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Personal in einem Krankenhaus.

Falsche Ärzte

Hessen sieht den Schutz der Patienten vor falschen Ärzten gewährleistet

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Ein bis zwei Fälle gibt es pro Jahr in Hessen. Die Krankenhausgesellschaft fordert ein zentrales Register bei der Bundesärztekammer.

In einem Rundbrief warnt die Hessische Krankenhausgesellschaft ihre Mitglieder vor gefälschten Arztzeugnissen. Anlass ist der Fall der Hochstaplerin, die drei Jahre in Fritzlar als Anästhesistin tätig war. Vier Patienten starben, bei acht sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein. Der Fall wurde am Wochenende bekannt.

Die moderne Technik mache es immer einfacher, Zeugnisse zu fälschen, sagte Steffen Gramminger, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, der Frankfurter Rundschau am Dienstag. Er unterstützt den Ruf der Deutschen Stiftung Patientenschutz nach einem zentralen Register bei der Bundesärztekammer. „Das Problem ist, dass die Approbationsurkunden von Bundesland zu Bundesland verschieden sind.“ Ergänzend plädiert er für eine Pflicht zum elektronischen Arztausweis. Dies verringere nochmals das Risiko, auf Urkundenfälschungen hereinzufallen, sagte Gramminger. „100-prozentige Sicherheit gibt es allerdings nicht.“

Der Präsident der Landesärztekammer hingegen lehnte am Dienstag die Idee ab. „Wir leben in einem föderalen und nicht in einem zentralistischen System“, sagte Edgar Pinkowski. „Wenn die Urkunden fälschungssicher sind, ist ein zentrales Register überflüssig.“ Die Landesärztekammer habe gute Erfahrungen mit Facharzturkunden gemacht, die mit einem mit 2d-Barcode versehenen sind.

In Hessen ein bis zwei Fällen pro Jahr

Die Approbationsurkunden wiederum werden von den jeweiligen Landesbehörden ausgestellt. Hessens Sozialministerium hält eine zentrale Stelle für nicht erforderlich. Um eine Urkunde zu verifizieren, müsse sich der potenzielle Arbeitgeber schon jetzt einzig an eine Landesbehörde wenden, sagte Sprecherin Alice Engel. Das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen könne seine Information zwar auch einer bundeszentralen Stelle zu Verfügung stellen. „Dies würde aber zusätzliche Risiken beinhalten, zum Beispiel bei der Datenübermittlung, der notwendigen Aktualisierung der Daten et cetera.“

Auch seien sich die Akteure in den Personalabteilungen der Krankenhäuser und Behörden in der Regel bekannt. Die Zahl der Fälschungen sei sehr gering. In Hessen liege sie bei ein bis zwei Fällen pro Jahr. Demgegenüber stünden rund 1800 neue und weit mehr als 100 000 existierende Approbationen. Hessische Urkunden seien mit einem Prägesiegel versehen, sagte Engel, der Schutz vor Fälschungen von daher hoch. Andere Bundesländer hingegen verwendeten zum Teil Stempelsiegel, die bei Kopien leichter gefälscht werden können. Das Ministerium plädiert für bundeseinheitliche Prägesiegel. „Langfristig könnte über die Anbringung zusätzlicher Sicherheitsmerkmale nachgedacht werden.“

Unterdessen gehen die Ermittlungen weiter. Bis Dienstag meldeten sich 26 Geschädigte und Zeugen beim am Freitag eingerichteten Hinweistelefon der Polizeidirektion Homberg. Rufnummer: 05681 / 77 41 80.

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