Reisen mit Corona

Hessen: Schärfere Regeln für Urlauber

  • Peter Hanack
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  • Jutta Rippegather
    Jutta Rippegather
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Reisende aus dem Main-Kinzig-Kreis müssen nach der Rückkehr aus Risikogebieten in Quarantäne – und ihre Angehörigen gleich mit, selbst wenn diese gar nicht weg waren. Auch Hessen soll eine Verschärfung prüfen.

Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die im Main-Kinzig-Kreis zu Hause sind, unterliegen strengeren Regeln als andere Hessen: Nicht nur sie selbst, sondern in bestimmten Fällen auch ihre Angehörigen aus dem selben Haushalt müssen sich in Quarantäne begeben, auch wenn diese gar nicht im Ausland waren. Die Maßnahmen sollen vor allem Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten und Altenheime vor dem Kontakt mit dem Coronavirus schützen.

Der Kreis hat das Land Hessen angesichts der gerade beginnenden Reisewelle aufgefordert, die Regeln ebenfalls zu verschärfen. Denn in den vergangenen Wochen hatte es in mehreren Orten im Main-Kinzig-Kreis, wie fast überall in Hessen, neue Coronavirus-Fälle gegeben. Die meisten davon, so teilt die Kreisverwaltung mit, seien auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten zurückzuführen gewesen. Unter anderem hatte das Gesundheitsamt einige Schulklassen in Quarantäne schicken sowie in der Gemeinde Biebergemünd sogar eine ganze Schule schließen müssen.

„Wir haben vor den Sommerferien in noch recht kleine Dimension erlebt, was sich über die Sommerferien und dann im Regelbetrieb aller Schulen potenzieren dürfte“, sagt Landrat Thorsten Stolz (SPD). „Das müssen und wollen wir verhindern.“ Um das zu erreichen, müsse man bei den Rückkehrenden und ihren Familienangehörigen ansetzen.

In einer entsprechenden Allgemeinverfügung geht es darum, die betroffenen Personen zu isolieren. Wer aus dem Urlaub oder von einer Geschäftsreise aus einem der weltweit rund 130 Risikogebiete zurückkommt, muss wie bisher die eigenen persönlichen Daten dem Gesundheitsamt übermitteln.

Zusätzlich muss er nun auch die weiteren Mitglieder des eigenen Haushalts melden, zusammen mit Angaben zu deren schulischer beziehungsweise beruflicher Situation.

Was das Land sagt

Hessens Sozialministerium will dem Beispiel des Main-Kinzig-Kreises nicht folgen. Verwaltungsgerichtshöfe anderer Bundesländer hätten die bundesweit weitgehend einheitlichen Quarantäneregelungen für Reiserückkehrer in der Vergangenheit mehrfach aufgehoben und strenge Anforderungen an die Verhältnismäßigkeit der damit verbundenen Grundrechtseingriffe gestellt.

Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssten nicht infiziert sein, sondern könnten es lediglich. Dass Mitbewohner sich ansteckten demnach deutlich unwahrscheinlicher, als bei Corona-Positiven. Zudem beinhalte häusliche Quarantäne, sich von Familienmitgliedern fern zu halten.

Gibt es in dem Haushalt Schul- oder Kindergartenkinder, kann diesen vorübergehend der Besuch der jeweiligen Einrichtungen untersagt werden. Gleiches gilt für Personen, die im medizinisch-pflegerischen Bereich arbeiten oder Lehrer und Erzieher sind. Erst wenn der Reiserückkehrer einen negativen Corona-Test sowie eine ärztliche Bescheinigung vorlegt, dass bei ihm kein Anhaltspunkt für eine Covid-19-Erkrankung bestehe, fallen die Einschränkungen auch für alle anderen weg. Dies ist frühestens sieben Tage nach der Rückkehr möglich.

„Uns geht es darum, die besonders sensiblen Einrichtungen, also Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Pflegeheime, stärker zu schützen. Wir brauchen die größtmögliche Sicherheit, dass es in den Haushalten keinen Coronavirus-Infizierten gibt. Vorher dürfen keine Kinder und Jugendlichen und auch keine Erzieher und Pfleger wieder in ihre Einrichtungen zurück“, erklärte Landrat Stolz.

Damit geht der Main-Kinzig-Kreis über die geltenden Vorgaben des Landes Hessen deutlich hinaus. Derzeit müssen sich Urlauber oder Geschäftsreisende, die in Risikogebieten waren, melden und vorsorglich selbst häuslich isolieren. Das gilt jedoch nicht für deren Angehörige im selben Haushalt, wenn sie nicht mitgereist waren.

Diese könnten aber erst sich und dann andere anstecken. „Die geltende Verordnung des Landes Hessen reicht hier nicht aus, wie wir in den zwei Wochen leidlich erfahren mussten, in denen die Grundschulen ihren Regelbetrieb wieder aufgenommen haben“, sagt Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler (SPD). Man wolle nach den Ferien nicht eine Klassen- und Schulschließung nach der anderen erleben. Gleiches gelte für die Kindertagesstätten.

Die Infektionen seien nicht in den Einrichtungen verbreitet worden, sondern seien vor allem im privaten Bereich aufgetreten. „Die Folgen für den Unterrichtsbetrieb sind aber insgesamt enorm gewesen“, beklagt Kreisschuldezernent Winfried Ottmann (CDU).

In einem Schreiben an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) fordern die Kreisverantwortlichen die Landesregierung auf, die hessenweiten Regelungen ebenfalls zu verschärfen. Darüber hinaus sollten Passagiere bereits am Flughafen gezielter auf die Auflagen und Meldepflichten hingewiesen werden.

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