So sieht es aus, das Corona-Testkit. 
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So sieht es aus, das Corona-Testkit.  

Forschungsprojekt

Hessen testet in Altenheimen

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Die Untersuchung von Frankfurter Virologen betrifft Personal und Neuaufnahmen von Pflegeeinrichtungen. 

Hessen startet eine Reihe von Corona-Tests in ausgewählten Alten- und Pflegeheimen. Untersucht werden sollen Beschäftigte der Heime, etwa Pflegepersonal oder Kräfte aus Küche und Speiseraum. Außerdem werden alte und pflegebedürftige Menschen getestet, bevor sie in die Einrichtungen neu aufgenommen werden oder dorthin – etwa von einem Krankenhausaufenthalt – zurückkehren.

Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) stellte das Forschungsprojekt am Freitag in Wiesbaden gemeinsam mit der Virologin Sandra Ciesek vor, der Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Ciesek leitet bereits eine Studie mit Corona-Tests an Kindern und Fachkräften in 50 hessischen Kindertagesstätten.

Die neue Studie ist ebenfalls in 50 Einrichtungen geplant, die nun zunächst repräsentativ ausgewählt werden und ihr Einverständnis erklären müssen. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass die es gut finden“, sagte Klose.

Grund für die Studie ist, dass sich mehrfach Alten- und Pflegeheime in Deutschland als Schwerpunkte der Corona-Ausbreitung erwiesen hatten, mit teilweise tödlichen Folgen. Das Ansteckungsrisiko für die Bewohnerinnen und Bewohner bestehe vor allem dadurch, dass Viren von außen hineingebracht würden, erläuterte Ciesek.

Daher verzichteten die Forscher darauf, alle Bewohnerinnen und Bewohner zu testen, sondern nähmen jene Menschen in den Blick, die von außen in die Heime kämen, nämlich Personal und neu aufzunehmende Heimbewohner. Die Tests sollten nicht älter als drei Tage sein, wenn diese Menschen ins Heim kämen.

Keine anlasslose Tests

Anlasslose Tests an Besucherinnen und Besuchern sind nicht vorgesehen. Am Donnerstag hatten Klose und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mitgeteilt, dass die Heimbewohner vom nächsten Montag an häufiger Besuch bekommen können. Bisher war nur ein Besuch pro Woche erlaubt, ab nächster Woche sind es drei. Die Heimträger wiesen aber darauf hin, dass voraussichtlich nicht alle Heime in der Lage seien, diese Öffnung bereits in der nächsten Woche umzusetzen.

Ein Ziel der hessischen Corona-Testserien besteht nach Kloses Worten darin, herauszufinden, wie sich Infektionen bei Menschen ohne Krankheitssymptome besser erkennen lassen. Damit könne „Superspreading-Ereignissen“ wie jüngst in Gütersloh begegnet werden, wo sich zahlreiche Menschen in oder im Umfeld einer Fleischfabrik angesteckt hatten.

Ein anderes Ziel der hessischen Untersuchungen sei es, möglichst einfache Testmethoden zu finden, die große Zahlen von Tests erlaubten. Neben dem derzeit üblichen Nasen-Rachen-Abstrich gebe es weitere Verfahren, die ausprobiert werden könnten, erläuterte Virologin Ciesek. Dadurch könne man sich besser auf den Herbst vorbereiten, wenn mehr Menschen Erkältungssymptome zeigten und es einen steigenden Testbedarf gebe, fügte Klose hinzu.

Die Abstriche bei der Testreihe sollen in der Regel von den betreffenden Beschäftigten selbst vorgenommen werden. Bei den alten und pflegebedürftigen Menschen wären die behandelnden Ärzte dafür zuständig.

Die Testreihe in den Heimen ist nach Angaben der Medizinerin Ciesek ebenso wie die Untersuchung in Kitas auf eine Laufzeit von acht bis zwölf Wochen angelegt. Vorher müssen die teilnehmenden Einrichtungen noch gefunden werden. Für deren Vorlauf, um die Teilnahme von den eigenen Gremien billigen zu lassen, rechnet Ciesek mit etwa sechs bis acht Wochen Dauer. Zeit brauche es auch, um eine ausreichende Zahl von Teströhrchen zu beschaffen, erklärte sie weiter. Hier gebe es Probleme mit der Verfügbarkeit.

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