivisch zu schließen, sagte er im Gespräch mit der FR. Vorher brauche es aber ein Konzept, wie die voraussichtlich notwendigen Auffrischungen der Impfungen, die auch Schutz gegen neue Mutanten bieten könnten, organisiert werden sollten. Dass allein die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte diese Aufgabe schultern könnten, sei nicht zu erwarten. Unklar sei zudem, was aus den mobilen Teams für Impfungen in Alten- und Pflegeheimen werde. „Und was machen wir in Stadtteilen, in denen es nur wenige Hausärzte gibt?“, fragte Majer.

Natürlich könne die Frankfurter Festhalle nicht dauerhaft als Impfzentrum genutzt werden, sagte Majer. Sinnvoll wären aber zwei oder drei feste Anlaufstellen für Impfwillige über das Stadtgebiet verteilt. Zumindest hätte es zu diesen Fragen vor dem Beschluss des Corona-Kabinetts eine gemeinsame Konferenz mit dem Land, den Kommunen und der Kassenärztlichen Vereinigung geben müssen. (Georg Leppert/Julia Rippegather)

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