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Hessen: Tausende brauchen Wohnungsnotfallhilfe

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Von: Gregor Haschnik

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Eine Frau bettelt am Rande des Weihnachtsmarktes in Frankfurt um Kleingeld.
Eine Frau bettelt am Rande des Weihnachtsmarktes in Frankfurt um Kleingeld. © dpa

Die Zahl der von Wohnungs- und Obdachlosigkeit Betroffenen ist gestiegen.

Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit werden oft gleichgesetzt. Dabei gibt es Unterschiede, auf die auch das Land Hessen in seinem aktuellen Sozialbericht hinweist: Obdachlos sind Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben und zumeist im öffentlichen Raum, im Freien und manchmal in Notunterkünften übernachten. Sie sind besonders gefährdet, im Winter aufgrund der Kälte, aber auch, weil sie relativ oft Opfer von Übergriffen werden.

Wohnungslos ist, wem keine durch einen Mietvertrag abgesicherte Wohnung zur Verfügung steht. Die Betroffenen leben in Unterkünften, einer kommunalen oder stationären Einrichtung oder bei Freunden oder Bekannten. Obdachlosigkeit ist somit ein Teil von Wohnungslosigkeit.

Wie viele Leute in Hessen insgesamt betroffen sind, ist unklar. Zum einen sind in erster Linie die Kommunen für sie zuständig, und es mangelte lange an validen landesweiten Zahlen. Zum anderen gehen Expert:innen von einer hohen Dunkelziffer aus.

3500 leben auf der Straße

Laut einer ersten Erhebung für Hessen in diesem Jahr sind etwa 12 110 Menschen in Unterkünften untergebracht. Die Zahl derjenigen, die vorwiegend auf der Straße leben, wird auf 3500 geschätzt, bundesweit sollen es 37 400 sein. Tendenz steigend.

Hinweise gibt auch eine Studie der Liga der Freien Wohlfahrtspflege, zu der zum Beispiel Diakonie und Caritas mit ihren Hilfsangeboten gehören. Laut den jüngsten vorliegenden Zahlen haben am Stichtag 27. Februar 2020 rund 3500 Menschen die Dienste und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe der Ligaverbände genutzt. Fast drei Viertel von ihnen waren männlich, der Anteil junger Menschen bis 27 Jahre wurde auf 15 Prozent beziffert. Mehr als die Hälfte der in den Statistiken erfassten Personen – die Beteiligung ist freiwillig – nahm die Tagesstätten oder die stationären Angebote der Anlaufstellen in Anspruch. Die Liga Hessen betont, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen wesentlich höher ist und fordert eine stärkere, dauerhafte staatliche Unterstützung für die Bedürftigen.

Der Blick in die Kommunen zeigte in den vergangenen Jahren, dass die Zahl der registrierten Menschen ohne Wohnung beziehungsweise Obdach vielerorts zugenommen hat. Zu den Gründen zählen Mangel an Wohnraum, steigende Mieten, Migration unter prekären Bedingungen sowie schwierige persönliche Lebensumstände und psychische Schwierigkeiten. Die hohe Inflation hat die Lage in jüngster Zeit verschärft.

In Kassel waren Ende 2021 etwa 1000 wohnungslose Menschen gemeldet. 831 von ihnen waren nach städtischen Angaben in Notunterkünften untergebracht, die anderen waren ohne Obdach. Im Jahr 2010 wurden in Unterkünften 405 Hilfesuchende gezählt. In Offenbach wohnten Ende 2021 etwa 500 Menschen in Notunterkünften – 280 mehr als elf Jahre zuvor.

Die Zahl der in Frankfurt auf der Straße lebenden Menschen wird derzeit auf 400 bis 500 geschätzt, 2010 sollen es circa 150 gewesen sein.

Unterstützung bieten besonders freie Träger wie das Diakonische Werk, das in Hessen und Teilen von Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben 85 Dienste und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe betreibt. Dazu gehören beispielsweise aufsuchende Sozialarbeit, Übernachtungsmöglichkeiten, Wohnheime und Beratungsstellen.

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