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Gesundheit

In Hessen steht die Hälfte der Klinikbetten leer

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Spahn rät zur Öffnung für planbare Eingriffe. Doch die Landesregeirung verlängert ihre Verordnung bis 10. Mai.

Hessens Krankenhäuser stehen in den Startlöchern. Ein Zurück zur Normalität werde es zwar noch lange nicht geben, sagt der Chef der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Steffen Gramminger. „Aber wir sind darauf vorbereitet, mit Augenmaß in die Phase zwei zu gehen.“ Phase zwei heißt, wieder für jene Fälle zu öffnen, die auf die Warteliste gesetzt wurden, um Betten für Corona-Patienten freizuhalten. „Wir warten auf grünes Licht von Herrn Spahn“, sagt die Sprecherin des Frankfurter Nordwestkrankenhauses.

Das ist jetzt gekommen. Angesichts der relativ günstigen Entwicklung bei den Neuinfektionen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag die Kollegen in den Bundesländern aufgefordert, ab Mai einen Teil der Krankenhauskapazitäten auch für planbare Operationen zu nutzen. Hessen hat am Dienstag die entsprechende Verordnung um eine Woche bis 10. Mai verlängert. „Inhaltliche Änderungen sind aber kurzfristig nicht auszuschließen“, sagt die Sprecherin des Sozialministeriums, Alice Engel, auf Anfrage. „Die Landesregierung beobachtet bekanntlich permanent die epidemiologische Situation und beschließt kurzfristig über mögliche Lockerungen, kann aber auch Verschärfungen nicht ausschließen.“

Seit Mitte März haben bundesweit alle Kliniken medizinisch nicht zwingend notwendige planbare Aufnahmen und Operationen verschoben. Klassisches Beispiel ist der Einsatz einer künstlichen Hüfte, aber auch die Entfernung eines Gallensteins könnte darunter fallen, der Schilddrüse, von Krampfadern oder die Operation nach gutartigem Magen-Darm-Befund. Der Arzt entscheide, das Kriterium sei der „Leidensdruck“, sagt Gramminger. „Bei starken Schmerzen wird nichts verschoben.“ Kein Non-Covid-Patient müsse wegen der Betten-Vorratshaltung Schaden nehmen.

Doch das hat nur zum Teil geklappt. Laut Statistik der AOK-Hessen gingen die Aufnahmen in Hessen im Durchschnitt um 43 Prozent zurück. „Es ist davon auszugehen, dass nicht nur verschiebbare Eingriffe für diesen Rückgang verantwortlich sind“, sagt Sprecher Riyad Salhi. Sondern auch onkologische Verdachtsfälle, Infarkte, Schlaganfälle. „Das ist nicht nur ein erhebliches Risiko für die betroffenen Patientinnen und Patienten, sondern auch für die Versichertengemeinschaft wegen zu später Therapie oder zu später Diagnose.“ Die Höhe der Folgekosten sei noch nicht abschätzbar. Verantwortlich dafür seien großteils die Patienten selbst, die befürchteten, sich im Krankenhaus anzustecken.

Eine Angst, die unbegründet bleibt, auch wenn die Krankenhäuser sich wieder vorsichtig öffnen, versichert Gamminger. Non-Covid-Patienten würden auch künftig strikt getrennt von den Infizierten. Deshalb sollen zwar künftig mehr Betten belegt werden, aber bei weitem nicht alle: „Wir brauchen die entsprechenden Räumlichkeiten.“

Nach Angaben des Geschäftsführers wird im Moment die Hälfte der Kapazitäten nicht genutzt. Ein Zustand, der keinen befriedige. Auch nicht die Krankenhausmanager, die pro leerstehendem Bett und Tag 560 Euro überwiesen bekommen. Für die großen Häuser sei das ein Minusgeschäft, auch wollten sie ja Menschen heilen. Der aktuelle Zustand sei auf Dauer „medizinisch wie wirtschaftlich und gesellschaftlich“ nicht vertretbar. „Er überlastet die öffentlichen Kassen ohne Ende.“

Gleichwohl plädiert auch Gramminger dafür, die Öffnung der Krankenhäuser stets am Infektionsgeschehen zu orientieren. Die „Leitplanken“ würden derzeit im Planungsstab im Sozialministerium festgelegt, in dem die Vertreter aller Versorgerbereiche sitzen. Auch die niedergelassenen Ärzte. Denn ohne deren gute Arbeit hätten die Krankenhäuser weitaus mehr zu tun.

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