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An der Offenbacher Eichendorffschule haben 98 Prozent der Schüler nichtdeutsche Wurzeln. (Archivbild)

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Schulen in Hessen schauen sich Ideen für Integration ab

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16 Schulen beteiligen sich an dem Projekt „Willkommen, Ankommen, Weiterkommen“.

An der Wilhelm-Merton-Schule in Frankfurt lädt von Zeit zu Zeit ein Tresen im Eingangsbereich Schülerinnen und Schüler zum Gespräch mit verschiedenen Institutionen ein. Die Jugendsuchtberatung war schon da, das Bildungswerk der hessischen Wirtschaft oder der BVB – was in diesem Fall keinen Bundesliga-Fußballverein meint, sondern die Berater für eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme.

„Wir haben uns dieses offene Konzept, das ohne Hürden auskommt, bei unseren Besuchen in anderen Schulen abgeschaut“, erläutert Sascha Roggenbuck, der an der beruflichen Schule Fachlehrer für Ernährung ist. „Dort kommen die Jugendlichen schnell und einfach mit Experten ins Gespräch“ – was gerade für Schüler mit Migrations- oder Fluchthintergrund wichtig ist.

Die Wilhelm-Merton-Schule hat sich als eine von 16 hessischen Schulen an dem Projekt „Willkommen, Ankommen, Weiterkommen“ beteiligt. Es ging dabei in den vergangenen 18 Monaten darum, sich an anderen Schulen abzugucken, welche guten Ideen diese für die Integration von Flüchtlingen und Seiteneinsteigern haben. Nicht irgendwelche Schulen, sondern Träger des deutschen Schulpreises.

Durch Projekt sensibler geworden

Vermittelt hat die Kontakte die Deutsche Schulakademie, eine Tochter der Robert-Bosch-Stiftung und Partner des hessischen Kultusministeriums bei dem Projekt. Je drei Personen aus den teilnehmenden Schulen waren dort zu Gast, um die Erkenntnisse nachher in der eigenen Schule vorzustellen und umzusetzen.

An der Offenbacher Eichendorffschule, wo 98 Prozent der Schülerschaft nicht-deutsche Wurzeln haben, hat das dazu geführt, dass Lehrkräfte gemeinsam Schulmaterial entwickeln, um differenzierter unterrichten zu können. „Man darf als Lehrer kein Einzelkämpfer sein, das ist uns nochmal sehr klar geworden“, sagt Schulleiterin Alma Obradovac.

„Wir sind sensibler geworden, was die Sprache und die Sprachvermittlung angeht“, berichtet Anette Schmidt, Leiterin der Gemeinsamen Musterschule in Friedberg. Beispiel „Wasserkreislauf“. Viele Kinder ohne deutsche Muttersprache hätten Schwierigkeiten, die Bedeutung des Wortes zu erkennen, sagt Schmidt. Also müsse man zuerst klären, was ein Kreis sei, wie man im Kreis herum laufe, und was dann ein Wasserkreislauf ist. „Damit die Sprachvermittlung gelingt, muss man das gesamte Kollegium einbeziehen“, weiß die Schulleiterin.

Zum Start gab es in Friedberg deshalb eine pädagogische Konferenz. Inzwischen arbeiteten alle gemeinsam an einem Wortschatz, der die Grundlage für die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht, und damit für eine gelingende Integration sei, so Anette Schmidt.

Das Projekt im Überblick

„Willkommen, Ankommen, Weiterkommen“ ist ein Integrationsprojekt des Kultusministeriums gemeinsam mit der Deutschen Schulakademie und der hessischen Lehrkräfteakademie. 16 Schulen aus ganz Hessen haben dabei in den vergangenen 18 Monaten Träger des Deutschen Schulpreises besucht und die Erkenntnisse in Workshops an ihre Schulen angepasst. Beendet wurde das Projekt am Dienstag mit einer Tagung in der Landessportschule in Frankfurt.

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