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Hessens Steuerpflichtige müssen im Schnitt 46 Tage auf ihren Bescheid warten

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Von: Gregor Haschnik

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Hessische Finanzämter brauchten für die Bearbeitung von Steuererklärungen für das Jahr 2020, die 2021 eingereicht wurden, im Durchschnitt 46 Tage.
Hessische Finanzämter brauchten für die Bearbeitung von Steuererklärungen für das Jahr 2020, die 2021 eingereicht wurden, im Durchschnitt 46 Tage. © Silas Stein/dpa

Das Land Hessen verbessert sich bei der durchschnittlichen Wartezeit auf Steuerbescheide, ist bundesweit aber nur auf Platz 14.

Bei Steuererklärungen für das Jahr 2020, die 2021 eingereicht wurden, haben die hessischen Finanzämter im Durchschnitt 46 Tage für die Bearbeitung gebraucht. Im Ländervergleich belegt Hessen damit Platz 14, Berlin schneidet mit durchschnittlich 33 Tagen am besten ab, Hamburg (35 Tage) landet auf Platz zwei, dahinter folgen das Saarland (38) und Rheinland-Pfalz (39). Schlusslicht ist Brandenburg mit 48 Tagen.

Das teilt der Bund der Steuerzahler (BdSt) mit. Die Ergebnisse basieren den Angaben zufolge auf Anfragen, die der BdSt im Frühjahr 2022 bei den Finanzämtern gestellt hat. Für Nordrhein-Westfalen sei lediglich eine Zeitspanne ermittelt worden, weil für das Bundesland keine genauen Daten vorgelegen hätten. Die Wartezeit könne im Einzelfall natürlich deutlich kürzer oder länger ausfallen und hänge auch von der Komplexität des Falls, der Vollständigkeit der Angaben sowie der Art der Steuererklärung ab: So müssten sich Arbeitnehmer:innen 45,6 Tage gedulden, Selbstständige und Firmen hingegen, bei denen die Prüfungen und Berechnungen komplizierter seien, 47,9 Tage.

Hessen habe sich gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Tage verbessert, stehe aber im Vergleich zu anderen Ländern weiterhin nicht gut da, sagt Joachim Papendick, Vorsitzender des BdSt Hessen. „Es ist schon erstaunlich, dass die Finanzämter in der angeblich so chaotischen Bundeshauptstadt fast zwei Wochen weniger benötigen als bei uns“, so Papendick.

Der Verein

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) Hessen gehört zu den 15 Landesverbänden des BdSt, der nach eigenen Angaben rund 200 000 Mitglieder hat. Der Landesverband wurde 1949 in Wiesbaden gegründen, zählt demnach etwa 13 000 Mitglieder und finanziere sich ausschließlich durch deren Beiträge.

Ziel sei es , die Finanzen des Landes und der hessischen Kommunen zu analysieren. gha

Die Dauer der Bearbeitung hierzulande sei in den vergangenen Jahren zwar immer wieder reduziert worden, doch es gebe nach wie vor Nachholbedarf. Denn ein „wirtschaftlich so starkes“ Bundesland wie Hessen dürfe nicht in der „Abstiegszone“ landen. Und es sollte nicht vom Wohnort abhängen, wie schnell die Bürger:innen ihren Steuerbescheid erhielten, bemängelt der Bund der Steuerzahler. Kritiker:innen etwa aus der Landtagsopposition führten als wesentliche Gründe für die lange Wartezeit den Personalmangel und die Bedingungen in den Ämtern an.

Das hessische Finanzministerium hatte bereits Ende Januar dieses Jahres den Durchschnittswert von 46 Tagen bei 1,6 Millionen eingereichten Steuererklärungen veröffentlicht und die Entwicklung in den vergangenen Jahren betont: Demnach habe der Wert 2018 noch 58 Tage, 2019 52 Tage und im Jahr darauf 47 Tage betragen.

Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) sagte, die Bearbeitungszeit sei durch verbesserte Abläufe und Digitalisierung erneut verkürzt worden, obwohl das Jahr 2021 wieder „von den Einschränkungen und Herausforderungen der Pandemie geprägt“ gewesen sei. Dazu zähle zum Beispiel ein Mehraufwand durch coronabedingte Steuererleichterungen. Das Steuersystem werde komplexer. Die schnellere Bearbeitung sei sehr positiv. Klar sei aber auch, dass Sorgfalt grundsätzlich wichtiger sei als Schnelligkeit.

Laut Finanzministerium erhielt jede steuerpflichtige Person 2021 im Durchschnitt rund 850 Euro zurück.

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