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Hessen: Selbsthilfe wird digitaler

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Von: Gregor Haschnik

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Der hessische Landesverband der Lebenshilfe baut ein moderiertes Online-Gruppenangebot für Angehörige von Menschen mit Beeinträchtigungen auf.

Pflege, Beruf, Haushalt, Organisation, Termine bei Ärzten, Ämtern oder Behindertenwerkstätten – Angehörige von Menschen mit Beeinträchtigungen stehen vor vielen Herausforderungen. Unterstützung können Selbsthilfegruppen bieten. Doch viele Betroffene sind zeitlich extrem eingespannt und können zum Beispiel abends nicht das Haus verlassen, weil sie keine Betreuung für ihre Kinder haben.

Für sie und andere Interessierte baut der Lebenshilfe Landesverband Hessen moderierte, digitale Gruppen auf, wie der Geschäftsführer des Verbandes, Alexander Mühlberger, am Freitag sagte. Für 2023 seien fünf bis sechs Gruppen das Ziel. Sie seien eine Ergänzung, um mehr Leute in Hessen zu erreichen, und sollen Angebote vor Ort nicht ersetzen, so Mühlberger. Neben einer Plattform für Treffen ist die Nutzung eines Chatprogramms geplant.

Eine wichtige Rolle werden die Moderator:innen spielen. Etwa zehn Freiwillige hätten dafür bereits Interesse signalisiert. Auch Nicole Preuss – alleinerziehende Mutter, Erzieherin und im Landesvorstand der Lebenshilfe aktiv – will sich schulen lassen. Sie steht hinter dem Projekt: „Wir brauchen Zeitfenster, in denen mehr Menschen teilnehmen können.“ Am Abend beispielsweise, wenn die Kinder schlafen, böten sich digitale Sitzungen an. In der Hochphase der Corona-Pandemie ist dies bereits erprobt worden.

Bei dem Projekt kooperiert die Lebenshilfe mit der Krankenkasse Barmer, die 23 000 Euro bereitstellt. Schirmherrin ist Sozialstaatssekretärin Anne Janz (Grüne). Ihrer Ansicht nach verbindet die Initiative wichtige Anliegen wie digitale Teilhabe und Inklusion. Eine direkte Landesförderung gibt es bislang nicht, auch weil sie nicht beantragt wurde. Janz verweist darauf, dass das Land die Selbsthilfekontaktstellen in Hessen mit rund 300 000 Euro pro Jahr unterstütze.

Der Verband

Der Lebenshilfe Landesverband Hessen mit Sitz in Marburg hat in seinen Orts- und Kreisgruppen nach eigenen Angaben rund 10 000 Mitglieder. Er ist ein gemeinnütziger Verein und versteht sich vor allem als Selbsthilfevereinigung sowie als Fachverband für Menschen mit insbesondere geistiger Behinderung und ihre Familien.

Ziel sei es, Zukunftsperspektiven für sie zu schaffen und sich für eine inklusive Gesellschaft einzusetzen. gha

Mit der Summe von der Kasse sollen laut Mühlberger die Moderierenden ausgebildet werden, in sechs Einheiten à drei Stunden. Die Aufgabe ist herausfordernd: Wie schaffe ich eine vertrauensvolle Atmosphäre? Wie gehe ich mit emotionalen Themen, wie mit Konflikten um? Solche Fragen würden geklärt. Zudem werde das Geld für eine Projektstelle auf geringfügiger Basis, Supervision, Öffentlichkeitsarbeit – und ein Treffen aller Gruppen verwendet. Sie sollen sich zumindest einmal im Jahr nicht nur virtuell begegnen.

Nach den Worten von Mühlberger sollen die Online-Lebenshilfe-Gruppen etwa acht bis zehn Mitglieder haben, um einen intensiven Austausch zu ermöglichen. Bei Bedarf könnten sie einen thematischen Fokus mit Tipps von Expert:innen bekommen, etwa zu medizinischer Versorgung oder Wohnraum. Für Menschen, die in der digitalen Welt unsicher sind, soll es vor dem Start eine Einführung geben. Wenn die Nachfrage größer wird, könnten die Online-Gruppen erweitert werden.

Die potenzielle Zielgruppe ist groß: Den Angaben zufolge hatten Ende 2018 633 000 Bürger:innen Hessens einen Schwerbehindertenausweis aufgrund einer Behinderung mit dem Grad 50 oder mehr, um die sich zum Teil mehrere Angehörige kümmern.

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