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Der Taser sorgt für fünf Sekunden Handlungsunfähigkeit des Aggressors. Meist reicht dies.

Erlaubnis von Beuth

Polizei setzt Taser in ganz Hessen ein 

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Hessens Innenminister Peter Beuth stattet Beamte landesweit mit dem Elektroimpulsgerät aus. Die Gewerkschaft weist Bedenken zurück.

Ein Randalierer verbarrikadiert sich in seiner Wohnung, wirft mit Gegenständen und bedroht die Rettungskräfte mit einem Hammer. Ein anderer junger Mann hantiert mit einer Pistole auf einem öffentlichen Platz. Solche schwierigen Situationen haben Polizisten im vergangenen Jahr in Offenbach und Neu-Isenburg ohne den Einsatz einer Schusswaffe lösen können, indem sie die Männer mit einem Taser außer Gefecht setzen.

Taser löst Stromschlag aus

Das Elektroschock-Gerät, das aus einigen Metern Entfernung abgeschossen wird, löst einen Stromschlag aus. Seit zwei Jahren macht sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP) dafür stark, den Beamtinnen und Beamten den Taser für solche Einsätze zur Verfügung zu stellen. Nach einer mehrmonatigen Testphase in Frankfurt und Offenbach folgt Innenminister Peter Beuth (CDU) diesem Wunsch. Jedes der sieben Polizeipräsidien erhält nun fünf der Elektroimpulsgeräte. Die Polizisten müssen allerdings noch dafür geschult werden.

„Der Taser ist in vielen Fällen die mildere Variante der Schusswaffe und stellt eine sinnvolle Ergänzung der Ausrüstung unserer Schutzleute dar“, urteilt der Minister. „Oftmals hat schon die Androhung zu einer Deeskalation der Lage geführt.“ Deswegen werde die Polizei landesweit mit der Waffe ausgestattet. Hessen ist laut GdP das dritte Bundesland, das diesen Schritt geht – nach Rheinland-Pfalz und Berlin.

„Wir sind darüber sehr dankbar“, kommentierte der GdP-Landesvorsitzende Andreas Grün. Die Gewerkschaft hoffe, dass Angriffe auf Polizisten mit Hilfe des Tasers verhindert werden könnten, allein schon durch die Androhung seines Einsatzes.

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Da das Gerät umstritten ist, wurde es getestet. Elf Mal sei es zum Einsatz gekommen, berichtete Beuth. Dabei hätten schwere Verletzungen vermieden werden können. „Nach fünf Sekunden merkt die Person von dem Einsatz nichts mehr, aber die Einsatzlage ist geklärt“, betont Gewerkschafter Grün. Dank des Tasers könne der Einsatz der Schusswaffe, aber auch von Schlagstock oder Pfefferspray vermieden werden. So war der Taser in einem Fall eingesetzt worden, als die Polizei einen „hochgradig aggressiven“ Mann in seiner Wohnung festnehmen wollte, aber das Versprühen von Pfefferspray wegen der anwesenden Kinder vermeiden wollte.

Amnesty International lehnt Taser-Einsatz ab

Amnesty International lehnt den Einsatz des Elektroschock-Gerätes ab. Erfahrungen in den USA und den Niederlanden zeigten, dass der Taser gegen Unbewaffnete, teils bereits mit Handschellen gefesselte Personen eingesetzt werde. Hunderte von Todesfällen würden mit dem Einsatz des Tasers verbunden.

Gewerkschafter Grün widerspricht. Es gebe keinen Nachweis, dass ein Mensch „unmittelbar aufgrund des Taser-Einsatzes“ ums Leben gekommen sei. Zudem setze die Polizei in den USA das Gerät bereits ein, wenn jemand sich bei einer Kontrolle nicht kooperativ verhalte. Davon sei Deutschland weit entfernt.

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