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Wohin des Wegs? Wanderzeichen an der Saalburg im Taunus.
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Wohin des Wegs? Wanderzeichen an der Saalburg im Taunus.

Hessen

Hessen und die neue Wanderlust

Der Weg ins Grüne ist in den Zeiten von Corona populär wie lange nicht - doch die Wandervereine profitieren nicht davon.

Das Wandern war das Einzige, was übrig blieb in dem Moment“, sagt der Verwaltungsbeamte Thomas Eichelberg (59) aus Eppstein. Seit dem ersten Lockdown im März 2020 geht er jedes Wochenende mit zwei Freundinnen auf Tour. Durch die Pandemie hat er seine Leidenschaft für die heimatliche Natur entdeckt. Und damit ist er nicht allein. Im letzten Jahr sei aufgefallen, dass sich viel mehr Menschen in den Wäldern aufhielten, meint der erfahrene Wanderführer Walter Gödeke aus Dieburg.

Überraschend ist diese Entwicklung nicht. Wer die ganze Woche in den eigenen vier Wänden nicht nur lebt, sondern auch arbeitet, für den ist ein längerer Aufenthalt in der Natur ein angenehmer Ausgleich. Hessen hat viel zu bieten. Ganze 20 000 Kilometer Wanderweg ziehen sich durch den Taunus, den Odenwald und den Spessart.

Auf Nachfrage der FR berichten die beiden größten hessischen Wandervereine, der Odenwaldklub und der Spessartbund, von einer erhöhten Nachfrage nach Karten und Wanderführern in ihren Geschäftsstellen und Onlineshops. Auch habe er vermehrt Anrufe von Privatpersonen bekommen, die sich über die verschiedenen Möglichkeiten informiert und sich Tipps eingeholt hätten, sagt Alexander Mohr, Geschäftsführer des Odenwaldklubs. Eine merkliche Veränderung in den Mitgliederzahlen habe sich jedoch nicht gezeigt.

Das liege wohl auch daran, dass das Vereinsleben den Großteil des vergangenen Jahres stark beeinträchtigt war. Viele der Mitglieder seien schon älter, weshalb man noch sehr vorsichtig mit den Gruppenwanderungen gewesen sei, so Herbert Stieber, Hauptwanderwart des Odenwaldklubs. Außerdem konnten aufgrund der stillgelegten Gastronomie lange keine Zwischenstopps in Gaststätten gemacht werden. Inzwischen sei die Situation aber wesentlich entspannter, da nun schon ein Großteil der älteren Wanderer und Wanderinnen zweimal geimpft seien, sagt Stieber. Seit Mitte Juli haben die meisten Wandervereine wieder damit begonnen, Gruppenführungen anzubieten.

Wandervereine

Der deutsche Wanderverband ist ein bundesweiter Zusammenschluss von rund 70 Wandervereinen. Elf davon agieren vollständig oder zum Teil in Hessen.

Der Spessartbund ist ein Dachverband von zirka 100 Ortsgruppen in Hessen und Bayern. Er wurde 1913 gegründet und zählt rund 15 000 Mitglieder.

Der Odenwaldklub ist mit 88 Ortsgruppen und 12 000 Mitgliedern der zweitgrößte Wanderverein in Hessen. Er besteht bereits seit 1882. prfb

Der Eppsteiner Thomas Eichelberg stiefelt trotzdem lieber auf eigene Faust los. Mithilfe eines Navigationsgeräts und Onlineangeboten wie der Internetseite komoot.de, wo Wandernde ihre Routen teilen können, hat er die Region rund um Eppstein erfolgreich bewandert. „Es gibt wenige Ecken, die wir mittlerweile noch nicht erkundet haben .“

Herbert Arnold, Geschäftsführer des Spessartbunds, sieht die Gründe für das zunehmende Interesse in den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Zeitweise durfte man sich wegen zu hoher Inzidenz nur 15 Kilometer vom Wohnort entfernen. Das führte dazu, dass die Menschen ihrer unmittelbaren Umgebung mehr Aufmerksamkeit schenkten. Sonst ziehe es die Deutschen in ferne Länder, und das, was die Natur direkt vor der Haustür zu bieten habe, gehe häufig an ihnen vorbei. Auch Thomas Eichelberg erzählt begeistert, er könne beim Wandern viel mehr von der Umgebung aufnehmen und habe seine Heimat so auch besser kennengelernt. „Es ist durch die Wanderungen quasi eine Landkarte von der Region im Kopf entstanden.“

Herbert Arnold betont, wie wichtig das Vereinsleben für die Mitglieder des Spessartbundes sei. Durch persönliche Telefonate oder zufällige Begegnungen im Supermarkt habe er mitbekommen, wie einsam die Menschen ohne die gemeinsamen Unternehmungen geworden seien. Umso mehr freut er sich, dass es nun wieder losgehen kann. Für langfristige Prognosen sei es noch zu früh, aber ein paar wenige Ortsvereine hätten die Pandemie wohl nicht überlebt, bedauert er.

Es bleibt also abzuwarten, ob die hessischen Wälder nach Corona immer noch so intensiv genutzt werden. Thomas Eichelberg jedenfalls wird sein neues Hobby nicht so schnell aufgeben. „Es hat uns allen gutgetan, mal so einen Tag rauszukommen und auch ein bisschen kaputt zu sein“, sagt er.

Diesen August will Eichelberg für eine Woche durch die Lüneburger Heide wandern – und für nächstes Jahr hat sich die Gruppe eine Alpenüberquerung vorgenommen.

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