Naturschutz

Hessen: Ein Platz an der Sonne für Natter und Co.

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Landesregierung unterstützt Artenschützer und präsentiert ihren Biodiversitätsbericht. Der BUND fordert mehr Anstrengungen.

In Jossgrund-Paffenhausen fühlt sich Hessens einzige Giftschlange wohl. Außer Kreuzotter finden auch Schlingnatter und Zauneidechse im Sommer Sonnenplätze und im Winter sichere Verstecke. Zu verdanken haben sie das den ehrenamtlichen Naturschützern vom Arbeitskreis Reptilien des Nabu-Kreisverbands.

Umweltstaatssekretär Oliver Conz ist am Mittwoch in den östlichen Main-Kinzig-Kreis gereist, um in ihrer Anwesenheit den Biodiversitätsbericht 2019 vorzustellen. „Schlingnatter, Kreuzotter und Heide-Wicke, die wir heute hier im Spessart bewundern dürfen, stehen beispielhaft für viele in Hessen bedrohte Tier- und Pflanzenarten“, sagt er. „Sie und ihre Lebensräume würden verschwinden, wenn wir jetzt nicht handeln.“ Das sei Ziel der Biodiversitätsstrategie. Die Rekordsumme von 21,7 Millionen Euro habe Hessen dafür bereitgestellt.

Gefährdet

Die Kreuzotter ist eine Giftschlange aus der Familie der Vipern. Die Durchschnittslänge beträgt 50 bis 70 Zentimeter. Auffällig ist ein dunkles Zickzack-Band auf dem Rücken.

Die Schlingelnatter ist ähnlich lang, schlank, hat runden Pupillen. Die Würgeschlange ist grau oder braun, hat eine dunkle Fleckenzeichnung auf dem Rücken und oft einem V-förmigen Fleck im Nacken.

Die Heide-Wicke ist ein 20 bis 40 Zentimeter hoher Schmetterlingsblütler mit einem Blütenstand von 8 bis 18 Blüten. Sie blüht zwischen Mai und Juli.

https://biologischevielfalt.hessen.de

In Jossgrund hat die Reptilen-Population sich dank Hüte-Schafbeweidung erholt. Die Wiederansiedlung nachgezüchteter Exemplare der Heide-Wicke sei einer vorbildlichen „breiten Kooperation für den Artenschutz“ zu verdanken, sagt Conz. Das Geld für den Erwerb des notwendigen Geländes stammt aus der hessischen Umweltlotterie Genau. Im Vergleich zum Jahr 2013 sei der Anteil ökologisch bewirtschafteter Fläche von 11,4 Prozent auf 15,5 Prozent gestiegen. Acht große Feldflurprojekte zum Schutz von Feldhamster, Rebhuhn und Co. seien auf den Weg gebracht. Rückzugsorte für Schwarzstörche, Wildkatzen und Luchse entstanden.

Doch von einer Trendumkehr will der Umweltstaatssekretär noch nicht zu reden: „Die wird uns nur gelingen, wenn Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft in Programmen und Einzelprojekten weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mahnt am selben Tag eine konsequentere Politik an: „Unbestreitbar großen Erfolgen der Landesregierung stehen unbestreitbar großen Eingriffen und Naturzerstörungen gegenüber“, bilanziert Landesvorsitzender Jörg Nitsch. Lob findet er für die Zunahme der Flächen des ökologischen Landbaus, das Ausweisen von zehn Prozent Staatswald als Kernzonen zur ungestörten, freien Naturentfaltung oder das Fördern von Landschaftspflegeverbänden und vielen konkrete Naturschutzprojekten

Doch bei widerstreitenden Interessen ziehe Natur- und Umweltschutz regelmäßig den Kürzeren. Und die Energiewende in Hessen habe an Schwung verloren, kritisiert Nitsch. Das unübersehbare Waldsterben führe deutlich vor Augen, dass die Anstrengungen zum Klimaschutz größer und nicht kleiner werden dürften. Die Corona-Pandemie mit ihren wirtschaftlichen Problemen dürfe nicht dazu instrumentalisiert werden, alte Wachstumsvorstellungen wiederzubeleben und Umwelt- und Naturschutz weiter zurückzudrängen, mahnt der BUND-Vorsitzende.

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