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Vorsicht, Konsum! Tipps, wie man sich vor Schaden schützt

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Abo-Fallen, überteuerte Rechnungen, miese Tricks. Wir geben zum Weltverbrauchertag Tipps, wie man sich schützen kann.

Shoppen per Mausklick, endlos Musik und Filme streamen, Partner in virtuellen Börsen suchen (und finden), online Autos kaufen, Reisen buchen oder Kredite aufnehmen – die Digitalisierung macht das Konsumieren einfach. Und verführt schnell zum unüberlegten Kauf.

„Diese digitale Welt ist unübersichtlich, komplex und für den Konsumenten nicht zu durchschauen“, sagt Andrea Jahnen, geschäftsführender Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen (VZH). Die Gesetzgebung komme kaum hinterher, dem globalen Handel und Wandel Regeln zu geben, sagt Jahnen, die vor ihrer Zeit in der VZH unter anderem in Berlin ein Internetunternehmen mit aufgebaut hat.

Folgerichtig trägt der Weltverbrauchertag am heutigen Freitag das programmatische Motto „Für eine verbraucherfreundliche digitale Welt“. Es gehe darum, „seriöse Angebote zur Verbraucherberatung zu stärken und dem vielen Halbwissen, dass es in den sozialen Medien und auf unzähligen Beratungsportalen gibt, etwas entgegenzusetzen“, sagt Jahnen.

Rund 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt die VZH mit ihren acht Beratungsstellen. Jahnen will dieses Potenzial nutzen, um noch mehr Menschen als bisher zu erreichen. Dazu will sie vermehrt dorthin gehen, wo die Verbraucher sind.

Ziel sei zum einen, die Online-Angebote der Einrichtung auszubauen. Aber auch – ganz analog – den Beratungsstand mal in einer Fußgängerzone oder Bücherei aufzuschlagen, um dort Menschen anzusprechen. „Niederschwellig“ sollen die Angebote sein. Und „schnell“. Denn die Zeit, die Verbraucher aufzuwenden bereit sind, um sich zu informieren, sei kürzer geworden.

Neue Zielgruppen sind hinzugekommen. Junge Menschen, die häufig überfordert seien, ihr Leben finanziell in den Griff zu kriegen. „Weil sie entweder von zu Hause immer alles bekommen haben oder es in der Familie nie wirklich Geld gab“, weiß Jahnen aus ihren Beobachtungen. Und Flüchtlinge, Zuwanderer, die oft schon sprachlich überfordert seien, wenn es um Vertragsschlüsse oder Ähnliches gehe. Seit einiger Zeit suchen Berater deshalb auch Sammelunterkünfte auf. Angebote gebe es in zwölf Sprachen, darunter Englisch, Arabisch, Russisch und Farsi.

Zudem existiert seit einiger Zeit ein Blog, der gezielt die unter 35-Jährigen ansprechen soll. Oder Online-Ratgeber, die es möglich machen, auf einfachem Weg komplizierte Verbraucherfragen im Selbstcheck zu klären.

Inkassobüros: Angst Angst ist fehl am Platz

Die junge Frau ist sich keiner Schuld bewusst. Und doch flattert ihr eine Rechnung über 948 Euro ins Haus, weil sie auf einer Internetseite für die Vermittlung von Seitensprüngen unterwegs gewesen sein soll. Ein anderer Betroffener soll 149 Euro für nicht bestellte Kreditkarten zahlen. Ein Dritter wird per E-Mail aufgefordert, sofort 138 Euro für einen Streamingdienst zu überweisen, den er gar nicht kennt. Absender in allen drei Fällen: Inkassobüros.

