Transgender

Hessen: Transfrau mit Männern inhaftiert

  • Pitt v. Bebenburg
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Behörden bestätigen die Unterbringung einer Transperson mit weiblicher Identität in der Darmstädter Abschiebeeinrichtung für Männer. Eine Initiative beklagt den Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht.

Im hessischen Abschiebegefängnis in Darmstadt, das für Männer vorgesehen ist, wurde in der vergangenen Woche für kurze Zeit eine Transfrau untergebracht. Das haben die Behörden auf Anfrage der FR bestätigt.

Die Initiative „Community 4 All“ Darmstadt hatte den Vorgang öffentlich gemacht. Es werde nicht davor zurückgeschreckt, eine Transfrau in dem „reinen Männergefängnis“ unterzubringen, beklagte sie. Der Fall zeigt aus Sicht der Initiative, „dass auch hier in Darmstadt Menschen- und Selbstbestimmungsrechte angeblich abzuschiebender Menschen missachtet“ würden.

Transpersonen, auch Transgender genannt, sind Menschen, die sich nicht dem Geschlecht zugehörig fühlen, dem sie bei der Geburt zugeordnet wurden. So empfindet sich eine Transfrau als weiblich, obwohl sie in einem männlichen Körper zur Welt gekommen ist. Bei der Zuordnung in Männer- oder Frauengefängnisse ist maßgeblich, welches Geschlecht in den Ausweis eingetragen wurde.

Das Polizeipräsidium Südhessen und das hessische Innenministerium sprechen bei der Person, die in Darmstadt inhaftiert wurde, von einem „transsexuellen Mann“. Sie bestätigten auf Anfrage der Frankfurter Rundschau eine Unterbringung von anderthalb Tagen in Darmstadt. Dann wurde die Transfrau abgeschoben – in welches Land, wurde nicht bekannt.

„Keine beobachtbaren Schwierigkeiten“

Polizei und Ministerium versicherten, das Personal der Abschiebeeinrichtung in Darmstadt sei „für den Umgang mit Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung sensibilisiert“ und treffe die notwendigen Maßnahmen „aufmerksam und differenziert“. Die betreffende Person habe sich bis zur Abschiebung „hauptsächlich im eigenen Haftraum“ aufgehalten, „und es kam zu keinen beobachtbaren Schwierigkeiten“.

Die Abschiebeeinrichtung in Darmstadt wurde 2018 eröffnet und verfügt über 20 Plätze, von denen 14 belegt sind. Sie darf nicht wie ein Gefängnis geführt werden, zwingt die Insassen aber zum Bleiben, damit sie sich ihrer Abschiebung nicht entziehen.

Dennoch ähnelten sich die Probleme von Transpersonen in beiden Einrichtungen, wie Beratungsorganisationen beschreiben. Demnach erlebten sie teilweise Diskriminierung oder müssten auf Hormone verzichten, die sie zur Behandlung benötigten. Von solchen Schwierigkeiten ist aus der Einrichtung in Darmstadt aber nichts bekannt.

Neben falscher Inhaftierung sind trans Menschen häufig von Diskriminierung betroffen. Auch die „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling hat sich bereits mehrfach transfeindlich geäußert. Nun nimmt Schauspieler Daniel Radcliffe Stellung.

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