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Hessen: Rechter Schläger verurteilt

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Von: Joachim F. Tornau

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Symbolfigur der Gerechtigkeit: die Justizia.
Justizia. © Andreas Arnold

Ein 20 Jahre alter Neonazi aus Schwalmstadt, der bereits wegen etlicher Gewalttaten in Haft sitzt, muss länger im Gefängnis bleiben. Er hat einen jungen Mann vor ein Auto geworfen.

Als Tristan G. am Mittwoch nach der Urteilsverkündung wieder in den Gefangenentransporter kletterte, hatte er noch etwas Dringendes mitzuteilen. „Hier, Presse!“, rief er den Reportern zu. „Ich bleibe Nazi, bis ich sterbe!“ Bis auf weiteres bleibt er es hinter Gittern: Der 20-Jährige, der wegen etlicher rechter Gewalttaten bereits in Jugendhaft sitzt, hatte gerade die nächste Verurteilung kassiert. Das Amtsgericht im nordhessischen Schwalmstadt stockte seine zu verbüßende Jugendstrafe um acht Monate auf zwei Jahre und elf Monate auf.

Der junge Schwalmstädter ist nicht nur Fan der Frankfurter Eintracht und der AfD. Er war auch Parteigänger der neonazistischen Kleinstpartei „Die Rechte“. Vor knapp zwei Jahren wurde er verurteilt, weil er mit zwei damaligen Funktionären des mittlerweile inaktiven hessischen Landesverbands eine Kneipe in Kirchhain überfallen hatte. In Crailsheim zog er einem Mann ein Messer durchs Gesicht, in Kassel machte er Jagd auf vermeintliche Linke: Mit einem Gleichgesinnten rempelte er nachts einen Passanten an, fragte ihn, ob er „gegen rechts“ sei, und schlug zu, als er ein Ja zur Antwort bekam.

Solche Taten füllen G.s Vorstrafenregister. Was ihn nun erneut vor Gericht brachte, passt dazu. Im Juni 2021 rief er einem Studenten, der nichts getan hatte, außer am Gießener Hauptbahnhof an ihm vorbeizugehen, eine homophobe Beleidigung hinterher und spuckte in seine Richtung aus. Und im November griff er in Schwalmstadt ohne jeden Anlass einen 20-Jährigen an, am helllichten Tag, auf offener Straße. „Ich wurde mehrfach in den Rücken getreten und ins Gesicht geschlagen“, berichtete das Opfer. „Als ein Auto kam, bin ich am Rucksack gepackt und auf die Straße geworfen worden.“ Nur dank einer Vollbremsung des Autofahrers sei nichts Schlimmeres passiert.

Gekannt habe er den Angreifer nicht. Und zumindest darin stimmte ihm Tristan G. zu. Die Beleidigung in Gießen gab der Angeklagte, der zunächst gar nichts hatte sagen wollen, am Ende zu („Ich war schlecht gelaunt und habe Streit gesucht“), die Attacke in Schwalmstadt aber bestritt er. Er kenne das Opfer nicht. Und überhaupt: „Wenn ich jemanden so angreife, dann sieht der hinterher anders aus.“

Das Gericht jedoch glaubte einer Bekannten von G., die den Überfall zufällig im Vorbeifahren beobachtet hatte – und die trotz offen eingeräumter Angst vor dem rechten Schläger zur Aussage bereit war. Nicht zur Sprache kam im Prozess hingegen, was der Angeklagte bei Instagram zur Tat geschrieben hatte. Wie die antifaschistische Initiative „Stadt, Land, Volk“ aus Marburg via Twitter öffentlich machte, hatte Tristan G. ein Foto der Anklage gepostet, versehen mit dem Hashtag „#linkeumboxen“. Was wohl nicht nur als Geständnis zu werten ist, sondern auch die Frage nach dem Tatmotiv beantworten dürfte.

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