„Zunächst einmal sollte man keine Angst kriegen, wenn man Post von einem Inkassounternehmen bekommt“, beruhigt Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen. Denn auch wenn die Forderungen im Ton oft sehr entschieden klingen und nachhaltig vorgetragen werden: Inkassobüros sind keine Gerichtsvollzieher, die selbst Geld eintreiben dürften. „Sie sind eher so etwas wie die helfende Hand eines Gläubigers, der das Eintreiben der Schulden outgesourct hat“, sagt Lawrence. Um Geld fordern zu können, brauche es im Zweifel einen Gerichtsbeschluss und einen Mahnbescheid. Wobei erst einmal zu klären sei, ob es denn überhaupt eine Zahlungsschuld gebe. „Wieso wollen Sie Geld von mir?“ – das sollten Betroffene fragen. Und verlangen, dass man ihnen den Nachweis der zu zahlenden Schuld erbringt. Dann könnten sie immer noch zahlen. Doch nicht immer ist es leicht zu erkennen, ob die Forderung berechtigt ist oder nicht. Die Verbraucherzentrale Hessen hat deshalb einen Selbstcheck auf ihre Homepage gestellt. verbraucherzentrale-hessen.de/

inkasso-check heißt die Adresse, unter der Betroffene schnell zur Antwort kommen, ob sie zahlen müssen oder nicht. Je nach Ergebnis stellt der Check Musterbriefe zum Ausdrucken bereit. Sollten nach dem Ausfüllen der Fragen die Zweifel nicht ausgeräumt sein, können Betroffene auch direkt einen Berater oder eine Beraterin der Verbraucherzentrale anrufen. Diese sind montags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr unter der Nummer 0900/197 20 10 (Kosten: 1,75 Euro je Minute) zu erreichen.

Schlüsselnotdienste: Manchmal wäre eine Hotelübernachtung billiger

Es ist Nacht, es ist kalt – und die Tür ist zu. Ausgesperrt. Und nun? Wer mal eben schnell die eigene Haus- oder Wohnungstür mangels Schlüssel vom Profi öffnen lassen muss, landet bei der Internetsuche ruckzuck bei einem Notdienst. Und das kann teuer werden. „1800 Euro war der höchste Betrag, der mir untergekommen ist“, erzählt Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen. „Da hatte sich eine junge Frau ausgesperrt und war an den Falschen geraten.“ Kein Einzelfall. Gerade erst habe ein Mann bei der Beratungsstelle in Gießen angerufen, der 1400 Euro für die Türöffnung inklusive Schlosswechsel zu zahlen hatte. In Nidda kam ein anderer Mann mit 450 Euro für einen Einsatz noch vergleichsweise glimpflich davon. „Dafür hatte dieser Einsatz aber auch gerade mal 23 Minuten gedauert“, erzählt Lawrence.

Bei überteuerten Notfallleistungen handelt es sich um einen Klassiker, mit dem die Verbraucherschützer immer wieder zu tun bekommen. Nicht selten stoßen die Betroffenen bei der Online-Suche im Internet auf Anbieter, die schnelle Hilfe versprechen. Längst nicht alle sind unseriös, aber es gibt in der Branche schwarze Schafe, die es auf Abzocke abgesehen haben. Überhöhte Forderungen sollten Betroffene nicht akzeptieren, rät Lawrence. „Nicht zahlen, nichts unterschreiben“, sagt sie. Häufig verlangten die Abzocker die sofortige Bezahlung mit EC-Karte. „Auch das sollte man verweigern“, sagt Lawrence. Stattdessen eine ordentliche Rechnung verlangen und diese überprüfen lassen, etwa von der Verbraucherzentrale oder der örtlichen Handwerkskammer. „Seriöse ortsansässige Betriebe teilen einem auch mit, welcher Betrag angemessen wäre, daran kann man sich orientieren.“

Wer sichergehen wolle, sich nicht auszusperren, könne einem Nachbarn oder Verwandten einen Ersatzschlüssel überlassen. „Selbst wenn Sie dann mit dem Taxi dahin fahren müssen, um den zu holen, ist das oft billiger als ein Notdienst in der Nacht oder am Wochenende“, rät die Verbraucherschützerin. Und sogar eine Nacht im Hotel könne im Vergleich zu einer Notdienst-Rechnung noch ein Schnäppchen sein.

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