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Hessen: Urteil nach rassistischem Vorfall

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Von: Gregor Haschnik

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Das Amtsgericht Gelnhausen sieht eine Beleidigung und Körperverletzung gegen einen 58-Jährigen als erwiesen an.

Wegen rassistischer Beleidigung hat das Amtsgericht Gelnhausen am Freitag einen 21-Jährigen verwarnt und zu einem Konflikttraining verpflichtet. Der 44-jährige Vater des jungen Mannes wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à acht Euro verurteilt.

Jugendrichterin Petra Ockert sah es wie die Staatsanwaltschaft nach der Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der jüngere Angeklagte am 19. Mai 2021 einen damals 57-jährigen Schlüchterner in der Innenstadt mehrfach mit dem N-Wort beleidigte und sein später hinzugekommener Vater den Geschädigten am Hals packte und zudrückte.

Staatsanwalt Christopher Orel hatte beantragt, den Vater zu 90 Tagessätzen à zehn Euro zu verurteilen, seinen Sohn zu verwarnen und neben dem Training zur Konfliktlösung auch einen Täter-Opfer-Ausgleich anzuordnen.

Die Verteidigung, die dem Opfer eine Dramatisierung des Ereignisses vorwarf, plädierte auf Freispruch für den älteren Angeklagten und schloss sich der Forderung nach einem Verhaltenstraining für den Sohn an.

Die Vertreterin der Nebenklage forderte drei zur Bewährung ausgesetzte Monate Haft für den Vater und eine Zahlung des Sohnes von 500 Euro an Pro Asyl. Ihr Mandant leide insbesondere psychisch noch an den Folgen der Tat, wie ein Attest belege.

Wie der 58-Jährige schilderte, sei er von der Arbeit nach Hause gefahren, als zwei Leute aus einer Fünfergruppe auf die Straße getreten seien, woraufhin er gebremst habe. Dann habe der 21-jährige Angeklagte ihm den Mittelfinger gezeigt, ihn rassistisch beleidigt und gedroht, ihn umzubringen. Später habe der Vater so fest zugedrückt, dass er keine Luft bekommen und Todesangst gehabt habe.

Die Angeklagten behaupteten, das Opfer habe ihnen Schläge angedroht. Zuvor habe der 21-Jährige seine Freundin wegziehen müssen, weil sie einen Fuß auf der Fahrbahn gehabt habe, als der 58-Jährige vorbeigefahren und mit seinem Handy beschäftigt gewesen sei.

Dass die Aggressivität vom Geschädigten, der in den 1980er Jahren aus Asien nach Deutschland kam, ausging, sei unglaubwürdig, sagte Richterin Ockert, auch wenn es in seinen Aussagen Widersprüche gebe. Er sei niemand, der schnell wütend werde oder Streit suche. Zudem bezog sie sich auf zwei neutrale Zeug:innen, die die rassistischen Beleidigungen hörten und die Angeklagten als sehr aggressiv und das Opfer als ängstlich und „total aufgelöst“ beschrieben.

Auch die Körperverletzung sei belegt, erklärte die Richterin, etwa weil der Angegriffene den kurz darauf hinzugekommenen Zeug:innen glaubhaft von dem Würgen berichtet und der 44-jährige Angeklagte gegenüber einem Polizisten eingeräumt habe, den Mann gepackt zu haben. Es gebe jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass der 58-Jährige aufgrund seiner Hautfarbe angehalten und angegriffen werden sollte, so Ockert.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, alle Beteiligten können dagegen vorgehen und wollen dies prüfen. Eine Neuauflage des Prozesses würde am Landgericht Hanau verhandelt werden.

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