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Hessen stoppt 2G im Einzelhandel

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Corona-Verordnung tritt in Kraft
Corona-Verordnung tritt in Kraft © christoph boeckheler*

Ein Blick in die Innenstadt zeigt: Bei der Umsetzung gibt es einige Schwierigkeiten

Nach Inkrafttreten der neuen Corona-Regelungen diesen Montag herrscht in Frankfurts Innenstadt Verwirrung. Aufgrund der neuen Verordnung fällt 2G im Einzelhandel nun weg, dafür müssen Kund:innen die älter als 15 Jahre sind, im Einzelhandel, in Lebensmittelgeschäften, Banken und vielen weiteren Bereichen jedoch eine FFP2- oder eine vergleichbare Maske tragen. Nicht viele Menschen scheinen darüber am Montag in der Innenstadt informiert zu sein.

In einem Frankfurter Penny-Markt erklärt eine Mitarbeiterin an der Kasse: „Keiner hält sich an die Regeln. Das war mir klar, dass das passiert. Wir brauchen jemanden, der diese Regelungen mit den FFP2-Masken auch kontrolliert.“ Ihr Kollege eine Kasse weiter ergänzt: „Sonst brauchen sie diese Regelung gar nicht erst einzuführen.“ Wie zur Bestätigung trägt von den sechs an der Kasse stehenden Kund:innen nur einer eine FFP2-Maske.

Auch Jovana M. bestätigt diese Beobachtung. Sie ist die Managerin mehrerer Filialen einer großen Kette eines Backwarenherstellers und sitzt am Montag in einer Filiale in der Innenstadt: „Kaum einer trägt die FFP2-Maske“, stellt sie fest. „Wir sagen den Leuten Bescheid, denn viele wissen heute gar nicht, dass es neue Regelungen gibt.“

Das kann auch Annika Witzke bestätigen, die auf der Zeil mit einer medizinischen Maske unterwegs ist. Darauf angesprochen erklärt sie: „Ich wusste es einfach nicht, habe das heute gar nicht mitbekommen.“ Trotzdem finde sie es so angenehmer als die ganze Zeit überprüft zu werden, sagt sie. Ein paar Meter ist auch ein 26-Jähriger unter den vielen Menschen, die am Montag ohne die vorgeschriebene Maske unterwegs sind. Er möchte anonym bleiben und erklärt ebenfalls, dass er die neue Regelung nicht kannte: „Ich weiß es erst, seit ich vorhin vor einem Geschäft abgelehnt wurde und nicht eintreten durfte. Die Regeln müssen einfach besser veröffentlicht werden, auch im Internet.“ Er wolle sich jetzt eine FFP2-Maske kaufen, aber wisse noch nicht wie: „Ohne FFP2-Maske komme ich ja dann auch nicht in ein Geschäft, um eine zu kaufen. Das ist das Problem gerade.“

In einem nahegelegenen Drogeriegeschäft erklärt ein Mitarbeiter namens Christian, dass es am Montag vielen Menschen ähnlich gehe: „Es gibt heute einen großen Ansturm auf die Masken, weil viele Leute nicht Bescheid wussten. Außerdem kam diese Regelung ja auch relativ kurzfristig, da war kaum Zeit sich vorzubereiten.“ Deswegen mache er am Montag noch eine Ausnahme und schicke die Menschen zu dem Regal mit den FFP2-Masken, damit sie direkt eine anziehen können. Trotzdem komme es seit dem Morgen immer wieder zu Diskussionen: „Wir Mitarbeiter müssen ja nur eine medizinische Maske tragen. Das werfen uns dann die entsprechenden Kunden vor.“ Auch in anderen Drogerien werde nach diesem Prinzip verfahren, erzählt ein Mitarbeiter eines weiteren Marktes: „Damit die Leute überhaupt Masken kaufen können, ansonsten macht das keinen Sinn.“

Die 21 Jahre alte Passantin Kiki Bruder hat die neuen Regelungen mitbekommen und läuft bereits am Montagmorgen mit einer FFP2-Maske über die Zeil:„Ich finde es gut, dadurch sind wir alle besser geschützt.“ Trotzdem sieht sie einen großen Nachteil: „Sie sind teurer als die normalen Masken, das könnte für manche Leute zum Problem werden.“

Das ist auch der gesundheitspolitischen Sprecherin der Linken-Fraktion im Landtag, Christiane Böhm, aufgefallen: „Wer den Zugang zur Grundversorgung auf FFP2-Masken-Tragende beschränkt, muss auch sicherstellen, dass alle Menschen Zugang zu solchen Masken erhalten.“ Gerade Menschen mit niedrigen Einkommen und im Sozialleistungsbezug seien davon betroffen. „Wir fordern die Landesregierung auf, über die Kommunen und öffentliche Einrichtungen kostenlose FFP2-Masken zu verteilen.“, so Böhm am Montag in einer Pressemitteilung.

Trotz genannter Probleme bringen die neuen Regelungen manchen Menschen in Frankfurt jedoch auch Hoffnung. Eva ist etwa Verkäuferin in einem Geschäft für Dekoartikel in der Innenstadt und findet die Abschaffung der 2G-Kontrollen gut: „Vorher war es purer Stress, Kunden und Mitarbeiter waren genervt.“ Sie berichtet, dass sich einige Kund:innen zuvor mit ihr und ihren Kolleg:innen anlegen wollten und ihr einmal sogar Gewalt angedroht worden sei. „Es ist einem echt an die Psyche gegangen. Da war das heute mit den neuen Regeln eine richtige Wohltat.“

Silvio Zeizinger vom Handelsverband Hessen-Süd freut sich ebenfalls: „Das Thema 2G hatten wir schon lange gehabt und die neue Regelung war zwingend notwendig. Jetzt brauchen wir noch eine Öffnungsperspektive, die schon auf Bundesebene diskutiert wird.“

Weitere Frankfurter Verkäufer:innen haben den ersten Tag mit neuen Regelungen ebenfalls positiv wahrgenommen. So erzählt Rolf Kessler, Inhaber des Fruchtgummi-Ladens Bären-Treff, dass alle seine Kund:innen FFP2-Masken angehabt hätten und es auch sonst zu keinen Problemen gekommen sei. Gleiches berichtet Marco S., Mitarbeiter eines Bekleidungsgeschäftes: „Es ist eine große Entlastung. Aber heute ist ja auch der erste Tag, also mal schauen, was da noch kommt.“ (Kim Brückmann)

Corona-Verordnung tritt in Kraft
Corona-Verordnung tritt in Kraft © christoph boeckheler*

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