Hessen

Hessen soll Kinder aus Griechenland aufnehmen

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Hessische Sozialverbände und Politiker fordern Hilfe für Flüchtlinge aus griechischen Lagern – es sollen Kinder aufgenommen werden.

Hessen sollte nach Auffassung von Sozialverbänden, SPD und Linker anbieten, Flüchtlingskinder aus den griechischen Lagern aufzunehmen. Auch die Grünen machen sich dafür stark, dass Deutschland mehr Flüchtlinge aus Griechenland aufnimmt als bisher geplant.

Deutschland hat zugesagt, rund 350 Flüchtlingskinder aus Griechenland aufzunehmen. Die ersten 50 sollen am Samstag ankommen. Am Dienstag bot das Land Berlin an, allein 70 Kinder aufzunehmen.

Appell an Landesregierung

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege und der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (Bumf) appellierten an die hessische Landesregierung, ein ähnliches Angebot zu unterbreiten. „Wir fordern vom Land Hessen die Bereitschaft, mehr Kinder als vom Bund festgelegt aufzunehmen“, sagte Jürgen Hartmann-Lichter, Vorsitzender des zuständigen Liga-Arbeitskreises. Die Landesregierung solle sich an den Kapazitäten der Kinder- und Jugendhilfeträger in Hessen orientieren. „In den Jahren 2015/16 hat das Land allein 6000 dieser Kinder aufgenommen, sie untergebracht und versorgt“, erinnerte Hartmann-Lichter. „Die Infrastruktur ist da. Die Landesregierung muss jetzt aktiv werden.“

Ähnlich argumentierten die Bumf-Landeskoordinatoren für Hessen, Irmela Wiesinger und Henning Wienefeld. Allein in den vergangenen dreieinhalb Monaten sei die Zahl junger Geflüchteter, die von der Jugendhilfe in Hessen betreut würden, von 3085 auf 2705 gesunken. „Zahlreiche Plätze in Jugendwohngruppen sind damit erst kürzlich frei geworden“, berichtete der Fachverband. Im Übrigen habe sich die große Mehrheit der 2015 und 2016 Angekommenen in Hessen integriert und lebe „vielfach unabhängig von Transferleistungen“.

140 Kommunen, Städte und Länder bereit

Die Grüne Jugend Hessen nennt die Aufnahme von zunächst 50 Kindern in Deutschland „eine Bankrotterklärung der Europäischen Wertegemeinschaft“. Bisher hätten sich 140 deutsche Kommunen, Städte und Länder bereiterklärt, Menschen aufzunehmen. Nun seien Europa, Bund und Länder gefragt, schnell zu handeln, forderten die GJH-Landesvorsitzenden Deborah Düring und Sascha Meier – ohne direkt auf Hessen einzugehen, wo die Grünen mitregieren.

Ähnlich äußerte sich die Grünen-Fraktion im Landtag. Ihr migrationspolitischer Sprecher Taylan Burcu, sagte, die Aufnahme von 350 Kindern in Deutschland könne „nur ein erster Schritt sein“. Die Situation in den Lagern auf den griechischen Inseln sei schon vor der Corona-Krise katastrophal gewesen und habe sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt.

Auflösung der Lager gefordert

Die Linke vermisste eigene hessische Aktivitäten. „Fakt ist: Die Verantwortung zu weiteren Evakuierungen liegt jetzt nicht nur bei anderen Ländern, sondern weiterhin auch in Deutschland und in Hessen“, sagte die Abgeordnete Saadet Sönmez. „Statt jetzt auf andere zu zeigen, ist es Zeit, selbst zu handeln.“

Auch die SPD verlangte, Hessen solle vorangehen. „Hessen ist im Umgang mit unbegleiteten Kindern und Jugendlichen erfahren und gut aufgestellt“, stellte ihr Abgeordneter Frank-Tilo Becher fest. Die Aufnahme der Kinder könne aber „nur ein erster Schritt auf dem Weg zur dringend gebotenen Auflösung der Lager auf den Inseln sein“.

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