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Lernen mit Handicap: eine Schülerin der Klasse 10aR im Deutschunterricht an der Ernst-Reuter-Schule Dietzenbach.

Corona im Kreis Offenbach

Schule mit Abstrichen

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Wie die Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach im Kreis Offenbach die Corona-Krise meistert. Ein Besuch an der kooperativen Gesamtschule mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialzweig.

Beim Gang über den Pausenhof muss Lehrer Thilo Hartmann den einen oder die andere erinnern, die Maske doch nicht nur über den Mund oder das Kinn, sondern auch über die Nase zu ziehen. Die allermeisten aber halten sich an die Regeln, auch bleiben die Klassen wie gewünscht unter sich. Ziel: das Ansteckungsrisiko minimieren.

Hartmann ist Lehrer an der Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach, einer kooperativen Gesamtschule mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialzweig: 100 Lehrkräfte, 1200 Schülerinnen und Schüler aus 100 Nationen.

Weniger Unterricht?

Höchstens zwei Doppelstunden Unterricht von jeweils 90 Minuten Dauer sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW) täglich noch zumutbar.

Wo die Maskenpflicht auch im Unterricht gilt, müsse die Stundenzahl entsprechend verringert werden, lautet die Forderung an das Land. pgh

Seit einer Woche ist wieder Unterricht. Für alle. Das hat Folgen für den Schulalltag. Maskentragen ist überall Pflicht, auch im Klassenraum. Für Lehrer und Schüler keine leichte Bürde. Das Reden strengt mehr an, das Zuhören auch. „Nach sechs Stunden tut der Kopf weh“, sagt Hartmann. Wer es nicht mehr aushält, darf kurz vor die Tür und die Maske absetzen. Frontalunterricht ist die Regel, Gruppenarbeit und selbst organisiertes Lernen – Errungenschaften moderner Pädagogik – müssen pausieren.

Auch die Nachmittagsangebote, ein Schwerpunkt im Schulprofil, wurden gestrichen. Zum einen, weil das Maskentragen über den Vormittag hinaus kaum noch erträglich wäre. Zum anderen, weil sich die Essensausgabe für mehr als 500 Nachmittagsschüler einfach nicht mit den nötigen Abstandsregeln organisieren ließ.

Schulleiter Georg Köhler sagt dennoch: „Insgesamt sind wir bislang erstaunlich gut durchgekommen.“ Eine Klasse ist wegen eines Corona-Falls zurzeit in Quarantäne. Damit sei zu rechnen gewesen, sagt Köhler, und das werde wohl so bleiben. Er sagt aber auch: „Wenn ich drei Klassen nach Hause schicken muss, sind immer noch 48 andere in der Schule und bekommen Unterricht.“ Dass tatsächlich noch einmal die Schulen flächendeckend geschlossen werden könnten, will und kann er sich nicht vorstellen.

Von seinen 100 Lehrerinnen und Lehrern sind 100 an Bord. „Keiner hat sich krank gemeldet“, sagt Köhler. Vier Lehrkräfte gehören einer Risikogruppe an. Sie arbeiten entweder von zu Hause oder haben einen Arbeitsplatz in der Schule, abseits der Klassenräume. „Eine der Kolleginnen betreut den Bereich Lese-Rechtschreib-Schwäche, gibt dort demnächst Onlinekurse“, so Köhler. Andere erstellen Material für den Unterricht der Kolleginnen und Kollegen.

Pause mit Handicap: Schülerinnen und Schüler der 9cG an der Ernst-Reuter-Schule Dietzenbach zwischen zwei Unterrichtstunden an der frischen Luft.

Wenn – wie jetzt – Klassen zu Hause bleiben müssen, werden sie ebenfalls vor allem von jenen Lehrkräften betreut, die keinen Präsenzunterricht leisten können. Die Kommunikationswege dafür sind eingerichtet, alle Lehrkräfte haben zudem in der letzten Ferienwoche an zwei Tagen die Grundbegriffe fürs Distanz-Unterrichten gepaukt. Bald kommen auch die Leih-Tablets für Schüler, die sonst abgehängt würden.

Es sei eine schwierige Zeit für Lehrer, Schüler und Schulleiter. „Zusammen aber können wir sie bewältigen“, ist Köhler sicher.

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