Wohnungsbau

Hessen soll neue Wohngebiete stärker fördern

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Städte und Gemeinden im Ballungsraum Frankfurt begrüßen den „Großen Frankfurter Bogen“. Doch hohe Folgekosten schrecken von Wohnungsbau ab.

Die Städte und Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet fürchten, auf den Folgekosten sitzenzubleiben, wenn sie neue Baugebiete für Wohnungsbau ausweisen und entwickeln. Sie fordern das Land und den Bund auf, mehr Geld beispielsweise für den Unterhalt von Kindertagesstätten, Schulen oder anderen sozialen Einrichtungen bereitzustellen.

Die Vertreter der 75 im Regionalverband organisierten Kommunen haben am Mittwoch zwar einstimmig die Initiative von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) begrüßt, den Wohnungsbau in der Region zu fördern. Dessen Konzept eines „Großen Frankfurter Bogens“, mit dem bis zu 200 000 Wohnungen in der Region entstehen sollen, sei ein richtiger und wichtiger Schritt. Allerdings monierten sie, dass die bisher vorgesehene finanzielle Unterstützung nicht ausreiche.

Zuwachs Die Bevölkerungim Rhein-Main-Gebiet wächst weiter. Das statistische Landesamt geht bis 2040 von einem Zuwachs von knapp 16 Prozent in Frankfurt, 15 in Darmstadt und 14 in Offenbach aus. Die Bevölkerungszahl im ländlichen Raum geht derweil stark zurück.

Der „Große Frankfurter Bogen“ist ein Vorschlag von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, wie im Ballungsraum rund 200 000 Wohnungen entstehen könnten – 80 000 durch Verdichtung bestehender Gebiete, 120 000 durch die Ausweisung neuer.

Gefördertwerden sollen Kommunen bei der Ausweisung, wenn die Gebiete in einem Umkreis von einem Kilometer um einen Bahn-Haltepunkt liegen, von dem aus der Frankfurter Hauptbahnhof innerhalb von 30 Minuten Fahrtzeit erreicht werden kann. pgh

„Der Wohnungsnot müssen wir uns alle stellen und sie bekämpfen“, sagte der Hammersbacher Bürgermeister Michael Göllner (SPD). „Wir brauchen aber auch eine langfristige Sicherstellung der Folgekosten“, forderte er. Diese Ausgaben, so auch Grünen-Sprecher Horst Burghardt, dürften nicht dazu führen, dass die Kommunen die Grundsteuern anheben müssten. Gerade in der Kinderbetreuung „laufen uns die Kosten weg“, so der Friedrichsdorfer Bürgermeister. Die finanziellen Lasten, die mit einer Wohnbebauung einhergingen, seien für die Kommunen eines der größten Bauhemmnisse, sagte Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU). Werde die finanzielle Unterstützung ausgeweitet, könne Al-Wazirs Initiative zu einer „recht guten Sache für die ganze Region werden“.

CDU, SPD und Unabhängige forderten zudem eine Ausweitung der Förderung auch auf Kommunen, die im Konzept Al-Wazirs nicht vorgesehen sind. Beim „Großen Frankfurter Bogen“ sollen neue Siedlungen gefördert werden können, die nicht weiter als 30 Minuten Fahrtzeit mit dem Zug oder der S-Bahn vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt liegen. Solche möglichen Baugebiete gibt es in 54 Städten und Gemeinden.

Die Mehrheit im Regionalverband will aber, dass alle 75 Mitgliedskommunen gleichermaßen von einer Förderung profitieren können, unabhängig von einer Schienenanbindung. Auch eine gute andere Verkehrsanbindung oder Buslinie sollten für eine Förderung als Voraussetzung dienen können, sagte Stöhr.

Die Grünen lehnten diese Forderung ab. Die Idee, die Region entlang der Schienenwege zu entwickeln, sei richtig, sagte Horst Burghardt. Davon solle nicht abgewichen werden. „Wenn wir flächensparend vorgehen wollen, dürfen wir nicht alles mit Straßen zubauen“, so Burghardt.

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