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Der mangelhafte Schutz der Bevölkerung ist ein Dauerbrenner.

Gesundheit

Hessen: Kampagne fürs Impfen startet

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Der Sozialminister will die Impfquoten erhöhen. Unterdes harrt das Maserngesetz des Bundes der Umsetzung.

Die Landesregierung will die Impfbereitschaft der Hessen verbessern. Los geht es im Herbst mit einer Öffentlichkeitskampagne. Auch werden bei den Schuleingangsuntersuchungen Flyer verteilt, die für das Thema sensibilisieren, teilt die Sprecherin des Sozialministeriums, Alice Engel, auf FR-Anfrage mit.

Der mangelhafte Schutz der Bevölkerung ist ein Dauerbrenner. Im Fokus standen in jüngster Zeit die Masern, bei denen eine Impfquote von 95 Prozent erforderlich ist, um die so genannte Herdenimmunität zu erreichen. Laut Robert-Koch-Institut konnten aber lediglich gut 93 Prozent der deutschen Schulanfänger 2017 die notwendigen zwei Impfungen vorweisen.

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Das Robert Koch-Institut veröffentlicht auf seiner Internetseite umfangreiches Wissen; etwa von der Ständigen Impfkommission (StIkO) Details zu den einzelnen Impfungen. Oder eine alphabetische Übersicht über die häufig nachgefragten Themen.

Studien zu Nutzen und Risiken sind dort zu finden, Daten zu den Impfquoten in Deutschland sowie diverse Präventionsprogramme. jur

www.rki.de

Doch auch bei Grippe oder den Humane Papillomaviren (HPV) sieht Sozialminister Kai Klose (Grüne) Nachholbedarf. Im April hatte er eine „Landesarbeitsgemeinschaft Impfen“ ins Leben gerufen, das nächste Treffen soll Ende des Jahres stattfinden. Geplant sind neben der Aufklärung Impfpasskontrollen und Beratungen in Schulen. Informiert werde über alle von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen, einschließlich der gegen den sexuell übertragbaren Krebserreger HPV, heißt es aus dem Ministerium. Nicht mehr alleine Mädchen und junge Frauen im Alter von zwölf bis 17 Jahren sollten sich schützen. Auch für Jungen wird dies inzwischen angeraten.

Impfungen erfolgen laut Ministerium weiterhin durch die niedergelassenen Ärzte. Der Gesetzgeber sehe zwar auch die Möglichkeit der Schulimpfungen durch Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes vor. Die müssten dann allerdings über die Krankenkassen abgerechnet werden können.

Auch ohne diese Zusatzaufgabe kommen auf den öffentlichen Gesundheitsdienst sowie medizinische und pädagogische Einrichtungen neue Pflichten zu. Dafür sorgt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit seinem Masernschutzgesetz. Von März an müssen alle Kinder geimpft sein, die in Kitas, bei einer Tagesmutter oder in der Schule aufgenommen werden. Gleiches gilt für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig sind wie Erzieher, Lehrer, Tagepflegepersonen und medizinisches Personal, sofern sie nach 1970 geboren sind. Die Pflicht gilt auch für Bewohner von Flüchtlingsheimen. Wer das kontrolliert, ist nach Auskunft von Ministeriumssprecherin Engel noch offen: „Die endgültige bundesgesetzliche Regelung liegt uns noch nicht vor.

Lesen Sie auch die Kolumne zur Masern-Impfpflicht: Die Impfung ist wichtig - aber Zwang ist schlecht

In Hessen sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 22 Menschen an Masern erkrankt. In den beiden vergangenen Jahren gab es jeweils einen Ausbruch, an dem ein Krankenhaus beteiligt war. 2011 und 2015 waren Schulen betroffen, heißt es in einer Antwort Kloses auf Anfrage der FDP. Er geht nicht davon aus, dass es einen bewussten Boykott gibt. Der Anteil der Impfgegner sei „vergleichsweise gering“. Eine gesetzliche Pflicht könne dazu beitragen, die Impfquoten zu erhöhen. Da Jugendliche und junge Erwachsene damit nicht erreicht werden, seien allerdings ergänzende Schritte notwendig.

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