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Hessen: Pegel in vielen Brunnen sinken

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Von: Gregor Haschnik

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Am Stausee in Ahl soll in Zukunft Wasser aus der Kinzig aufbereitet werden. Joachim Storch
Am Stausee in Ahl soll in Zukunft Wasser aus der Kinzig aufbereitet werden. Joachim Storch © Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Aufgrund der Trockenheit spitzt sich auch der Konflikt um Trinkwassergewinnung zu.

Durch die anhaltende Hitze und Trockenheit gehen sowohl in Bächen und Flüssen als auch in Trinkwasserbrunnen die Pegelstände zurück. Zu den Kommunen, die das Recht der Bürger:innen, Wasser aus Gewässern zu entnehmen, zum Großteil aufgehoben und Appelle zum Wassersparen gestartet haben, gehört der Main-Kinzig-Kreis. Dieser forderte etwa dazu auf, möglichst kurz zu duschen, Wasser beim Obst- oder Gemüsewaschen „aufzufangen“ und Wasch- und Spülmaschinen nur voll laufen zu lassen.

Nach Angaben des Kreises sind die ohnehin sehr niedrigen Wasserstände in den vergangenen Wochen noch einmal stark gefallen, in Marköbel zum Beispiel um 3,60 Meter, in Niedermittlau um 2,60 Meter. Damit bekämen die Hochbehälter, in denen das Trinkwasser gespeichert wird, ein quantitatives Problem. „Zu dem Fakt, dass der Verbrauch steigt, kommt hinzu, dass weniger Wasser aus den Brunnen nachgeliefert werden kann“, sagt die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD).

Neue Anlage an Stausee

Damit verschärft sich auch der Konflikt um die Trinkwassergewinnung in der Region. Der 1963 gegründete Wasserverband Kinzig (WKV) versorgt Frankfurt, Hanau und den Main-Kinzig-Kreis mit Wasser aus Brachttal und Birstein, wobei der Großteil, etwa 78 Prozent, nach Frankfurt gepumpt wird. Seit Jahrzehnten gibt es deshalb Streit. Bereits vor der aktuellen Hitzeperiode waren nach Angaben des BUND-Kreisverbands Main-Kinzig zahlreiche Quellen im Vogelsberg versiegt. Der Grundwasserspiegel sei deutlich gesunken, Felder und Bäume hätten nicht genug Wasser. In jüngster Zeit hat sich die Situation weiter zugespitzt, warnt der BUND-Kreisvorsitzende Bodo Delhey, weshalb die Forderungen der Naturschützer, unterstützt unter anderem von Brachttals Bürgermeister Wolfram Zimmer (CDU), dringender werden: Die im Vogelsberg geförderten Wassermengen sollen nicht, wie geplant, erhöht, sondern spürbar reduziert und die Wasserversorgung Frankfurts umgestellt werden. Die Stadt solle wie Düsseldorf auf Flusswasseraufbereitung durch Uferfiltration setzen, so Delhey, und ein Brauchwassersystem aufbauen.

Der WVK hatte Kritik zurückgewiesen: Für den Schutz der Natur sei nicht die Höchstfördermenge ausschlaggebend, sondern die Begrenzung der Mengen nach der „lokalen Grundwasserverfügbarkeit für die Biotope“. Diese werde laufend per Pegelmessung bestimmt. Um die Ressourcen zu schonen, plant der WKV eine Wasseraufbereitungsanlage am Kinzigstausee in Ahl. Dabei soll aus dem Oberflächenwasser des Flusses Trinkwasser gewonnen werden. Ziel sei es, bis 2030 damit zu beginnen.

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