Der Ärztliche Bereitschaftsdienst bietet jetzt auch Videosprechstunden an.
+
Der Ärztliche Bereitschaftsdienst bietet jetzt auch Videosprechstunden an.

Gesundheit

Hessen testet die digitale Arztvisite

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
    schließen

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst in Hessen bietet seit dem ersten Mai Videosprechstunden an. Jetzt kommt das elektronisches Rezept hinzu.

Was in Corona-Zeiten erfolgreich genutzt wurde, testet inzwischen der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen: Seit 1. Mai ist es möglich, den Arzt per Videosprechstunde aufzusuchen. Bekanntgemacht hat die KV das neue Versorgungsangebot erst jetzt, genutzt wurde es deshalb bislang eher verhalten, sagt Sprecher Karl Roth auf FR-Anfrage. „Wir starten erst jetzt mit dem Marketing Richtung Patienten.“ Der digitale Arztbesuch steht Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen offen. Das elektronische Rezept hingegen gibt es seit 1. Juli lediglich für Patienten, die bei der AOK Hessen, der DAK-Gesundheit oder der Techniker Krankenkasse versichert sind.

Beim neuen Service handelt es sich um ein Modellprojekt. Ziel ist vor allem, mögliche Ansteckungen zu verhindern, sagt Roth. „Hier geht es also weniger um die eigene Erkrankung als um den Präventionsaspekt, der vor allem zur Zeit der Influenzasaison oder aktuell auch wegen Corona vor Infektionen schützt.“ Für den digitalen Arztkontakt eigneten sich etwa Erkältungen oder Beschwerden, die über die Kamera des Smartphones zu zeigen sind, zum Beispiel Hautausschläge oder andere einfach zu diagnostizierende Krankheiten. Selbstverständlich könne die Videosprechstunde aufgrund medizinischer Dringlichkeit auch zu einem echten Kontakt zwischen Patient und Behandler führen.

Das Angebot

An dem Modellprojektbeteiligen sich die Kassenärztliche Vereinigung Hessen, der hessische Apothekerverband, die AOK Hessen, die DAK-Gesundheit, die Techniker Krankenkasse und der Abrechnungs- und IT-DienstleisterOptica.

Informationenund Registrierung: www.bereitschaftsdienst-hessen.de jur

Der Ärztliche Bereitschaftdienst ist die Anlaufstelle für die Zeiten, in denen die Arztpraxen geschlossen sind. 70 Zentralen betreibt die KV in ganz Hessen. Den Weg dorthin können sich die Patienten zumindest Mittwochs- und Freitagsnachmittags sparen. Bedingung: Sie verfügen über einen Computer mit Webcam, ein Smartphone oder ein Tablet sowie eine ausreichend schnelle Internetverbindung.

Die Terminvereinbarung zur Videosprechstunde an den beiden Nachmittagen führt über die 116 117, die bundesweit einheitliche Telefonnummer des Bereitschaftsdienstes. In dem Gespräch erfolgt die medizinische Ersteinschätzung durch Fachangestellte. Sie entscheiden, ob sich das neue Versorgungsangebot eignet. Das elektronische Rezept erweitert den digitalen Service. Es ersetzt das herkömmliche Papierrezept und lässt sich vollständig online verwalten. Ergibt die Untersuchung, dass ein Arzneimittel notwendig ist, stellt der Arzt es aus. Der Patient muss sich vorher registrieren. Rund 600 hessische Apotheken nehmen an dem Modellprojekt teil. Sollte das Arzneimittel nicht vorrätig sein, erhalten die Patienten eine Information und kommen entweder erst, wenn es verfügbar ist, oder geben das Rezept an eine andere Apotheke. Das soll doppelte Wege vermeiden.

Mit dem neuen Angebot wollen die Projektbeteiligten die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben. Der Datenschutz werde selbstverständlich eingehalten, versichert KV-Sprecher Roth: „Um den Service nutzen zu können, ist eine Authentifizierung vorab notwendig.“

Kommentare