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Hessen: Verband kritisiert Ladenöffnungen nach Branchen

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Der hessische Handelsverband fordert „diskriminierungsfreie“ Neustarts von Geschäften. Freude gibt es hingegen beim Buchhandel.

Ab Montag sollen in Hessen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter und unabhängig davon auch Autohändler, Fahrradläden und Buchhandlungen wieder öffnen dürfen. Während das die Kunden freuen dürfte, sind nicht alle in Wirtschaft und Industrie damit einverstanden. So kritisierte der Handelsverband Hessen, dass bei der Lockerung nach Verkaufsfläche oder Branche entschieden wird. „Alle Geschäfte sollten ihre Räume wieder öffnen dürfen, in denen die Anzahl der Kunden begrenzt und der Abstand von Personen gewährleistet werden können“, sagte der Präsident des Verbands Jochen Ruths.

Der Verband begrüße es zwar, dass erste Öffnungen erlaubt sind. Es müsse aber berücksichtigt werden, dass in großflächigen Betrieben Abstände wesentlich leichter eingehalten werden können. „Wir fordern auf dieser Grundlage eine diskriminierungsfreie Wiederöffnung der Geschäfte“, sagte Ruths.

Dasselbe bemängelt auch Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages. Die konkreten Vorgaben zur Öffnung nach Verkaufsflächen und einzelnen Branchen seien nur schwer nachvollziehen. Sie führten zu Abgrenzungsproblemen, Rechtsunsicherheit und unnötigen Wettbewerbsverzerrungen.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hingegen freut sich, dass Buchläden unabhängig von der Größe öffnen dürfen. „So können sie in Kürze wieder in vollem Umfang ihren Beitrag zur geistigen Grundversorgung leisten“, sagte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis.

Hotelverband enttäuscht

Die Branche der Hotels und Gaststätten ist hingegen enttäuscht, dass es noch kein konkretes Datum für die Wiederöffnung etwa von Restaurants gebe. „Aber auch wir akzeptieren den grundsätzlichen Vorrang medizinisch gebotener Notwendigkeiten vor wirtschaftlichen Überlegungen“, sagte Gerald Kink, Präsident des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga Hessen. „Es wäre fatal, wenn wir zu früh wieder für unsere Gäste öffnen und dann aufgrund dramatisch hochschnellender Infektionszahlen ein erneuter Shutdown drohen würde.“

Die Landesvorsitzende der Partei Die Linke wies darauf hin, dass die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter im Einzelhandel gut vor Infektionen schützen müssen. „Das Infektionsrisiko für die Menschen, die in den Geschäften arbeiten, und die Kunden muss minimiert werden“, sagte Petra Heimer. Es dürfe außerdem keine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten auf Sonntage geben.

Der Verband der Familienunternehmer in Hessen kritisierte die Verlängerung der Kontaktbeschränkungen bis 3. Mai. Landesvorsitzender Dirk Martin sagte, mit jedem weiteren Tag steige die Gefahr der Überschuldung und schließlich der Insolvenz der Betriebe. „Damit droht zahlreichen Beschäftigten der Fall aus der Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit.“ Er forderte, jedes Unternehmen, das sich an die Hygieneregeln halten könne, sollte den Betrieb wieder aufnehmen dürfen.

„Die hessische Wirtschaft ist erleichtert, dass Bund und Länder erwägen, zumindest einige Geschäfte und auch Schulen in den kommenden Wochen vorsichtig und schrittweise wieder zu öffnen“, sagte hingegen Wolfgang Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen, profitiere auch die Industrie. „Je früher die Autohäuser wieder öffnen dürfen und Autos verkaufen können, desto eher kann die Herstellung von Autos wieder aufgenommen werden.“ Auch die schrittweise Wiederöffnung von Schulen begrüßte der Verband.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen forderte, dabei müssten strenge Regeln eingehalten werden. „Bei einer Schulöffnung muss die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen und deren Familien und des pädagogischen Personals so weit wie eben denkbar geschützt werden“, heißt es in einer Mitteilung. Die hygienischen Standards seien jedoch an vielen Schulen noch nicht gegeben. Beschäftigte, die wegen Alters oder Vorerkrankungen ein hohes Infektionsrisiko hätten, dürften nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden.

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