1. Startseite
  2. Rhein-Main

Hessen: Razzien gegen Kindesmissbrauch

Erstellt:

Von: Hanning Voigts

Kommentare

Die hessische Polizei geht gegen Kindesmissbrauch vor (Symbolbild). Foto: Stock Exchange
Die hessische Polizei geht gegen Kindesmissbrauch vor (Symbolbild). © Stock.xchng

Der hessischen Polizei ist im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Kindern offenbar ein größerer Schlag gelungen. In ganz Hessen wurden 57 Wohnungen durchsucht, ermittelt wird gegen insgesamt 64 Verdächtige.

Die hessische Polizei ist in der vergangenen Woche mit einer koordinierten Aktion gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen vorgegangen. Wie das hessische Landeskriminalamt am Montag mitteilte, wurden insgesamt 57 Wohnungen in ganz Hessen durchsucht. Den 64 Beschuldigten in diesem Ermittlungskomplex wird sexueller Missbrauch von Kindern oder die Herstellung, der Besitz und die Verbreitung sogenannter Kinderpornografie zur Last gelegt.

Die Durchsuchungen fanden den Angaben zufolge in den hessischen Großstädten Frankfurt, Kassel, Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden statt, aber auch in 16 Landkreisen, darunter der Landkreis Groß-Gerau, der Wetteraukreis, der Main-Kinzig-Kreis und der Hochtaunuskreis. Bei den Beschuldigten handelt es sich um 54 Männer und zehn Frauen, die nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wohl nicht miteinander in Kontakt standen. Neun der Beschuldigten wurden nach den Hausdurchsuchungen auf der nächstgelegenen Polizeiwache vernommen, sie blieben aber zunächst alle auf freiem Fuß.

Auf die Ermittler:innen kommt jetzt sehr viel Arbeit zu. In den durchsuchten Wohnungen stellten die Polizeibeamt:innen eine große Menge potenzieller Beweismittel sicher, darunter 92 Handys, 48 USB-Sticks und 43 Computer oder Laptops. Alle diese Geräte und Speichermedien müssen jetzt auf sogenannte kinderpornografische Bilder und Videos durchsucht werden, um die Anschuldigungen erhärten zu können.

Hilfe im Netz

Beratungsstellen zum Thema Kindesmissbrauch findet man im Internet unter www.hilfe-portal-missbrauch.de. Die hessische Polizei informiert auch unter der Adresse https://k.polizei.hessen.de/229996008.

Die insgesamt 234 Polizistinnen und Polizisten, die bei der vom Landeskriminalamt organisierten Aktion beteiligt waren, kommen großteils von einer spezialisierten Ermittlungseinheit der hessischen Polizei, der sogenannten BAO Fokus. Diese besondere Aufbauorganisation wurde im Oktober 2020 gebildet und umfasst unter anderem Spezialist:innen für Informationstechnik. Die BAO Fokus wird von einem eigenen Führungsstab geleitet, umfasst Ermittler:innen in allen sieben hessischen Polizeipräsidien und ist landesweit für Ermittlungen im Bereich Kindesmissbrauch zuständig,

Aus Anlass der umfangreichen Durchsuchungen in der vergangenen Woche erinnert die Polizei daran, dass sie gerade beim Thema sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen ist. Da die meisten Taten sich in der Familie oder im engen sozialen Umfeld der Betroffenen ereigneten, sei das Dunkelfeld in diesem Bereich sehr groß, hieß es.

„Schweigen hilft nur den Tätern“, sagte Kriminalhauptkommissar Holger Däubner, Opferschutzbeauftragter im hessischen Landeskriminalamt. „Wegzusehen ist das Schlimmste, was einem Missbrauchsopfer passieren kann.“ Wer einen Verdacht habe, dass ein Kind oder ein Jugendlicher sexualisierte Gewalt erfahren könnte, sollte daher nicht zögern, die Polizei zu verständigen, sagte Däubner. Ohne eine Strafanzeige blieben Täterinnen oder Täter möglicherweise unbehelligt und könnten weitere Taten begehen. Wer sich unsicher sei, ob eine Anzeige im konkreten Fall richtig sei, könne sich an eine Beratungsstelle wenden.

Kurz vor Weihnachten hatte der Fall eines Jugendtrainers des SV Wehen Wiesbaden für bundesweites Aufsehen gesorgt. Dem 34 Jahre alten Mann wird vorgeworfen, mehrere Jungen betäubt und vergewaltigt zu haben. Der Täter soll seine Taten mit seinem Handy selbst gefilmt haben.

Auch interessant

Kommentare