Verkehr

Hessen: Radwege werden ein neuer Schwerpunkt sein

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Hessen-Mobil-Chef Riegelhuth über die künftige Arbeit der Behörde und leere Autobahnen in Corona-Zeiten.

So entspannt war Autofahren selten: bis zu 70 Prozent weniger Reisende am Osterwochenende. Seit vergangener Woche zieht der Verkehr sehr langsam wieder an, sagt Gerd Riegelhuth, Präsident der Landesbehörde Hessen Mobil, die zum Jahresende die Zuständigkeit für 1000 Kilometer Autobahn an den Bund abgeben muss.

Herr Riegelhuth, für das lange 1.-Mai-Wochenende ist auch nicht mit Staus zu rechnen. Da können Sie als Straßenverkehrsbehörde doch sehr viel reparieren und sanieren. Nutzen Sie die verkehrsarme Zeit?

Wir nutzen sie für Unterhaltungsarbeiten auf den hochbelasteten Autobahnen, wo wir sonst teilweise nachts arbeiten müssen. Auch für Mäharbeiten. Aber die vielen größeren Bauprojekte unterliegen einer Jahresplanung. In diesem Jahr überschreiten wir die Eine-Milliarde-Euro-Grenze. Solche Maßnahmen sind längerfristig vorbereitet, stehen in Abhängigkeit von anderen Bauprojekten, weil man Umleitungen braucht. Man kann nicht einzelne Schritte herausgreifen oder platzieren. Und die EU-weiten Vergabeverfahren benötigen einen Vorlauf von bis zu neun Monaten.

Jahrzehntelang geschah nichts, gammelte die Infrastruktur vor sich hin. Warum wird jetzt plötzlich so viel gebaut?

Ja, endlich gibt es Investitionen in die Infrastruktur von Straßen und Schienen. Der Trend hat sich ja schon vor einigen Jahren umgekehrt.

Das fällt zum Beispiel auf der Autobahn A5 auf, wo im Taunus Richtung Norden endlich die Raststätte Schäferborn ausgebaut wird, vor der die Lastwagen nachts bis in den Randstreifen parkten.

Das ist wahr. Die sieben Parkstände für Lkw und 38 für Pkw reichen schon lange nicht mehr aus. Sollte alles weiter nach Plan laufen, sind wir zum Jahresende mit der Baumaßnahme fertig. Dann werden den Lkw 75 und den Pkw 45 Stellplätze zur Verfügung stehen. Nachts können zusätzliche 25 Lkw-Stellplätze genutzt werden, die tagsüber für Pkw reserviert sind.

Zur Person

Gerd Riegelhuth, Jahrgang 1956, ist seit mehr als einem Jahr Präsident der Landesbehörde Hessen Mobil. Seit Frühjahr lehrt er als Honorarprofessor am Fachbereich Bauingenieurwesen der Hochschule Darmstadt.

Hessen Mobilist zuständig für die Bundesfernstraßen, Landes- und meisten Kreisstraßen in Hessen. Zu den Aufgaben gehören die Planung und der Bau neuer Straßen Brücken, die Unterhaltung sowie die Beeinflussung des Verkehrs. Des weiteren die ÖPNV-Förderung. 

Wie ist die aktuelle Verkehrslage bei den Lastwagen? Haben die Fahrer noch das Problem, dass die Sanitäranlagen geschlossen sind?

Wir haben einen Rückgang beim Kfz-Verkehr von teilweise werktags bis zu 50 Prozent. Das ist zum Großteil dem Pkw geschuldet. Der Lkw-Verkehr ist nicht in dieser Größenordnung zurückgegangen; hier liegen die Abnahmen bei 10 bis 20 Prozent. Zu dieser Kategorie gehören aber auch ähnliche Fahrzeugtypen wie Reisebusse, deren Anteil allein teilweise um 80 Prozent zurückging. Die eher geringen Abnahmen beim Lkw-Verkehr schlagen sich in der Stellplatzsituation nieder, die ist weiter angespannt. Das Problem der geschlossenen Sanitäranlagen ist mittlerweile durch die Intervention von Hessen Mobil und mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums weitestgehend gelöst. Für unbewirtschaftete Rastanlagen wird derzeit im Rahmen eines Pilotprojektes durch das Ministerium das Aufstellen von Duschcontainern geprüft. Da ist jetzt alles wieder im Lot.

Zum Jahresende geht die Zuständigkeit für die Autobahnen an den Bund über. Was bedeutet das für Sie?

Wir müssen 1000 der insgesamt 16 200 Kilometer Straße abgeben, für die wir derzeit Verantwortung tragen. Wir decken aber weiter das ganze Spektrum ab – von Straßenbau, Verkehr bis Betriebsdienst. Die Anzahl der Großprojekte wie die Autobahnprojekte Schäferborn oder Schiersteiner Brücke wird abnehmen. Wir werden aber noch eine ganze Menge Bauprojekte umzusetzen haben. Der hessische Koalitionsvertrag sieht neben den Maßnahmen im Rahmen der Sanierungsoffensive etwa zusätzliche Investitionen in Radwege vor. Das wird eine der großen Herausforderungen und einer der Schwerpunkte sein. Dort sind die Planungen nicht minder komplex als im Straßenbau.

Vor knapp zwei Jahren ist Hessen Mobil ins House of Logistic und Mobility (Holm) umgezogen. Warum?

Wir brauchten mehr Platz für die Verkehrsleitzentrale. Es hatte aber auch inhaltliche Gründe. Wir sehen uns im ganzen Themenkomplex Nahmobilität, Vernetzung der Verkehrsträger, Unterstützung der Verkehrswende künftig in einer stärkeren Rolle.

Interview: Jutta Rippegather

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