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Hessen: Schulgeldfrei für Logopäden

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Auch Physiotherapeuten, Diätassistenzen und andere Gesundheitsberufe profitieren von dem neuen Gesetz. Die Opposition fordert mehr.

Wer Menschen helfen will, muss künftig nicht mehr für seine Ausbildung zahlen: Hessen hat das Schulgeld für Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten abgeschafft. Vom nächsten Schuljahr an ist ihre dreijährige Ausbildung kostenlos, so wie in vielen anderen Bundesländern. So steht es in dem Gesetzentwurf der Koalition, den der Landtag am Mittwoch mit den Stimmen der CDU, Grünen und FDP beschlossen hat. SPD und Linke enthielten sich, die AfD votierte dagegen.

Weitere profitierende Berufe: Diätassistenz, Medizinisch-Technische Assistenz, Orthoptik, Pharmazeutisch-Technische Assistenz, Podologie. Hessen stellt für diese Neuerung in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro bereit. In den nächsten Jahren soll diese Summe auf bis zu fünf Millionen Euro wachsen. Unabhängig von dem Beschluss gehe die Koalition davon aus, dass die bundesweite Schulgeldfreiheit bald komme, sagte Claudia Ravensburg, sozialpolitische Sprecherin der CDU.

16 000 Euro Schulden

Mit dem Beschluss ist zumindest für Einheitlichkeit in Hessen gesorgt. Insgesamt gibt es 41 Schulen für diese Gesundheitsberufe. An 20 davon wird kein Schulgeld mehr erhoben, da sie mit Krankenhäusern verbunden sind. Hier tragen die Krankenkassen zur Finanzierung bei.

Hessen habe eine unterdurchschnittliche Versorgungsquote der Heilmittelerbringer, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Daniela Sommer. Das Gesetz könne nur ein erster Schritt sein. „Es ist gut, weil die jungen Leute nicht mehr mit immensen Schulden in den Beruf starten.“ Nach Angaben des Grünen-Abgeordneten Marcus Bocklet waren das beispielsweise bei Physiotherapeutinnen bisher bis zu 16 000 Euro.

Die Summe von 1,5 Millionen Euro reiche aber bei weitem nicht aus, sagte Sommer. Nach ihren Berechnungen können davon lediglich zehn bis 14 Schüler pro Schule profitieren. „Das reicht nicht und ist nicht sozial gerecht.“

Die SPD hatte in ihrem Änderungsantrag die Übernahme der Schulgebühren entsprechend des Bedarfs alle Schüler gefordert - auch jener, die bereits in Ausbildung sind. Dafür plädierte auch die FDP-Fraktion. Die Schulgeldfreiheit sei „überfällig“, sagte Landtagsabgeordneter Yanki Pürsün. Insgesamt müssten Gesundheitsfachberufe mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Auch brauche es weitere Anreize, um einen solchen Mangel-Beruf zu ergreifen.

Eine solche Attraktivitätssteigerung verspricht sich Sozialminister Kai Klose (Grüne) vom Streichen des Schulgelds. Die sei bitter nötig, weil der interessierte Nachwuchs derzeit in andere Bundesländer abwandere, und weil so mancher Schulen deshalb die Insolvenz droht. Hessen leide unter Unterversorgung mit Fachpersonal in diesen Gesundheitsberufen. Mit der demnächst folgenden Verordnung löse Schwarz-Grün ein Versprechen des Koalitionsvertrags ein.

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