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Berufliches Schulzentrum für Technik und Wirtschaft: arbeiten am Schraubstock.

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Hessen ist Schlusslicht bei Technikunterricht

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Der Industrieverband bemängelt mangelhafte Schulbildung. Es wurde ein verpflichtendes Fach gefordert. 

Hessens Schülerinnen und Schüler lernen nach Einschätzung der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer zu wenig über Technik. Dies müsse sich ändern. Der Industrieverband VDMA fordert die Einführung eines verpflichtenden Schulfachs Technik in allen Schulformen.

Zehn von 16 Bundesländern bieten bereits ein solches eigenständiges Fach an, wenn auch nicht immer verpflichtend und auch nicht an allen Schulen. Das hat der VDMA in einer bundesweiten Erhebung ermittelt, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Hessen gehört nicht zu diesen Ländern. Stattdessen werde technisches Wissen zumeist in den Naturwissenschaften vermittelt. Dies sei zwar besser als nichts, genüge aber nicht, moniert der VDMA.

Unausgebildete Lehrkräfte 

„Oft sollen Lehrkräfte der Naturwissenschaft in ihrem Fach technische Inhalte vermitteln, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind“, kritisiert Verbandsgeschäftsführer Jörg Friedrich. Deutschland stehe vor großen technischen Herausforderungen, auf die in der Schule vorbereitet werden müsse. „Wer Physik oder Biologie studiert hat, hat es schwer, als Lehrer im Unterricht Technikkompetenzen wie Erfinden, Konstruieren oder Fertigen zu vermitteln“, sagt Friedrich.

Nachholbedarf gebe es besonders an den Gymnasien. Nur in drei Ländern stehe Technikunterricht auf dem Stundenplan. In Hessen werde das Fach Technik lediglich an den Mittelstufenschulen in Kooperation mit Berufsschulen unterrichtet.

Gut aufgestellt sieht der VDMA Hessens Schulen dagegen bei der Praxis- und Berufsorientierung. Betriebspraktika, Betriebserkundungen und die Möglichkeit zu gemeinsamen Projekten von Schulen und Unternehmen unterstützten Schüler bei der Berufswahl.

Technik als verpflichtendes Fach 

Konkret fordert der Verband für Hessen die Einführung des Fachs Technik an allen Schulformen ab Klasse 5. Es solle in der Mittelstufe verpflichtend unterrichtet werden. In der Oberstufe könne es dann als Wahlpflichtfach angeboten werden, wie dies beispielsweise in Sachsen-Anhalt der Fall sei.

Für das Fach sollten bundesweit Mindeststandards definiert werden. In der Mittelstufe solle zudem ein Curriculum für das Fach Informatik entwickelt werden, da die informationstechnische Bildung aufgrund der Digitalisierung an Bedeutung zunehme. Bislang gibt es ein solches Curriculum in Hessen nur für die gymnasialen Oberstufen.

Im VDMA sind rund 3200, zumeist mittelständische, Unternehmen organisiert. Er ist der größte Industrieverband in Europa und hat seinen Sitz in Frankfurt.

Für die Erhebung hat der Verband die Technikinhalte der Schulcurricula in allen Fächern der Mittel- und Oberstufe erfasst.

Neben der Technik ist auch Digitalisierung ein Thema in Hessen. Digitalministerin Kristina Sinemus sprach zuletzt über das hessische „Silicon Valley“. Noch ist ungewiss, inwieweit Digitalisierung die Jobs verändern wird.

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