Liam Conway aus Idstein mit deutlichen Schürfwunden im Gesicht.
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Liam Conway aus Idstein mit deutlichen Schürfwunden im Gesicht.

„Ich krieg‘ Panik!“

Polizeigewalt in Hessen: Polizisten sollen Mann die Luft abgedrückt haben

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Ein Kickboxer aus Idstein erstattet nach seiner gewaltsamen Festnahme Anzeige gegen Polizeibeamte. Die schildern die Auseinandersetzung vollkommen anders.

  • Beamten in Idstein wird Polizeigewalt vorgeworfen.
  • Der Betroffene schreit, dass er keine Luft bekomme.
  • Die Polizei in Idstein sieht den Vorfall ganz anders.

Idstein - Idsteiner Polizisten sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, mit unangemessener Gewalt gegen einen Mann vorgegangen zu sein, der seinen Vater von der Polizeiwache abholte. In Videos ist zu sehen, wie sie ihn vor der Wache zu dritt zu Boden drücken. Fotos zeigen, dass der Mann blutige Verletzungen im Gesicht davontrug. Nun hat er die Polizeibeamten angezeigt. Sein Vorwurf lautet: Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Unstrittig ist, dass der Betroffene mehrfach „Ich krieg’ keine Luft“ schrie, als er unter den Polizisten auf dem Boden vor der Wache lag. „Bitte, bitte, bitte – ich krieg’ Panik“ ist weiterhin auf einem Video zu hören, das ein Passant machte und unter dem Titel „Polizeigewalt“ ins Internet stellte.

Idstein: Gewaltsame Festnahme der Polizei

Der 38-jährige Idsteiner Liam Conway hatte an jenem 9. September seinen 74-jährigen Vater, dem ein Verkehrsdelikt vorgeworfen wurde, von der Wache abholen wollen. Dort kam es offenbar zu einem Streit, als Conway die Polizisten aufforderte, seinem Vater ein Glas Wasser zu geben. Was dann geschah, stellen die Beteiligten gegensätzlich dar.

Das Polizeipräsidium Westhessen berichtete, dass der 38-Jährige aggressiv aufgetreten sei, einen Polizeibeamten weggeschubst und versucht habe, eine Polizeibeamtin zu schlagen. Außerdem habe er „versucht, nach dem Pfefferspray eines Polizisten zu greifen“. Im Polizeibericht hieß es weiter: „Er musste auf den Boden gebracht und gefesselt werden.“ Erst nach der Fesselung habe er sich beruhigt.

Idstein: Mann von Polizei zu Boden gedrückt - Atemnot und Panik verspürt

Liam Conways Anwalt Michael Heuchemer hingegen betont, sein Mandant habe „selbstverständlich keinen Widerstand“ geleistet und „im Rückwärtsschritt die Station“ verlassen. Als er zwei Meter von der Tür entfernt gestanden habe, seien die Beamten auf ihn zugestürmt und hätten versucht, ihn zu Boden zu bringen. Er sei völlig perplex gewesen. Ein Beamter habe sein Knie „in den seitlichen Brustkorb“ Conways gedrückt und dessen Kopf mit der Hand zu Boden gedrückt, „wobei der sich auf dem Kopfsteinpflaster befindliche Rollsplitt Herrn Conways Gesicht zerkratzte“, schildert der Anwalt.

Der Betroffene, der an einer chronischen Lungenerkrankung leide, habe Atemnot und Panik verspürt. Noch Tage später habe er unter Kopfschmerzen und Wortfindungsstörungen gelitten.

Die Auseinandersetzung erregte offensichtlich Aufsehen, denn mehrere Menschen zückten ihre Handys und filmten die Ereignisse. Auf den Videos ist zu sehen, dass drei Polizeibeamte Conway zu Boden drücken. Einer kniet auf dem Knie des 38-Jährigen, ein anderer drückt den Kopf auf den Boden. Fotos, die Conway nach der Auseinandersetzung zeigen, lassen deutliche Schürfwunden im Gesicht erkennen. Was den Handgreiflichkeiten vor der Wache vorausging, lässt sich aus den Videos nicht entnehmen.

Idstein: Schürfwunden nach Auseinandersetzung mit Polizei

Liam Conway ist in Idstein bekannt. Der 38-jährige Kickboxer ist Vorsitzender des Vereins Taunusfighter, der Boxen und Kickboxen betreibt und sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert. Der Vereinsvorsitzende war schon in den Hessischen Landtag eingeladen, zum „Abend des Sports“ 2019, wo er sich gemeinsam mit Sportminister Peter Beuth (CDU) ablichten ließ.

Hat der Kickboxer die Polizisten mit seinen besonderen Fähigkeiten zur Gegenwehr gezwungen? Nein, betont er. Nur zum Eigenschutz habe er „passive Gegenbewegungen“ gemacht, um Verletzungen zu vermeiden. (Pitt von Bebenburg)

In Frankfurt sorgte ein Einsatz im August für Unmut über die Polizei. Videos zeigen, wie mehrere Beamte auf einen Mann einschlagen und -treten, während er auf dem Boden im Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen festgehalten wird. In Göttingen schlug ein Polizist einem jungen Mann ins Gesicht, weil er die Beamten beleidigt haben soll. Diese und weitere Einsätze lösten eine große Diskussion um Polizeigewalt in Deutschland aus.

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