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Nicht nur in Moscheen, auch in den Schulen wird es weiterhin Islamunterricht geben.

Ditib

Hessen setzt Islamverband Ditib vor die Tür

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Hessens Kultusminister Lorz beendet den Islamunterricht in Zusammenarbeit mit Ditib wegen dessen Abhängigkeit vom türkischen Staat. Der Unterricht wird weiter angeboten.

Nach sieben Jahren beendet Hessen den Islamunterricht in Zusammenarbeit mit der sunnitischen Organisation Ditib Hessen. „Es fehlt Ditib Hessen an der notwendigen Unabhängigkeit“, stellte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in einer Video-Pressekonferenz aus Wiesbaden fest.

Seit Jahren ist umstritten, wie abhängig der Landesverband vom Ditib-Bundesverband in Köln und der Religionsbehörde Diyanet in Ankara ist, die dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan untersteht. Lorz sagte, seit dem Putschversuch in der Türkei 2016 und dem folgenden rigiden Kurs Ankaras hätte sich dieses Verhältnis verändert.

Es sei eine Schwelle überschritten worden, bei der man sagen müsse: „Das ist so nicht mehr tragbar.“ Hessen war das einzige Bundesland, das Islamunterricht in Zusammenarbeit mit Ditib angeboten hatte. „Wir beenden an dieser Stelle unsere Sonderrolle“, stellte Lorz fest. Er versicherte zugleich, dass es in der Schulpraxis keine Beanstandungen gegeben habe. Schüler, Eltern und Lehrkräfte hätten sich positiv geäußert.

Islamunterricht

Im Jahr 2013  begann Hessen mit dem Islamunterricht in Zusammenarbeit mit den beiden islamischen Religionsgemeinschaften Ditib und Ahmadiyya. Hessen war das erste Bundesland, das diesen Weg ging. Es startete mit den ersten Klassen. Inzwischen umfasst das Angebot die Klassen 1 bis 6.

Gut 3300 Kinder  nehmen am Islamunterricht teil, die meisten davon am Angebot der türkisch-sunnitischen Organisation Ditib. Islamunterricht gibt es an 56 hessischen Grundschulen sowie an zwölf weiterführenden Schulen. 

Der Vorsitzende von Ditib Hessen, Salih Özkan, zeigte sich in einer ersten Reaktion „sehr enttäuscht und resigniert“. Er hatte schon im vergangenen Jahr versichert, sein Verband habe alle Vorgaben erfüllt. Das Land hatte Ditib aufgetragen, ein Mitgliederregister zu schaffen, seine Unabhängigkeit in der Satzung festzuschreiben und seine Verwaltung zu verbessern. Laut Lorz ist dies nur teilweise geschehen.

Er ließ dem Verband aber eine Tür offen. Deshalb werde der Bescheid aus dem Jahr 2012, der den Weg für den Religionsunterricht geebnet hatte, nicht aufgehoben, sondern nur ausgesetzt. Lorz sagte, dies sei ein bewusst gesetztes Signal an Ditib, dass die Tür zwar jetzt geschlossen werde, der Schlüssel aber weiter bereitliege.

Hessens Zusammenarbeit mit dem türkisch-islamischen Verband stand seit Jahren in der Kritik. 2017 stellte Minister Lorz drei Gutachten vor, die sich mit Ditib befassten. Daraus folgten 2018 und 2019 Aufträge an den Verband, wo er nachzubessern habe.

Das Land will muslimischen Schülerinnen und Schülern weiter Religionsunterricht anbieten. Vom nächsten Schuljahr an steht ihnen ein allein vom Staat organisierter Unterricht offen, der nicht an eine Strömung des Islam geknüpft ist. Erfahrungen mit dieser Art des Islamunterrichts sammelt das Land bereits mit einem Schulversuch.

Daneben bietet die relativ kleine, aber in Hessen sehr aktive Religionsgemeinschaft Ahmadiyya weiterhin bekenntnisorientierten Islamunterricht an. Er wird mit sieben Lehrerinnen und Lehrern erteilt. Außerdem gibt es in Hessen alevitischen Religionsunterricht. Siehe Kommentar

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