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Bis zur Erschöpfung: In Hessen ist der Anteil familiärer Pfleger bundesweit am höchsten.

Umfragen

Hessen: Pflegen bis zum Schlafmangel 

Pflegende Angehörige leiden. Deshalb möchten Experten diese stärker unterstützen.

Von der Depression über Schlafmangel bis hin zu Rückenbeschwerden. Laut Umfragen der Barmer Krankenkasse sind pflegende Angehörige häufiger krank, als Leute, die nicht pflegen. „Das sollte uns zu denken geben“, sagt Norbert Sudhoff, Geschäftsführer der Barmer Landesvertretung Hessen. Für den Pflegereport 2018 hat die Barmer nach der Gesundheit pflegender Angehöriger gefragt. Bundesweit hat Hessen unter allen Versorgungsarten den höchsten Anteil an familiären Pflegern, die keine zusätzliche Hilfe beanspruchen. Rund 80 Prozent der Pflegebedürftigen möchten lieber zu Hause gepflegt werden. „Deswegen müssen wir Angehörige unterstützen“, so Sudhoff.

Seit Anfang des Jahres reichen Verordnungen der Ärzte für die Übernahme von Fahrtkosten für Pflegebedürftige, die mobil eingeschränkt sind, aus. So buchen Taxifahrer oder andere Transporteure den entsprechenden Betrag direkt von der Krankenkasse ab.

„Als Angehöriger ist es hilfreich, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen“, sagt Maren Kochbeck, Geschäftsführerin der Selbsthilfe e.V. in Frankfurt. Seit 2014 fördert Barmer daher diese Selbsthilfegruppe. „Da ist dann jemand, der versteht, wie es ist zu pflegen und auch mal an seine Grenzen zu kommen“, erklärt Kochbeck. In der Selbsthilfegruppe „Angehörige“ können die Betroffenen von einander lernen, wie man einen Pflegegrad bekommt oder worauf man einen Anspruch hat.

Einige wüssten nicht, dass die Pflegekasse die Beträge für den Pflegedienst prozentual errechne. Teilen sich zum Beispiel Pflegedienst und Angehöriger die Arbeit, erhält der Bedürftige trotzdem noch die Hälfte des Pflegegeldes. Es sei nützlich diese Kombileistung in Anspruch zu nehmen, da der Dienst mit Tipps unterstützen könne, rät Kochbeck.

Bei einem Umbau, beispielsweise einer Badewanne in eine barrierefreie Dusche, übernehmen Krankenkassen die Kosten. „Wir wollen die Rahmenbedingungen schaffen, so dass die Pflege zu Hause möglich ist“, sagt Norbert Sudhoff.

Auch während der Pflege brauchen Angehörige Unterstützung. Verletzt sich jemand bei der Pflege, so gilt dies seit 2017 als Arbeitsunfall. Zusätzlich übernehmen Krankenkassen Kosten für Dienstleistungen wie hauswirtschaftliche Hilfen oder Pflegebegleiter. Bis zu 125 Euro zahlen sie monatlich an die Bedürftigen. Auf eingereichte Rechnungen erstatten die Kassen den Betrag. „Ganz ohne Bürokratie geht es nicht. Wir müssen auch wissen, was mit dem Geld passiert“, so Sudhoff.

Anbieter solcher Dienste benötigen allerdings zuerst die Anerkennung einer zuständigen Behörde. Dafür müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. Beispielsweise müssen sie der Tätigkeit regelmäßig nachgehen. Es handle sich also um niedrigschwellige Leistungen auf professioneller Ebene.

Noch sind die Ansprechpartner in Abstimmung. Zuständig sind die Kreisverwaltung und kreisfreie Städte. Innerhalb der nächsten vier Wochen sollen sie Auskunft über die zugelassenen Anbieter geben.

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