Das Werk in Mottgers gibt Vollgas, um die große Nachfrage zu bedienen. Knaus Tabbert

Tourismus

Hessen: Reisemobile sind so begehrt wie noch nie

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Reisemobile sind so begehrt wie noch nie. Knaus Tabbert in Sinntal erlebt auch wegen Corona einen Boom.

Camping boomt schon seit mehreren Jahren, und zu den großen Profiteuren zählt der Wagenhersteller Knaus Tabbert. Das Unternehmen mit Hauptsitz im bayerischen Jandelsbrunn, das auch in Sinntal-Mottgers im Osten des Main-Kinzig-Kreises produziert, schrieb schon vor Corona Rekordzahlen: Nach 720 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2018 steigerte es den Wert 2019 auf 780 Millionen Euro. Im vorigen Jahr stellte es mehr als 26 000 Reisemobile, Caravans und sogenannte CUVs (Caravaning Utility Vehicles) – zu Campingwagen umgebaute Kastenwagen – her. So viele wie noch nie.

„Wir haben jetzt sieben Jahre in Folge zweistellig zugelegt“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Diehl. Mit Prognosen hält er sich zurück, fügt lediglich hinzu: „Unsere Händler haben viel zu tun. Wir schauen sehr zuversichtlich nach vorne.“ Einiges spricht dafür, dass die Bestmarken in diesem Jahr überboten werden. So waren laut Diehl im Vermietservice bereits Anfang Juli rund 80 Prozent der Fahrzeuge für diesen und den folgenden Monat gebucht, 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei etwa der Hälfte der Mieter handele es sich um Neueinsteiger. Bei den favorisierten Modellen gebe es keinen Schwerpunkt. Käufer und Mieter verteilten sich auf das gesamte Segment, dessen Preisspanne zwischen 10 000 und 600 000 Euro liegt. Ein Trend seien die CUVs.

Die Produktion gebe seit Anfang Mai wieder Vollgas, die Nachfrage sei groß und offenbar durch die Pandemie erhöht. „Viele Menschen entdecken Caravaning gerade als sichere Möglichkeit, Urlaub zu machen.“ Mit dem Caravan oder Reisemobil Urlaub zu machen und ein eigenes Bad sowie eine eigene Küche dabei zu haben, betrachteten viele Kunden nun als große Vorteile.

Firma sucht Mitarbeiter

Maximilian Knoll, der für die vermietende und verkaufende Hüttlrent GmbH in Maintal-Dörnigheim tätig ist, spürt den Boom – bei Knaus Tabbert und anderen Marken. „Eine so hohe Nachfrage hatten wir noch nie“, sagt er. Das „selbstbestimmte Reisen“ sei schon vor der Corona-Krise angesagt gewesen und habe jetzt noch an Popularität gewonnen. Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes wirke sich ebenfalls positiv aus. Bei Hüttlrent in Dörnigheim gibt es noch verschiedene Modelle. Doch wer ganz individuelle Wünsche bei der Ausstattung hat, muss unter Umständen bis März oder April warten.

Bei Knaus Tabbert lief es nicht immer so gut. Im Jahr 2008 musste die Firma Insolvenz anmelden und Stellen streichen. Die niederländische Investmentgesellschaft HTP Investments BV stieg ein.

Heute zählen Nagyoroszi in Ungarn und Schlüsselfeld in Bayern, wo für das Luxussegment produziert wird, zu den weiteren Niederlassungen. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen mit den Marken Knaus, Tabbert, T@b, Weinsberg, Morelo und Rent And Travel nach eigenen Angaben gut 3000 Mitarbeiter und gehört zu den führenden Anbietern in Europa.

Das Werk im Sinntaler Ortsteil Mottgers existiert bereits seit 1959. Zunächst entstanden hier Wagen der Marke Tabbert, später auch Knaus-Mobile. Kurzarbeit wurde hier in den vergangenen Monaten nicht eingeführt, es gab aber eine mehrwöchige Betriebsruhe, weil Zulieferer vorübergehend nicht fertigen konnten. Knaus Tabbert nutzte die Zeit nach eigenen Angaben für ein Hygienekonzept, zu dem eine Maskenpflicht und Temperaturmessungen gehörten, heißt es.

Etwa 350 Mitarbeiter sind hier derzeit tätig. Und wegen der Rekordnachfrage werden weitere gesucht, darunter Produktionsmitarbeiter, Tischler, Schreiner und Mechaniker.

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