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Beim Islamunterricht in ersten Klassen werden Moscheen ausgemalt.

Schule

Islamunterricht ohne religiöse Partner

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Nach dem Aussetzen der Kooperation mit der Ditib setzt Hessen auf einen Schulversuch mit staatlichem Islamunterricht ohne Bekenntnisorientierung.

Nach staatlichen Curricula, mit staatlichen Lehrkräften und grundsätzlich in deutscher Sprache: Das sind die Vorgaben für den bekenntnisorientierten Religionsunterricht in Hessen. Mit elf Kirchen und Religionsgemeinschaften kooperiert das Land. Rund 239 000 Schülerinnen und Schüler nahmen im vorigen Schuljahr am evangelischen Religionsunterricht teil; sie stellten die größte Gruppe an öffentlichen und weiterführenden Schulen. 102 500 Schüler:innen besuchten den katholischen Religionsunterricht.

Zum Vergleich: Im Ethikunterricht waren es 180 000 Schüler:innen. Die Zahlen bei den weiteren Gemeinschaften – orthodox, syrisch-orthodox, mennonitisch, freireligiös, jüdisch, unitarisch und alevitisch – lagen zwischen 13 und 519 Schüler:innen.

Eine Sonderrolle spielt der Islamunterricht. 2013 hatten die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) und die Ahmadiyya Muslim Jamaat den steinigen Weg zum Kooperationspartner hinter sich gebracht und im Jahr 2013/2014 erstmals bekenntnisorientierten Islamunterricht angeboten. Doch während rund 200 Schüler:innen an fünf Schulen Religionsunterricht der Ahmadiyya-Gemeinde erhalten, liegt die Kooperation mit der Ditib seit April auf Eis. Dem Verband wird die fehlende Unabhängigkeit vom türkischen Staat vorgeworfen.

„Der Schlüssel liegt weiter bereit“, hatte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) seinerzeit gesagt. Seitdem gibt es Bemühungen der Ditib, die Vorgaben des Landes zu erfüllen. Das Land hatte dem sunnitischen Verband in den vergangenen Jahren aufgetragen, ein Mitgliederregister zu schaffen, seine Unabhängigkeit in der Satzung festzuschreiben und seine Verwaltung zu verbessern. Laut Lorz ist dies nur teilweise geschehen. Letztlich habe immer eine Behauptung gegen die andere gestanden. In der Schulpraxis, sagt Lorz, habe es jedenfalls keine Beanstandungen gegeben.

Zum Boykott aufgerufen

Rund 2700 Schüler:innen hatten voriges Schuljahr am Islamunterricht in 38 Grundschulen teilgenommen. Diese wollte Lorz nicht ohne Angebot in diesem Schuljahr lassen. Deshalb gibt es den Islamunterricht jetzt erstmals für die Klassen eins bis acht in rein staatlicher Regie ohne religiösen Partner, wie es im alten Schuljahr schon einmal als Versuch nur in der siebten Klasse mit rund 160 Schülern in sechs Schulen der Fall war.

Rund 3000 Schüler:innen nehmen an dem erweiterten Schulversuch in diesem Schuljahr teil. Die großen Verbände hatten nach den Querelen mit der Ditib zum Boykott aufgerufen; stattdessen sollten muslimische Schülerinnen und Schüler das Fach Ethik zu wählen. „Das Fach Islamunterricht leistet auf der Grundlage des Hessischen Schulgesetzes und der Verfassung des Landes Hessen sowie des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland einen Beitrag zur Erfüllung des staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrags“, heißt es in einer Mitteilung des Landes Hessen auf Kritik nach der Rechtmäßigkeit des staatlichen Islamunterrichts,

Die meisten Lehrer:innen, des bisher bekenntnisorientierten Unterrichts hatten sich auch für den neuen staatlichen gemeldet. „Die Fachkunde haben diese Lehrer ohnehin“, sagte Lorz. „Sie müssten den Islamunterricht jetzt nur neutral erteilen und auch über die gesamte Geschichte, Kultur und Philosophie des Islams informieren.“

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