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Hessen: Platz für alle in den Freibädern

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Von: Thomas Stillbauer

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So schön abtauchen kann man nicht mehr in vielen hessischen Kommunen.
So schön abtauchen kann man nicht mehr in vielen hessischen Kommunen. © Jana Bauch/dpa

Der nächste Hitzesommer kommt bestimmt. Das Land Hessen und die Kommunen können sich vorbereiten, sagt eine Gesundheitsprofessorin.

Die Klimakrise ist keine Angelegenheit, die einfach nur anderswo unglücklicherweise ein paar Gletscher schmelzen und leider ein paar Tierarten aussterben lässt. Die Klimakrise ist gegenwärtig, hier in Deutschland, in Hessen, und sie hat massive Auswirkungen auf unsere Gesundheit, sagt Henny Annette Grewe, Ärztin und Professorin am Fachbereich Pflege und Gesundheit der Hochschule Fulda.

Ihr geht es besonders um die Hitze, die uns künftig häufiger droht. „Wir haben erlebt, dass nicht nur die Älteren leiden“, sagt Grewe im Gespräch mit Journalist:innen. Der Termin gehört zu einem Projekt, gefördert von der European Climate Foundation, um Klimaberichterstattung zu unterstützen.

Unter der Klimakrise leide auch beispielsweise die Arbeitsfähigkeit der Jüngeren, etwa in Dachgeschossräumen. „Wenn wir der Hitze nicht entfliehen können, werden wir müde und apathisch“, skizziert die Professorin, „wir sprechen dann von lähmender Hitze, in der wir das Trinken vergessen – es entwickelt sich ein Teufelskreis.“

In Frankfurt etwa hätten sich regelrechte Hitzeinseln entwickelt. Stadtgebiete, geplant in einer Zeit, als die Entscheider die Warnungen der Wissenschaft nicht hörten oder zumindest nicht ernstnahmen. Versiegelte Steinwüsten, die die Hitze speichern. Dabei habe Hessen es gar nicht schlecht gemacht, sagt Grewe: „2003 in der großen Hitzewelle gab es Todesfälle in Altenheimen – 2004 hat Hessen richtig was losgetreten.“ Ein Hitzewarnsystem entstand. Nicht direkt aus eigenem Antrieb. „Die Presse hat nachgefragt und insistiert.“ Die Landesregierung reagierte darauf.

Das hessische Hitzewarnsystem soll sicherstellen, dass vor allem die Alten- und Pflegeheime, Heime für Menschen mit Behinderungen und die Krankenhäuser tagesaktuell vom Deutschen Wetterdienst (DWD) über die Wärmebelastung informiert werden. Der DWD veröffentlicht die Hitzewarnungen, auch speziell für Landkreise, über einen Newsletter (www.dwd.de/newsletter) und in einer Smartphone-App. Das Warnsystem sei später für die ganze Bundesrepublik übernommen worden.

Andere Staaten seien dennoch weiter, berichtet die Gesundheitsforscherin. Italien und Frankreich hätten viel schneller gehandelt und verfügten auch über weitaus aktuellere Zahlen. So lagen etwa zur Hitzewelle 2003 in Deutschland erst viele Jahre später Daten vor, die zeigten, „wie untätig die Politik reagiert hatte, obwohl es 10 000 zusätzliche Tote gab – allein im Westen“, sagt Grewe.

Der Klimawandel verursacht aber nicht nur Gesundheitsprobleme. Die wirtschaftlichen Kosten für einen einzigen heißen Tag mit Temperaturen über 30 Grad summierten sich auf fünf Millionen Euro pro zehn Millionen Einwohner:innen, berechneten die Forscher Martin Karlsson und Nicolas R. Ziebarth nach Studien an den Universitäten Duisburg-Essen, Lund (Schweden) und Ithaca (USA).

Die Fuldaer Hochschule hat 19 Empfehlungen aufgelistet, die Kommunen abrufen können. „Viele Ämter müssen zusammenarbeiten“, sagt die Professorin, „betroffene Stadtgebiete müssen identifiziert, Hitzetelefone eingerichtet werden.“ Von denen aus rufen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer rund und warnen.

Und ganz konkret? Was tun, wenn die Hitze wieder kommt? Ventilatoren helfen nur, wenn sie Luft aus kühleren Regionen, etwa aus dem Keller, in die heißen Räume transportieren, warnt Grewe. Ansonsten: sich selbst abkühlen. „Schon eine Schale mit Wasser ist hilfreich.“ Noch besser: viel Wasser. Nicht nur genug Krankenhausbetten, auch genug Schwimmbadkapazitäten würden gebraucht. „Schwimmbäder dürfen natürlich nicht geschlossen werden“, sagt Henny Annette Grewe, im Gegenteil: „Die Städte sollten den Menschen sogar freien Zugang zu Wasser ermöglichen.“

Das scheint im Moment nicht sehr erstrebenswert, bei der Kälte draußen. Aber der nächste Hitzesommer kommt bestimmt.

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