+
Wenn in einer WG sechs Pflegebedürftige lebten und jeder von ihnen einen anderen Pflegedienst habe, werde die Wohngemeinschaft gar nicht als solche erfasst.

Regularien

Hessen: Regeln für Pflege-WGs gefordert

  • schließen

Die Krankenkasse Barmer wünscht sich Rahmenbedingungen für Pflege-Wohngemeinschaften, um den Pflegebedürftigen einheitliche Qualität zu bieten. Die Landespolitik müsse nun Regularien erlassen.

Die Barmer Hessen hat in ihrem Pflegereport 2019 einen genauen Blick auf alternative Wohnformen geworfen. Die Krankenkasse begrüßt den Trend zu ambulanten Pflege-Wohnformaten, fordert aber dringend Transparenz und Qualitätsmaßstäbe.

Bei der Frage, wie Pflege künftig aussehen könne, sind bei der Barmer besonders die Pflege-WGs in den Fokus geraten. Das sind Wohngemeinschaften von Pflegebedürftigen, die gemeinschaftlich Betreuung und Pflege organisieren. In einer Broschüre des Landes Hessen zum Wohnen steht, dass ambulant betreute Pflegewohngemeinschaften mehr Individualität bieten. Sie kombinieren Eigenständigkeit und Gemeinsamkeit und sollten idealerweise großzügige Wohn- und Essbereiche haben. Im Bedarfsfall sollte es einen Ansprechpartner, wie etwa eine Präsenzkraft oder Alltagsbegleitung, geben.

Pflege-WG

Etwa 4000 Pflege-WGsgab es 2018 in Deutschland. Darin lebten rund 31 000 Pflegebedürftige.

In Hessenwurde die Zahl für 2018 auf 700 Pflegebedürftige in Wohngemeinschaften geschätzt.

Die Bewohnerkönnen Unterstützung (Wohngruppenzuschlag) beantragen. Bundesweit stieg die Zahl vom Wohngruppengeldempfängern im Zeitraum 2012 bis 2018 um 3344 Prozent. 

„Das ist eine innovative und gute Organisationsform, die aber keine Rahmenbedingungen hat“, berichtete Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Barmer Hessen, bei der Vorstellung des Pflegereports am Mittwoch. Sudhoff sprach von einem rechtsfreien Raum, in dem es aktuell nur eine Meldepflicht gebe und die Beschränkung, dass zwischen zwei und elf Personen in einer WG leben dürfen. Für den Anfang seien wenige Regularien zwar gut, damit sich WGs gründen und neue Wege beschritten werden könnten, „aber nach einer gewissen Zeit braucht es Rahmenbedingungen“.

Diese seien Ländersache, und andere Bundesländer seien schon weiter als Hessen. Mit Ausnahme von Sachsen haben alle anderen Länder bereits mehr Regulierungen erlassen. So gibt es beispielsweise ordnungsrechtliche Prüfungen, Personalvorgaben, Definitionen für räumliche Anforderungen oder auch Förderprogramme. Sudhoff sprach sich beispielsweise dafür aus, räumliche Anforderungen festzulegen. Aber ob so etwas wirklich sinnvoll sei, wolle er gern mit den hessischen Politikern in Gesprächen erörtern. Bisher sei das Thema aber kaum beachtet worden, nun gebe es Nachholbedarf.

Der Landesgeschäftsführer gab ein Beispiel für die Intransparenz bei Pflege-WGs in Hessen. Wenn in einer WG sechs Pflegebedürftige lebten und jeder von ihnen einen anderen Pflegedienst habe, werde die Wohngemeinschaft gar nicht als solche erfasst. Die Dienste müssen nur anzeigen, wenn sie in einem Haushalt mehr als zwei Personen versorgen. Schätzungen, dass 700 Menschen in Hessen in Pflege-WGs leben, beruhen auf der Anzahl der Wohngruppenzuschläge. Wer die Unterstützung nicht beantragt hat und trotzdem in einer WG lebt, ist nicht erfasst. „Genaue Zahlen gibt es nicht“, sagte Sudhoff.

Die geforderten Rahmenbedingungen sollen Maßstäbe für die Qualität der Wohngemeinschaften schaffen. Davon würden die Bewohner profitieren, und Interessierte wüssten im Vorfeld, was sie erwartet. Schließlich erhofft sich der Barmer-Geschäftsführer, dass alle WGs im Pflegelotsen erfasst sind. Auf der Internetplattform könnten so alle ambulanten Wohngruppen übersichtlich gefunden und schließlich auch miteinander verglichen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare