Lernen auf Distanz muss gelernt werden.

Bildungsstudie

Hessen: Schüler und Eltern allein zuhaus

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Homeschooling überfordert viele Familien, wie eine Studie der Universität Marburg zeigt. Vor allem ein Fach macht Probleme.

Viele Eltern und Schüler fühlen sich beim Homeschooling alleingelassen. Vor allem mit Mathematik und Naturwissenschaften sind sie beim Lernen häufig überfordert. Das sind erste Zwischenergebnisse einer Studie der Philipps-Universität Marburg zum Lernen zu Hause.

„Die meisten haben sehr, sehr wenig Kontakt zu den Lehrern und bekommen wenig Feedback“, berichtet Ivo Züchner. Der Erziehungswissenschaftler leitet die Studie der Philipps-Universität Marburg zum Homeschooling. Befragt werden dort Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 12 nach ihren Erfahrungen mit dem Lernen daheim. Bisher haben rund 300 Kinder und Jugendliche aus Hessen daran teilgenommen, weitere 900 kommen aus Nordrhein-Westfalen.

Eltern müssten häufig die Aufgaben erklären, das Erledigen anleiten und dann auch noch die Ergebnisse kontrollieren. Das könnten nur wenige leisten, sagt Züchner. Vor allem fehle es oft an direktem Austausch mit Lehrkräften und den anderen Schülern. „Es gibt da kaum eine Chance auf einen kommunikativen Lernprozess“, berichtet er. Gleichzeitig nehme die Kluft zwischen Schülern, die von zu Hause viel Unterstützung bekämen, und anderen, bei denen das nicht der Fall sei, zu.

Die durchschnittliche Lernzeit je Wochentag liege zwischen zwei und vier Stunden – also deutlich weniger als im normalen Schulalltag. „Viele berichten aber auch, dass sie höchstens zwei Stunden oder auch gar nicht lernten“, sagt der Erziehungswissenschaftler. Am besten kämen die Schülerinnen und Schüler noch mit Fächern wie Deutsch, Englisch oder Philosophie und Ethik zurecht.

Allerdings habe die Ausnahmesituation auch positive Effekte. So habe es einen „Zwangsdigitalisierungsschub“ sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrkräften gegeben. Gerade am Anfang sei dabei viel ausprobiert worden, teilweise auch datenschutzrechtlich bedenkliche Verfahren. „Lehrer und Schüler mussten sich plötzlich damit auseinandersetzen, wie Kommunikation und pädagogische Inhalte online organisiert werden können“, so Züchner. Denn auch dort, wo Schulen bereits an Lernplattformen angeschlossen gewesen seien, seien diese häufig kaum genutzt worden.

Bis Ende Mai soll die Onlinebefragung noch laufen. Ergebnisse sollen Anfang Juni veröffentlicht werden.

Die Teilnahme  (Dauer 20 bis 30 Minuten) ist möglich unter dem Link www.soscisurvey.de/Homeschooling_D

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