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Tauben füttern ist beliebt, aber nicht gerne gesehen.

Fütterung

Hessen: Städte überlassen Tauben sich selbst

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Tierschützerinnen in Hessen kritisieren Fütterungsverbot und machen ein ungewöhnliches Angebot.

Das Fütterungsverbot für Stadttauben soll nicht aufgehoben werden, auch wenn Tierschützer davor warnen, dass Tausende Tiere während der Corona-Krise verhungern könnten. Die Behörden gehen davon aus, dass die Tauben sich selbst helfen können. Gegner des Verbots widersprechen.

„Es droht ein massenhaftes Verhungern“, schreibt etwa der Verein Menschen für Tierrechte in einem Appell an die Bevölkerung: „Tiere leiden aufgrund der Einschränkungen. In den verwaisten Städten betrifft dies neben verwilderten Katzen auch unzählige Stadttauben, die auf Nahrungsabfälle sowie Fütterung angewiesen sind.“ Mit den derzeitigen Regelungen – sprich: Fütterungsverbot – sei es schwierig, die Tauben zu versorgen.

Sylvia Müller vom Verein Straßentaube und Stadtleben fordert ebenfalls Hilfe ein: „Tauben sind auch Lebewesen, die Hunger, Schmerz, Leid und Glück empfinden, wie wir Menschen“, betont sie. „Verschließen Sie nicht die Augen und gehen Sie nicht an diesen Tieren vorbei, als würden sie gar nicht existieren!“ In einem Musterantrag (zu finden etwa unter www.tierrechte.de) rufen die Vereine daher zur Lockerung des Fütterungsverbots auf, das in vielen Städten gilt.

In Frankfurt stoßen sie damit auf wenig Gegenliebe. „Wenn die Tauben hier nichts mehr finden, gehen sie woanders hin“, zitiert Ordnungsamtssprecher Michael Jenisch die Kollegen vom Veterinärwesen. „Sie müssen sich eben neu organisieren, und das bekommen sie auch hin.“ Abgesehen davon glaubt Jenisch nicht, dass die Unterstützung für die Tiere nennenswert nachgelassen habe. Es gebe das Stadttaubenprojekt mit seinen Taubenhäusern, und: „Die Szene der Taubenfütterer ist sehr hartnäckig“, sagt er. Es gelte ja kein Ausgangsverbot: „Wir haben in all den Jahren die Erfahrung gemacht, dass immer und immer wieder gefüttert wird.“

Dass es sich dabei meist um alte Leute handeln könnte, die nun aus Vorsicht wegen Ansteckung lieber zu Hause bleiben, müsse kein Hinderungsgrund sein: „Die Handlung des Fütterns dauert ja nicht lang. Jemand schüttet etwas aus und geht wieder nach Hause.“

Von ganz hoch droben lässt es sich prima erblicken, ob wer was für Tauben hinterlassen hat.

Auch in Darmstadt macht sich die Administration keine Sorgen. „Die Nahrung für die Tauben ist gesichert. Auch in Zeiten von Corona ist eine Zufütterung sogar schädlich“, sagt die Darmstädter Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne). Das Umweltamt bittet dort, keine Tauben zu füttern.

Die Tiere sich selbst zu überlassen, sei eine fatale Fehlentscheidung, sagt Gudrun Stürmer, Leiterin des Frankfurter Stadttaubenprojekts. „Tatsache ist, dass Freiluftgastronomie und andere potenzielle Quellen, aus denen etwas für Tauben abfällt, nicht mehr da sind“, sagt sie. „Die modernen Stadttauben finden auch nichts auf den Feldern – sie haben die Nahrungssuche auf den Feldern verlernt und bewegen sich nur in der Stadt, im Umkreis von wenigen Hundert Metern.“

Stürmers Angebot: „Ich gehe gern mit, wenn mir jemand zeigt, wo die Tiere zurzeit etwas zu fressen finden.“ Es gehe um 30 Gramm pro Taube für rund 4500 von ihnen nur in der Innenstadt. „Ich stelle mich zur Verfügung. Zeigen Sie es mir, ich gehe jeden Weg mit.“ Wenn wie erwartet nicht genug Futter zu finden sein wird, was dann? „Es geht nicht darum, dass die Leute jetzt in Massen durch die Stadt rasen und füttern“, sagt die Taubenschützerin. „Aber es zeigt sich, dass unsere drei Taubenhäuser in Frankfurt viel zu wenige sind.“ Ein weiteres hatte die Messe zugesagt, aber nun aufs kommende Jahr verschoben – wegen Corona.

Zum Schluss: Was ist, wenn nun Leute hingehen und füttern – drückt das Ordnungsamt ein Auge zu? „Grundsätzlich: nein“, sagt Sprecher Jenisch. „Verstoß ist Verstoß.“ Allerdings sei es fraglich, ob die Kolleginnen und Kollegen auf der Straße zurzeit der Aufsicht im gewohnten Maß nachkommen könnten. „Die sind ja mit Mann und Maus wegen Corona beschäftigt“, lässt Jenisch durchblicken. Dies sei aber nicht als Freibrief zu verstehen.

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