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Druck-Checking, die Möglichkeit synthetische Drogen auf ihren Wirkstoff überprüfen zu lassen.

„Druck-Checking“

Steiniger Weg zum Drogen-Check in Hessen

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Bundesinstitut lehnt Modellversuch in Hessen ab. Ein Buch facht die Debatte neu an

Der klassische Konsument von Partydrogen führt ein ganz normales Leben. Er studiert oder steht im Beruf, hat eine Schulausbildung und achtet auf seine Gesundheit. Es ist ihm wichtig, zu wissen, was in den Pillen steckt, die er gelegentlich am Wochenende schluckt, um die Nacht durchfeiern zu können.

Für Leute wie ihn gibt es das Druck-Checking, die Möglichkeit synthetische Drogen auf ihren Wirkstoff überprüfen zu lassen – immer verbunden mit einer Drogenberatung. Stellt sich der Stoff als dubios oder gefährlich heraus, wirft der potenzielle Nutzer das Zeug fast immer in den Müll, so die Erfahrung.

„Druck-Checking kann Leben retten oder Schaden von dem Konsumenten abwenden“, sagt Karsten Tögel-Lins, Diplom-Sozialpädagoge beim Frankfurter Verein Basis, Beratung, Arbeit, Jugend und Kultur. Er ist Mitherausgeber des am Donnerstag an der Frankfurter Uni vorgestellten Buchs, das die Debatte in Deutschland vorantreiben soll. Der Sammelband zeigt: In den vergangenen 20 Jahren haben immer mehr europäische Länder die Chance genutzt, auf diesem Weg mit Konsumenten ins Gespräch zu kommen. „Deutschland ist inzwischen ein weißer Fleck“, sagt Tögel-Lins. Bemühungen daran etwas zu ändern, würden von der Bundespolitik oder Staatsanwälten ausgebremst.

Auch in Hessen tritt der Start des schon im ersten schwarz-grünen Koalitionsvertrag vereinbarten Modellprojekts auf der Stelle. Die 400.000 Euro dafür stehen auch für dieses Jahr im Haushalt, sagt Marcus Bocklet, sozialpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen der Frankfurter Rundschau. „Es gibt aber massive rechtiche Probleme und Bedenken.“ Vor 15 Monaten war Bocklet noch davon ausgegangen, dass es 2018 losgehen könnte in Frankfurt und einer weiteren Universitätsstadt. „Wir streben weiter einen Modellversuch an zur Frage, wie insbesondere in der Drogenszene großer Städte die Beratung, Aufklärung und der Gesundheitsschutz zielgerichtet verstärkt werden“ können, heißt es im aktuellen Koalitionsvertrag. „Zur Frage der Genehmigungsmöglichkeit eines solchen Modellversuchs soll eine Bundesratsinitiative erfolgen.“

Der Weg über die Länderkammer ist die eine Schiene. Die zweite der Antrag auf eine Präventionsstudie, den die Hochschule Koblenz vor einem Jahr beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stellte. Der wurde abgelehnt, der Widerspruch ebenfalls, so die Sprecherin des Sozialministerium Alice Engel. „Seitdem läuft ein gerichtliches Verfahren.“

Nie sei Drug-Checking so wichtig wie jetzt, sagt Mitherausgeber Bernd Werse, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mitbegründer des Centre for Drug Research an der Goethe-Universität. Die Zusammensetzung synthetischer Drogen werde immer unberechenbarer. Nicht allein, weil sie mit allem Möglichen gestreckt würden. „Seit einiger Zeit ist Ecstasy mit immer höheren Wirkstoffgehalten auf dem Markt.“ Das gelte auch für Speed, Kokain oder exotische psychoaktive Substanzen. Damit steige die Wahrscheinlichkeit der Überdosierung, die im schlimmsten Fall zum Tode führe.

Als Verantwortlicher für die jährliche Schülerbefragung im Auftrag der Stadt Frankfurt weiß Werse, wie viele Menschen vom Drug-Checking profitieren könnten: Zwei bis drei Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten im vergangenen Jahr mindestens ein Mal härtere Drogen konsumiert.

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